LOHENGRIN – Kiel, Oper

von Richard Wagner (1813–1883), Romantische Oper in drei Aufzügen, Text vom Komponisten, UA: 28. August 1850 Weimar, Großherzogliches Hoftheater

Regie: Georg Köhl, Bühne: Norbert Ziermann, Kostüm: Claudia Spielmann, Dramaturgie: Cordula Engelbert

Dirigent: Gerog Fritzsch, Philharmonisches Orchester Kiel, Chor: Barbara Kier, Chor und Extrachor

Solisten: Sung-Kyu Park (Lohengrin), Katrin Adel (Elsa), Jörg Sabrowski (Friedrich v. Telramund), Alexandra Petersamer (Ortrud), Petros Magoulas (Heinrich der Vogler), Tmohiro Takada (Heerrufer), Michael Müller, Fred Hofmann, Kyung-Sik Woo, Ulrich Burdack (Vier Brabantische Edle)

Besuchte Aufführung: 28. Januar 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

Friedrich beschuldigt Elsa vor Land und König – angestiftet von seiner Frau Ortrud – des Brudermordes und fordert einen Kampf auf Leben und Tod. Nach zweimaligem Rufen erscheint in einem von einem Schwan gezogenen Boot der Ritter Lohengrin, der für Elsa kämpft. Lohengrin gesteht Elsa seine Liebe und will sie zur Frau nehmen – jedoch unter der Bedingung, ihn niemals zu fragen, wer er sei und woher er käme. Friedrich, dem Lohengrin das Leben geschenkt hat, wird verbannt. Ortrud schmeichelt sich bei Elsa ein, um ihr den Zweifel gegenüber Lohengrin ins Herz zu sähen, man könne ja nicht wissen, ob er wirklich adelig sei. Sie stachelt ihren Mann an, den fremden Ritter der Zauberei zu beschuldigen. Nach der Hochzeit stellt Elsa Lohengrin die verbotene Frage, worauf sich dieser vor König und Volk als Gralsritter zu erkennen gibt und verkündet, er müsse nun zurück zur Gralsburg. Ortrud gesteht siegessicher, Elsas Bruder in den Schwan verwandelt zu haben, der Lohengrins Boot zieht, woraufhin Lohengrin diesen wiederum zurückverwandelt. Lohengrin setzt Gottlieb (Elsas Bruder) als neuen Regenten ein und verläßt Brabant. Elsa stirbt.

Aufführung

Köhl verlegt das Geschehen in eine politische Machtdünkel-Welt, in der er Tradition, Krieg und Disziplin (Friedrich) mit Friede, Toleranz und Freiheit (Lohengrin) gegenüberstellt. Das Bühnenbild erinnert an eine römische Senatshalle, über der ein abstraktes Tableau schwebt. Hin und wieder fährt dieses hinunter um so neue Räume zu erzeugen.

Sänger und Orchester

Die Tenorpartien Richard Wagner gehören seit jeher zu den schwersten in der Literatur. Das liegt nicht nur an dem großen Stimmumfang, sondern auch besonders an den Phrasierungsbögen, die mehrere Takte Spannung und einen langen Atem erfordern. An letzterem ist Sung-Kyu Park (Lohengrin) leider etwas zu oft gescheitert. Viele seiner Phrasen rissen zum Ende und/oder in höheren Lagen aus, und er verlor die Kontrolle über seine sonst sehr angenehme Stimme. Im letzten Akt lief er zwar zu vorher nur zu erahnenden sängerischen Höchstleistungen auf und präsentierte die Gralserzählungen und das Liebesduett zumindest stimmlich überzeugend. Szenisch wirkte Park wenig heroisch, ziemlich steif und oftmals ungewollt komisch – z.B. als er beim Liebesduett statt zu Else mehr zum Dirigenten sah. Katrin Adel (Elsa) lieferte eine deutlich solidere, wenn auch nicht herausragende Leistung ab. Ihr teilweise starkes Vibrato war sowohl störend als auch dem Werk völlig unangemessen, aber sie konnte im Verlauf des Abends durch immer sicherere Phrasierung und Dynamik glänzen. Während sie während des Frauenstreites vor dem Münster im zweiten Akt ihrer „Gegnerin“ Alexandra Petersamer noch deutlich unterlag, überzeugte sie im Liebesduett um dritten Akt. Das „böse Paar“ Jörg Sabrowski (Friedrich v. Telramund) und Alexandra Petersamer (Ortrud) hingegen konnten von Anfang bis Ende in ihren Rollen brillieren. Sabrowski ging zwar kurzfristig hinter dem gut besetzten Fortissimo des Orchesters unter, konnte den Rest der Oper jedoch durch sichere Höhen, starke tiefen, klare Phrasierung und Dynamik und überzeugendes Spiel glänzen. Alexandra Petersamer war aber die wahre Prima Donna des Abends. Nicht nur, daß sie scheinbar völlig eins mit ihrer Rolle war, sondern sie meisterte alle musikalischen Schwierigkeiten, die die Partie innehat, mit Bravour. So triumphierte sie nicht nur im Streit vor dem Münster – zumindest gesanglich – über ihre Kontrahentin, sondern konnte bereits in ihrem Racheschwur (2. Akt) stark beeindrucken. Der Tomohiro Takada (Heerrufer), dem die Regie die abstruse Bedeutungsebene einer Art „zweiten Lohengrin“ zugemessen hatte, konnte im Gegensatz zu seinem „Herren“ Petros Magoulas (König Heinrich) stimmlich durchgängig überzeugen.

Das Orchester sowie der Chor waren das Glanzstück des Abends. Feine Dynamik, starke Bögen, ausgewogene Stimmen-Balance, gutes szenisches Spiel.

Fazit

Eine musikalisch gute Aufführung. Großer Applaus.

Maik Hoppe

Bild: Olaf Struck

Das Bild zeigt Katrin Adel (Elsa) und Alexandra Petrasamer (Ortrud)

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