THAÏS – Bonn, Oper

von Jules Massenet (1842-1912), Comédie-lyrique in drei Akten und sieben Bildern. Libretto: Louis Gallet nach dem gleichnamigen Roman von Anatole France, UA 16. März 1894 Paris

Regie: Francisco Negrin, Kostüme: Ariane Isabell Unfried, Bühne: Rifail Ajdarpasic, Licht: Thomas Roscher

Dirigent: Stefan Blunier, Beethoven Orchester Bonn, Chor des Theaters, Choreinstudierung: Volkmar Olbrich

Solisten: Nathalie Manfrino (Thaïs), Evez Abdulla (Athanaël), Priit Volmer (Palémo, ein älterer Mönch), Mirko Roschkowski (Nicias), Susanne Blattert (Albine).

Besuchte Aufführung: 18. Mai 2014 (Premiere)

THEATER BONN: THAÏSKurzinhalt

Ägypten, 4. Jahrhundert n.Chr.: Athanaël, ein junger Mönch, berichtet seinen Ordensbrüdern von den Ausschweifungen in Alexandria, die von der Kurtisane Thaïs ausgehen. Im Schlaf erscheint dem Mönch Thaïs als laszive Tänzerin. Er deutet diesen Traum als Aufforderung, Thaïs auf den rechten Weg zu führen. Als Athanaëls Jugendfreund Nicias, der selbst einer der Liebhaber Thaïs’ ist, von Athanaëls Bekehrungsplan hört, warnt er ihn vor der Rache der Venus. Thaïs ist von Selbstzweifeln geplagt. In ihrer berühmten Spiegelarie fleht sie Venus an, ihre Schönheit nicht vergehen zu lassen. Als Athanaël in diesem verletzlichen Moment erscheint und ihr die Verheißungen des ewigen Lebens preist, stößt er zum ersten Mal auf ihr Interesse. Doch noch ist sie nicht bereit, ihr sündiges Leben aufzugeben, und Athanaël spürt selbst, daß er gegen die Versuchung ihrer Schönheit ankämpfen muß. Nach einer längeren Meditation willigte Thaïs ein, Athanaël auf dem Weg der Entsagung zu folgen. An ihrem Sterbebett bekennt er die menschliche Liebe als einzige Wahrheit.

Aufführung

Die Bühne ist karg. Einziges Objekt ist ein auf einer Drehbühne installierter erhöhter Raum. Dieser stellt einerseits die Klause des Mönchs Athanaël dar, (darin sind Geißelwerkzeuge und ein übergroßes Kreuz zu sehen), andererseits die karge Wohnung der Thaïs. Über der Szenerie prangt einem gewaltigen, aus einzelnen Lichtern bestehender Leuchter wie eine glühende Sonne. Die Mönche sind in Kutten, die Nonnen weiß gekleideten. Aufwendiger und glanzvoller sind die exotischen Kurtisanen und das Gefolge von Nicias zurechtgemacht. Thaïs ist goldgelb, im Stile der Exotik, wie man ihn in den1920er Jahren pflegte, gekleidet und wirkt strahlend. Athanaëls Oberkörper ist von blutenden Striemen seiner Selbstkasteiungen gezeichnet. Die Kargheit der Bühne wirkte mitunter etwas öde. Phantasielos mutete die  „Inszenierung“ der berühmten der Méditation an, in der Thaïs einfach nur schläft.

Sänger und Orchester

Die anmutige Gestalt von Nathalie Manfrino ist eine Idealbesetzung für die verführerische Thaïs. Hinzu kommt ihre exzellent geführte Stimme: Strahlende Höhen und eine sehr ausgewogene Mittellage. Mit enormer dynamischer Spannbreite kann sie die Partie eindrücklich gestalten. Vor allem ihre Piani werden vom Orchester getragen, was Stefan Blunier bei den entsprechenden Stellen von Evez Abdulla (Athanaël) leider weniger konsequent im Griff hat. Sein Wandel vom fanatischen Gottesmannes zum Liebenden, der menschliche Gefühle zuläßt stellte Evez Abdulla überzeugend dar. Sein dunkel timbrierter  Bariton führte er bemerkenswert wendig vor. Die zahlreichen Einwürfe hinter der Bühne (Fernpartien) waren eindrucksvoll. Priit Volmers Baß in der Rolle des Palémo wirkte souverän. Nicht weniger Aufmerksamkeit verdient der strahlende Tenor von Mirko Roschkowski  in der Rolle des Nicias. Er überstrahlte die kleinere Rolle nachhaltig. Der Chor hatte sehr viele und wirkungsvolle Auftritte. Im Orchester folgte man der sicheren Führung von Stefan Blunier. Der Beginn des Vorspiels wirkte zwar etwas indifferent, doch gewann das Orchester die Farbe der Partitur von Massenet mit zarten Schattierungen und mitunter exotisch harmonisierten Klänge. Besonders die dynamische Bandbreite war bemerkenswert. Nicht unerwähnt darf die berührende Ausführung der bekannten Meditation bleiben, die Konzertmeister Mikhail Ovrutsky virtuos und feinfühlig interpretierte.

Fazit

Musikalisch eine sehr gelungene Aufführung. Orchester und Sänger spielten virtuos auf der Klaviatur der Gefühlswelten dieser unglücklicherweise als „comédie-lyrique“ betitelten Oper. Träger dieses musikalischen Erfolgs war neben dem Orchester unter Stefan Blunier, Nathalie Manfrino und Evez Abdulla, die beiden Protagonisten. Die fast zu dezente Ausstattung wirkte eher blaß. Viel phantasievoller wirkten jedoch die Kostüme von Ariane Isabell Unfried. Die Personenführung von Francisco Negrin zeichnete die innere Wandlung der Protagonisten einleuchtend nach. Schade, daß ihm zur Meditation gar nichts eingefallen ist.

Felicitas Zink

Bild: Thilo Beu/Bonn Oper

Das Bild zeigt: Nathalie Manfrino(Thaïs); Statisterie(mit Schakalköpfen)

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