DIE SCHWEIGSAME FRAU – Chemnitz, Oper

von Richard Strauss (1864-1949), Komische Oper in 3 Aufzügen, Libretto: Stefan Zweig frei nach Ben Jonsons Epicoene or The Silent Woman, UA: 24. Juni 1935, Dresden

Regie: Gerd Heinz, Bühne: Rudolf Fischer, Kostüme: Kersten Paulsen

Dirigent: Frank Beermann, Robert-Schumann-Philharmonie

Solisten: Franz Hawlata (Sir Morosus), Monika Straube (Haushälterin), Andreas Kindschuh (Der Barbier), Bernhard Berchtold (Henry Morosus), Julia Bauer (Aminta), Guibee Yang (Isotta), Tiina Penttinen (Carlotta), Matthias Winter (Morbio), Kouta Räsänen (Vanuzzi), Martin Gäbler (Farfallo)

Besuchte Aufführung: 27. April 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

Kapitän Morosus lebt zusammen mit seiner Haushälterin zurückgezogen als Pensionär, seitdem bei einer Explosion sein Gehör zu Schaden gekommen ist. Als sein Neffe Henry mit einer Operntruppe zu Besuch kommt und dieser ihm auch noch die Primadonna, seine Frau Aminta, vorstellt, enterbt Morosus seinen Neffen und wirft alle hinaus. Er will schließlich nur seine geliebte Ruhe. Der Barbier indes rät Henry und der Truppe zu einem lustigen Spiel. Bei diesem wird dem Alten Aminta als für sein Gehör angenehm zurückhaltende Frau vorgeführt. Es kommt zu einer gespielten Eheschließung. Doch schon bald nach der Hochzeit treibt Aminta ihren Pseudo-Gatten mit ihrem lauten Organ fast zum Wahnsinn. Auf dem Höhepunkt seiner Qualen wird der Alte durch die Aufklärung des Spiels durch Henry und Aminta endlich erlöst. Erleichtert heißt er nun die Verbindung seines Neffen mit Aminta gut und setzt beide als Erben ein.

Aufführung

Die Inszenierung hält sich im Bühnenbildentwurf und mit den Kostümen an die zeitlichen Vorgaben des Werkes. So wird die Bühne in allen drei Aufzügen von einem zentralen Salon eingenommen, der im Hintergrund von hohen, mit roten Stoffen verhangenen Fenstern abgeschlossen wird. Seitlich führen Türen zu einsehbaren Nebenräumen und zu zwei flankierenden Wendeltreppen, die auf eine Galerie führen, wobei im oberen rechten Teil der abgetrennte Schlafbereich von Morosus liegt. Die Räume sind mit stilgetreuer Möblierung und mit durchdacht detailreicher Ausstattung eines ehemals zur See fahrenden Militärs des 18. Jh. eingerichtet. Da das Bühnenbild zunächst von schwarzen Prospekten verhangen ist, welche erst nach und nach den Blick auf die ganze Bühne zulassen, ergeben sich zudem subjektive Raumerweiterungen.

Sänger und Orchester

Der Erfolg der von Richard Strauss als Lustspiel mit nur leicht sentimentalem Hauch konzipierten Oper steht und fällt absolut mit den tragenden Säulen der Rollen des Morosus und der Aminta. Für die Chemnitzer Produktion konnte glücklicherweise Franz Hawlata gewonnen werden, der den Morosus bereits 2010 an der Bayerischen Staatsoper an der Seite von Diana Damrau gab. Schauspielerisch brennt Hawlata ein wahres Prachtfeuerwerk mimischer Ausdrucksweisen ab. Absolut überzeugend gibt er sowohl den sich in Position werfenden Hagestolz, den bärbeißigen, vergrätzten Alten, als auch den schmierig werbenden, zur Liebe Erblühenden. Zu wahrer Höchstform läuft er jedoch als von Aminta entnervt Geschundener und reuig Jammernder auf. Gesanglich begeistert Hawlata mit seinem sublimen Baß, der ausdrucksstark sowohl in abyssalen Tiefen schürft, als auch stimmgewaltig das Jammertal des leidenden Morosus mit klarem Duktus und druckvollem Leuchten auszukosten weiß. Mit Julia Bauer wird ein stimmlich und schauspielerisch glanzvoller Gegenpart geboten. Sie kann mit lupenrein und fabelhaft sauber ausgesungenen Höhen, mit technisch ansprechenden Phrasierungen und mit lieblichem Duft in den lyrischen Passagen begeistern. Andreas Kindschuh ist mit seinem prächtig satten Bariton der perfekte, heiter-schelmische Barbier, wobei Tenor Bernhard Berchtold (Henry Morosus) sowohl mit stimmlich dramatischer Tiefenschärfe, als auch mit zartem Schmelz aufhorchen läßt. Unter den weiteren Mitwirkenden sind besonders die stimmlich zarte Guibee Yang (Isotta) als auch die erdig volle Mezzosopranistin Tiina Penttinen (Carlotta) hervorzuheben.

Die Robert-Schumann-Philharmonie unter Frank Beermann läßt dazu die lichtdurchwirkte, gleißend schimmernde Partitur in ambitioniertem Spiel leuchtend atmen.

Fazit

Eine nahezu ideal besetzte Inszenierung mit absolut überzeugendem Bühnenbild, in das sich die Protagonisten nicht nur integrieren, sondern mit dem sie spielfreudig den heiteren Funken der Oper auf das Publikum zu übertragen wissen. Der wunderbare Hawlata als Morosus und Julia Bauer als Aminta krönen als helle Edelsteine das Diadem dieser absolut überzeugenden Produktion. Bravo!

Dr. Andreas Gerth

Bild: Dieter Wuschanski

Szenenbild mit dem Ensemble der Schweigsamen Frau

Veröffentlicht unter Chemnitz, Städtisches Theater, Opern
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