ELEKTRA – Essen, Aalto – Theater

von Richard Strauss (1864-1949), Tragödie in einem Aufzug, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 25. Januar 1909 Dresden, Hofoper

Regie: David Bösch, Bühne: Patrick Bannwart, Maria Wolgast, Kostüme: Meentje Nielsen, Licht-Design: Michael Bauer, Dramaturgie

Drigient: Georg Fritzsch, Tomáš Netopil, Essener Philharmoniker und Opernchor, Choreinstudierung: Patrick Jaskolka,

Solisten: Doris Soffel (Klytämnestra), Rebecca Teem (Elektra), Kathrin Kapplusch (Chrysothemis), Rainer Maria Röhr (Aegisth), Almas Svilpa (Orest) u.a.

Besuchte Aufführung: 19. März 2016 (Premiere)

Essen ElektraKurzinhalt

Elektra lebt seit der Ermordung ihres Vaters Agamemnon durch ihre Mutter Klytämnestra und ihren Liebhaber Aegisth in ständiger Trauer und sinnt auf  Rache. Ihr Bruder Orest soll Klytämnestra und Aegisth töten, sobald dieser wieder am Hof erscheint. Verkleidet als Dienstbote taucht Orest tatsächlich am Hofe auf und, nach einem kurzen Treffen mit Elektra, tötet er zuerst seine Mutter, dann ihren Liebhaber. Beide Geschwister sind nach der Tat zutiefst verstört; Elektra sieht sich nach dem Tod ihrer Mutter ihr Leben ohne weiteren Inhalt.

Aufführung

Das Bühnenbild ist mit weißen, blutbefleckten Platten ausgekleidet. In die Blutflecken hineingeschrieben sind die Worte: MAMA, WHERE IS PAPA? Verschiedene Gegenstände liegen auf dem Boden, unter anderem ein Schaukelpferd und drei Kinderstühle, ein Kinderbett und mehrere Putzeimer. Außerdem stehen viele rot leuchtende Kerzen in verschiedenen Gruppierungen auf dem Bühnenboden verteilt. Im Laufe der Vorstellung werden mehrere angedeutete Tierkadaver von der Decke heruntergelassen.
Elektra trägt ein schlichtes weißes Kleid. Zuerst barfuß, zieht sie sich am Ende leuchtend rote Schuhe an. Chrysothemis dagegen trägt ein grünblaues Kleid mit Turnschuhen. Ihre Haare sind ordentlich frisiert, im Gegensatz zu Elektras ungeordnetem Haar. Klytämnestra ist in ein schwarzes, glänzendes Gewand gekleidet. Im Haar und an Armen und Hals trägt sie viel Edelsteinschmuck und in ihre Oberarme sind jeweils zwei Ösen eingelassen, mit denen sie im Raum eingespannt werden kann. Orest trägt einen unauffälligen schwarzen Mantel mit Kapuze, ebenso wie Aegisth, der schwarz und zurückhaltend gekleidet ist.

Sänger und Orchester

Das außergewöhnlich große Orchester unter der Leitung von Tomás Netopil mußte sich direkt zu Beginn recht stark unterordnen. Gelegentlich war die Balance zwischen Orchester und dem einleitendem Chor der Mägde ein wenig ungünstig und ging zu Lasten der Textverständlichkeit. Dies änderte sich allerdings glücklicherweise mit Auftritt der Elektra, gesungen von Rebecca Teem. Diese vermochte so gekonnt mit der Begleitung umzugehen, daß nicht nur jedes Wort verständlich war, sondern daß auch ein deutlicher musikalischer Bezug zum Orchester hörbar wurde. Sie schaffte es, ihrer Stimme mit jeder Arie eine etwas andere Farbe zu verleihen, was ihr auch im Dialog mit anderen Solisten zugute kam. Kathrin Kapplusch in der Rolle ihrer Schwester Chrysothemis bildete einen gutes kontrastierenes Team. Ihre Stimme, wenn auch ähnlich durchsetzungsstark, zeichnete sich besonders durch ihre Helligkeit und  durch ihre Gesanglichkeit aus. Von ihr kamen die besonders weichen, melodischen und runden Passagen, wodurch sie der Figur einen recht kindlichen Charme verlieh.
Doris Soffel begeisterte fast am meisten durch ihre Darstellung der Klytämnestra mit einer rauhen, mitunter häßlichen, manchmal fast schreienden Stimme. Gerade deshalb, und auch, weil sie in dieser Klangfarbe nicht blieb, sondern ebenfalls mit ruhigen, wärmeren Passagen überzeugen konnte, gebührte ihr für diese Leistung Respekt. Almas Svilpa (Orest) überzeugte vor allem durch die Schlichtheit seines Gesanges im Kontrast zu den exzentrischen weiblichen Hauptfiguren. Er gab der nur kurz auftretenden Figur in ihrer Einfachheit eine Spannung, die von seinem Auftreten an sehr gut und zielgerichtet das Ende einleitete.

Fazit

Das Publikum zeigte sich ausgesprochen begeistert. Besonders  Rebecca Teem (Elektra), aber auch ihre Kolleginnen Kapplusch und Soffel ernteten frenetischen Applaus. Bemerkenswert war die besondere Begeisterung des Publikums für die Arbeit der Bühnen – und Kostümbildner. Mit ihrem relativ schlichten, aber recht blutigen Bühnenbild haben sie offenbar den Geschmack der Besucher getroffen.

Sarah Heemann

Bild: Matthias Jung

Das Bild zeigt: Doris Soffel (Klytämnestra)

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Aida Triumphmarsch, live Arena di Verona