PALESTRINA – Zürich, Opernhaus

von Hans Pfitzner (1869-1949) Musikalische Legende in drei Akten, Libretto vom Komponisten, UA: 12. Juni 1917 München, Prinzregententheater

Regie: Jens-Daniel Herzog, Bühne/Kostüme: Mathis Neidhardt, Licht: Jürgen Hoffmann

Dirigent: Ingo Metzmacher, Orchester und Chor der Oper Zürich, Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger

Solisten: Roberto Saccà (Palestrina), Alfred Muff (Papst Pius IV./Kardinal Christoph Madruscht), Valeriy Murga (Kardinal von Lothringen) Martin Gantner (Giovanni Morone), Rudolf Schasching (Bernardo Novagerio), Thomas Jesatko (Carlo Borromeo), Michael Laurenz (Abdisu), Boguslaw Bidzinski (Theophilus), Krešimir Stražanac (Anton Brus von Müglitz), Oliver Widmer (Graf Luna), Martina Janková (Ighino, sein Sohn), Judith Schmid (Silla, sein Schüler) u.a.

Besuchte Aufführung: 10. Dezember 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Der Komponist Roms Palestrina ist wegen seiner Heirat mit Lukrezia in Ungunst gefallen und kann seit ihrem Tod nicht mehr komponieren. Während sein Schüler Silla und Sohn Ighino über den neuartigen Florentiner Musikstil diskutieren, werden sie vom Kardinal Borromeo überführt. Der Kardinal tadelt Palestrina für den nachlässigen Umgang mit der Jugend und beauftragt den Komponisten, eine neue Messe nach den Anforderungen des Papstes zu schreiben. Palestrina verweigert den Auftrag zur Komposition und wird dafür ins Gefängnis geworfen. Jedoch gelingt Palestrina die bestellte Messe in nur einer Nacht niederzuschreiben, nachdem er die inspirierenden Erscheinungen der ihm vorangegangenen Komponisten, vieler Engel sowie seiner verstorbenen Frau Lukrezia hat. Im Tridentiner Konzil treffen sich die Oberhäupter der römischen Kirche. Sie verhandeln über die Musik, die Mehrstimmigkeit in der Messe zu verbieten. Ighino überreicht Kardinal Borromeo die Messe seines Vaters, welche Palestrina aus dem Gefängnis rettet. Ighino eilt hinaus auf die Straße um den Erfolg Palestrinas zu feiern: der Papst bedankt sich persönlich bei Palestrina für diese Messe. Borromeo bittet den Meister um Entschuldigung. Palestrina bleibt bei seinem Werk alleine zurück.

Aufführung

Die Bühne ist schlicht eingerichtet: ein schwarzer Flügel, darin eine Pistole und ein alter Sessel. Hinter einer braunen Schiebewand sieht man ein altmodisches Wohnzimmer mit abgenutzten Möbeln. Die Erscheinungen der Meister tragen die gleiche Kleidung wie Palestrina (graue Hose, weißes Hemd mit Krawatte sowie eine Strickjacke) und haben sein Aussehen mit der gleichen Frisur und der Brille; jeder hält vor sich ein Komponistenportrait, unter anderen sind Schubert, Beethoven oder Mendelssohn klar erkennbar. Lucrezia erscheint im knielangen grauglitzernden Hochzeitsgewand. Ighino bleibt stets in Schwarz zurückhaltend, Silla dagegen spielt in einer blauen Jeans und Karo-Hemd, einen Energydrink genießend.

Später bildet Palestrinas Wohnzimmer den ersten Teil der Drehbühne. Im zweiten Teil bekommt man die Geistlichen nach der Dusche, im WC und bei der Rasur zu sehen. Im dritten Bereich ist die Küche Palestrinas.

Der dritte Akt findet, wie zu Beginn, im Musikzimmer des Komponisten statt. Palestrinas Sänger sind bunt gekleidet. Im prunkvollen Kostüm und ohne Sänfte tritt der Papst zu Fuß ein. Der zurückhaltende Ighino zieht hier die Fäden: dem Papst hält er ein Plakat mit seinem Text entgegen. Nach der Rede steckt Ighino ihm große Geldmengen zu. Zum Schluß holt der alleingelassene Komponist die Pistole aus dem Flügel und nimmt sich per Kopfschuß das Leben.

Sänger und Orchester

Mit höchster Musikalität führte der Dirigent Ingo Metzmacher das Orchester der Oper Zürich. Das ganze Sängerensemble konnte sich in sehr gutem Licht mit den umfangreichen Auftritten präsentieren. Die Übertitel waren wegen der überzeugenden Aussprache kaum nötig. Nur einige Darsteller werden hier namentlich erwähnt. Viele hatten zwei verschiedene Einsätze auszuführen. Martina Janková (Ighino) brillierte in jeder Aktion mit ihrer klaren und beweglichen Stimme. Judith Schmid (Silla) zeigte einen zügellosen, eher jugendlichen Schüler. Die angenehme Stimme des Alfred Muff konnte man zuerst in der Rolle des Kardinal Madruscht, dann als Papst Pius IV. erleben. Mit Rudolf Schasching als Novagerio, welcher auch mit dem Essen im Mund deutlich artikuliert, Michael Laurenz als Rollstuhlfahrer Abdisu, Oliver Widmer als Graf und mit Thomas Jesatko, einem unbehaglichen Borromeo, gab es einzigartig illustrierte Charaktere. Martin Gantner war bewandert, den öden Morone darzustellen. Attraktiv spielten Martin Zysset (Bischof von Budoja) und Krešimir Stražanac (Brus), Reinhard Mayr (Severolus) zauberte charmant ein schönes Legato. Herausragend meisterte Roberto Saccà (Palestrina) die breit ausgedehnte Heldenpartie.

Fazit

Unklar blieb, weshalb Palestrina sich das Leben nehmen muß. Musikalisch wie auch schauspielerisch erhielt der zeitlich umfangreiche Abend viel Lob des Publikums.

Ruta Akelyte Hermann

Bild: Suzanne Schwiertz

Das Bild zeigt: Alfred Muff (Papst Pius IV.), Roberto Saccà (Palestrina), Martina Janková (Ighino) v.l.n.r.

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