WERTHER – Essen, Aalto-Theater

von Jules Massenet (1842-1912), Drame lyrique in vier Akten, Libretto: Edouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann nach Goethes Die Leiden des jungen Werther, UA: 16. Februar 1892 Wien, Hofoper

Regie: Carlos Wagner; Bühne/Kostüme: Frank Phillpp Schlößmann, Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach; Licht: René Dreher

Dirigent: Sébastien Rouland, Essener Philharmoniker und Opernchor

Solisten: Abdellah Lasri (Werther), Heiko Trinsinger (Albert), Tijl Faveyts (Der Amtmann), Martijn Cornet (Johann), Rainer Maria Röhr (Schmidt), Michaela Selinger (Charlotte), Christina Clark (Sophie), Eduard Unruh (Brühlmann), Julia Wietler (Käthchen)

Besuchte Aufführung: 30. November 2013 (Premiere)

WERTHER Premiere am 30.November 2013 Aalto Musiktheater Essen - Probenfoto -Kurzinhalt

Werther führt eines Abends die junge Charlotte zum Tanz aus und verliebt sich in sie. Allerdings weiß er nicht, daß diese bereits mit Albert verlobt ist, der sich gerade auf Reisen befindet. Als dieser zurückkommt, heiraten die beiden und Werther ist am Boden zerstört. Obwohl er sicher ist, daß Charlotte ihn liebt, begibt er sich auf eine lange Reise, und es vergeht einige Zeit, bis sich die beiden wiedersehen. Bei ihrem Treffen entwendet Werther eine Pistole aus Charlottes Haus und erschießt sich. Charlotte eilt an sein Sterbebett und gesteht ihm zu guter Letzt doch noch ihre Liebe.

Aufführung

Auf der Bühne ist ein großes Haus zu sehen, in dem sich beinahe die gesamte Handlung abspielt. Es besteht aus einem weitläufigen Wohnzimmer im Erdgeschoß und einem spitz zulaufenden Dachboden. Beide Räume sind durch eine gebogene Treppe verbunden. Die Konstruktion wird im Laufe der Handlung zu beiden Seiten verschoben und gibt den Blick auf den Garten frei. Werther ist in ein weites cremefarbenes Hemd und eine graue Hose gekleidet und läuft häufig barfuß. Sein Gesicht ist geschminkt, so daß er sehr blaß aussieht. Charlotte trägt zu Beginn der Aufführung ein blaues Abendkleid und ihre blonden Haare sind aufwendig hochgesteckt. Ihr Hochzeitskleid ist schlicht. Später kleidet sie ein einfaches Baumwollkleid in gedeckten Farben Albert hat einen schwarzen Anzug mit Weste an, teilweise auch einen dunklen Mantel darüber. Der Amtmann trägt einen dunklen Anzug, ähnlich wie Albert, dazu ein breite Krawatte.

Sänger und Orchester

Die Essener Philharmoniker unter der Leitung von Sébastien Rouland spielten in der Ouvertüre dem träumerischen Charakter der Oper als durchaus gewachsen: anders als viele Ouvertüren erforderte diese großes solistisches Können, vor allem in den Streichern. Leider erreichte der Orchesterklang häufig zu großen Teilen nicht die Zuhörer in den höheren Rängen. Im Zusammenspiel mit den Solisten jedoch zeigte der Dirigent größtes Einfühlungsvermögen und ermöglichte es dem Hörer dadurch, dem Gesang auch unangestrengt zu folgen. Unter den Solisten beeindruckten vor allem die beiden Hauptakteure Abdellah Lasri (Werther) und Michaels Selinger (Charlotte). Lasri gelang es, den Hörer ab dem ersten Ton zu fesseln und wurde der emotionalen Figur des Werthers dadurch mehr als gerecht. Hervorzuheben sind hier auch sein Geschick, mit Mimik und Gestik seinen Gesang gekonnt zu unterstützen. Selinger überzeugte besonders durch die warme Klangfarbe ihrer Stimme. Auch ihre akzentuierte Artikulation führte dazu, daß man sie im Gegensatz zu vielen anderen Frauenstimmen jederzeit gut verstehen konnte. Beide Hauptpersonen ergänzten sich hervorragend im Duett, sowohl gesanglich als auch darstellerisch. Tijl Faveyts (Der Amtmann) bildete einen klanglichen Gegenpol zu den beiden sehr klaren Stimmen: er bewies Kreativität durch seine stellenweise sehr unterschiedlich klingenden Passagen: häufig sehr dunkel und, wenn einen Angetrunkenen darstellte, war sie rauh oder etwas heiser. Christina Clark (Sophie) rundet mit ihrem sehr hellen Sopran das kollektive Klangspektrum ab, was ihr vor allem in gemeinsamen Passagen zugute kommt. Mit ihrer obertonreichen Stimme paßte sie perfekt in die Rolle der jüngeren Schwester. Ein Problem, mit dem leider alle Solisten zu kämpfen hatten, war, daß sie teilweise sehr weit in die Bühnendekoration hineingehen mußten und ihre Stimme somit ab einer bestimmten Stelle davon geschluckt wurde.

Fazit

Die Aufführung war ein großer Erfolg für das Ensemble. Das Publikum erwies ihm Anerkennung durch langanhaltenden Applaus, den die Akteure mit sichtlicher Dankbarkeit entgegennahmen. Am meisten gefeiert wurde Abdellah Lasri (Werther), der sich mit seiner Leistung offenbar die langfristige Gunst des Publikums verdient hat.

Sarah Heemann

Bild: Matthias Jung

Das Bild zeigt: Michaels Selinger (Charlotte), Heiko Trinsinger (Albert)

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Aida Triumphmarsch, live Arena di Verona