London, Covent Garden – Royal Opera House – TURANDOT

von Giacomo Puccini, Oper in drei Akten, Libretto: Giuseppe Adami und Renato Simoni nach einem Schauspiel von Carlo Gozzi und Friedrich von Schiller; U.A. 27. April 1926, Mailand (ergänzten Version)
Regie: Andrei Serban, Wiederaufnahme: Jeremy Sutcliffe, Bühnenbild: Sally Jacobs, Licht:: F. Mitchell Dana, Choreographie: Kate Flat
Dirigent: Nicola Luisotti, Orchester und Chor des Royal Opera House, Choreinstudieung: Renato Belsadonna
Solisten: Jennifer Wilson (Turandot), Johan Botha (Calaf), Latonia Moore (Liù), Willard White (Timur), Giorgio Caoduro (Ping), Ji-Min Park (Pang), Alasdair Elliott (Pong), Robert Tear Kaiser Altoum, Kostas Smoriginas (Mandarin),u.a.
Besuchte Aufführung: 5. Januar 2009 (Premiere der Londoner Inszenierung: Januar 1986, Wiederaufnahme 22. Dezember 2009)

Kurzinhalt
london-turandot.jpgDie chinesische Prinzessin Turandot ist schön und begehrt, auf ihr Geheiß hin muß jeder ihrer Bewerber drei Rätsel lösen. Dies hat noch keiner geschafft, und der Preis für Mißerfolg ist Tod durch Hinrichtung, die zu Beginn der Oper einen unglücklichen persischen Prinzen ereilt.
Nach einem Wiedersehen mit seinem Vater Timur, einem vertriebenen Tartarenkönig, begegnet Prinz Calaf bei der Hinrichtung der Prinzessin Turandot und verliebt sich in sie und ihre Schönheit. Trotz zahlreicher Warnungen von seinem Vater, seiner treuen Sklavin und Begleiterin Liu und den Ministern Ping Pang und Pong entschließt sich Calaf, die Herausforderung der drei Rätsel aufzunehmen und tut dies durch dreimaligen Anschlag eines Gongs kund.
Das wehmütige Träumen der drei Minister Ping, Pang und Pong wird unterbrochen vom Beginn der Prüfungen Calafs. Turandot erklärt die Regeln und den Grund der Prüfungen. Sie räche damit eine ihrer Vorfahren, die vor langer Zeit verschleppt und getötet wurde. Die Rätsel beginnen und Calaf beantwortet sie fehlerlos: Hoffnung, Blut und Turandot. Vergeblich erfleht Turandot von ihren Vater Kaiser Altoun entgegen ihrer eigenen Regeln Calaf zu entgehen. Letzterer jedoch schlägt Turandot ein weiteres Rätsel vor, da er sich ihrer Liebe versichern will: Wenn Turandot bis Sonnenaufgang seinen, also Calafs Namen erfahren habe, wolle er sterben – ansonsten sei sie sein.
Verzweifelt versucht Turandot mit Hilfe des Volkes und ihrer Minister den Namen Calafs herauszufinden. Timur und Liu werden herbeigeschleppt; sie waren mit Calaf gesehen worden und sollen ihn unter Folter verraten. Liu hingegen gesteht Calaf ihre Liebe und ersticht sich, um ihn nicht zu verraten. Calaf verrät Turandot seinen Namen und begibt sich so in ihre Hände. Sie verkündet dem Volk seinen Namen: Liebe.
Aufführung
Ein drei Akte währendes, oktogonales in Eiche rustikal gehaltenes Bühnenbild erschien vor allem dann anziehend, wenn man es nicht sah, im schönen Gegenlicht beispielsweise, einem von Mitchell Danas einfallsreichen Lichteffekten. Mandarinenkostüme, Masken in allen Größen und Variationen, Pagoden und rote Chinalampen dominierten im Bild.
Sänger und Orchester
Auch die Sängerschar enttäuschte zumeist, vor allem Jennifer Wilson (Turandot), die weder schauspielerisch noch stimmlich der Partitur Puccinis gerecht wurde. Turandots Eingangsarie und Selbsterklärung In questa regia –In diesem Palast beispielsweise wirkt zu schrill und dissonant. Johan Botha, sang einen allenfalls mittelmäßigen Calaf und dessen großen Arien Non piangere, Liù – weine nicht, Liù enttäuschten eher. Abgerundet wurde dies durch die drei wenig lustigen Giorgio Caoduro, Ji-Min Park und Alasdair Elliott (Ping Pang und Pong) und einen stimmlich schwachen Robert Tear (Kaiser Altoum). Latonia Moore hingegen überraschte mit ihrer einfühlsam gespielten und wunderschön klar gesungenen Liù, besonders in der ergreifenden Liebes und Abschiedsbotschaft Tu che di gel sei cinta – Du, der du von Eis umgürtest und bot damit eine seltene Ausnahme von dieser Besetzung
Das von Nicola Luisotti dirigierte Orchester des Royal Opera Houses bot eine gewohnt robuste, aber wenig spannende musikalische Grundlage, unterstützt von seinem gewohnt präzisen und klaren Chor.
Fazit
Diese Wiederaufnahme von Andrei Serbans uralter Inszenierung wirkt anachronistisch und altbacken. Insgesamt war dies leider ein eher durchschnittlicher Abend mit wenig beeindruckenden Sängern in einer mäßig unterhaltsamen Inszenierung.

Dr. Dominik Zenner

Bild: Johan Persson
Das Bild zeigt die Hinrichtung des persischen Prinzen dar (Akt 1).

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