Hannover, Staatsoper – IDOMENEO

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco nach Antoine Danchets Tragédie lyrique Idoménée (1712) von André Campra
UA: 29. Januar 1781, Hoftheater München
Regie: Philipp Himmelmann, Bühne: Elisabeth Pedross, Kostüme: Petra Bongard, Licht: Susanne Reinhardt, Video: Rainer Schwarz
Dirigent: Martin Haselböck, Niedersächsisches Staatsorchester und Chor Hannover
Solisten: Idomeneo (Tomasz Zagorski), Idamante (Barbara Senator), Ilia (Ania Wegrzyn), Elettra (Brigitte Hahn), Arbace (Ivan Turšić), Gran Sacerdote di Nettuno (Karsten Ruß), La Voce (Shavleg Armasi) u.a.
Besuchte Aufführung: 30. Januar 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
hannover-idomeneo.jpgErst im Herbst 1780 erhielt Mozart, gerade 24 Jahre alt, den Auftrag, für den Münchner Hof eine Karnevalsoper für die kommende Saison zu schreiben. Mozart, genial wie er nun mal war, hat sich aber nicht damit zufrieden gegeben, das antike Drama um den kretischen König Idomeneo zu vertonen, sondern hat vielmehr neue Akzente gesetzt, die unser Verhältnis zum Schicksal bzw. zu höheren Mächten definieren, aber auch in Frage stellen. Idomeneo verspricht Neptun als Opfer den ersten Menschen, den er am Strand sehen wird, wenn Neptun ihn vor dem Ertrinken rettet. Fatalerweise ist dies aber sein Sohn Idamante. Idomeneo versucht seinen Sohn zu retten, doch Neptun verfolgt das kretische Volk mit schlimmen Plagen. Das Ganze ist noch mit einer Liebesgeschichte Idamante mit Ilia, Tochter des Priamos und Elettra, Schwester des Orest, verwoben. Erst als Ilia, Idomeneo selbst und Idamante den Göttern ihren Tod anbieten, sind diese befriedigt. Neptun erweist den Kretern Gnade, aber Idomeneo muß auf die Königswürde verzichten und die Herrschaft an Idamante und Ilia abgeben.
Aufführung
In eindringlich wird die karge Szene ganz in weiß gesetzt, sogar die Perücken sind weiß, rot ist nur das reichlich verschmierte Blut. In der Mitte der Bühne befindet sich ein gigantischer – natürlich auch weißer – rechteckiger Klotz, der sich meistens dreht. Die Darsteller sehen aus wie eine Ärzte-Demo gegen die Gesundheitsreform des 25.Jahrhunderts. Durchaus effektvoll die Videoprojektionen von Rainer Schwarz, einmal das Tosen des Meeres darstellend, aus dem Gischtnebel schält sich dann der reichlich mitgenommene Idomeneo heraus. Auch das Ungeheuer, das die Kreter verspeist, wird so in drohenden Rottönen surrealistisch dargestellt.
Sänger und Orchester
Martin Haselböck leitete das recht gerade, ja fast militärisch aufspielende Niedersächsische Staatsorchester; der Chor ist, wie gewohnt, tadellos einstudiert von Dan Ratiu.
Tomasz Zagorski war der Titelpartie in jeder Hinsicht gewachsen. Darstellerisch packend in seiner mitreißenden Verzweiflung, wußte er mit konditionsstarkem, vollem und wohltönendem Tenor zu beeindrucken. Die weibliche Siegespalme des Premierenabends muß zweifellos Ania Wegrzyn als Ilia überreicht werden, die mit ihrer flexiblen, immer sicher und sauber geführten Stimme auftrumpfte. Nahezu ebenbürtig die sängerische und schauspielerische Leistung von Barbara Senator als Idamante. Brigitte Hahn, einer ansonsten verläßlichen Größe der Staatsoper Hannover, schien die Rolle der Elettra gar nicht zu liegen. Man meinte förmlich ihr Unbehagen zu spüren. Die Stimmführung, besonders zu Anfang ungewohnt rauh, ja manchmal sogar etwas brüchig, vielleicht weil sie das Ganze einerseits mit zuviel Abneigung, andererseits aber zu sehr forcierend angegangen ist, fing sie sich aber doch noch weitgehend im Verlauf des Abends. Rollendeckende Leistungen von Ivan Turšić als Arbace und von Karsten Ruß als Oberpriester. Kleiner Gag am Rande: Zum (guten) Schluß ertönt hinter dem weißen Quader die machtvolle, Gnade verkündende himmlische Stimme von Shavleg Armasi. Dann trifft man sich vor dem weißen Stein, um den aufbrandenden Premierenapplaus entgegen zu nehmen, natürlich alle in blendendem Weiß – außer Shavleg Armasi als schwarzer Rabe im Smoking. Nur ein vereinzelter Buh-Rufer für das Regieteam.
Fazit
„Gut gesungen, Inszenierung passt, ist aber Geschmackssache!“

Dr. Rüdiger Ehlert

Bild: Thomas M. Jauk
Das Bild zeigt: Ania Wegrzyn als Ilia und Barbara Senator als Idamante.

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