LA BOHÈME – Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein

von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach Henri Murgers Scènes de la vie de Bohème

UA: 1. Februar 1896, Turin

Regie: Robert Carsen, Bühne/Kostüme: Michael Levine, Licht: Jean Kalman, Choreographie: Michael Popper

Dirigent: Giordano Bellincampi, Düsseldorfer Symphoniker, Chor der Deutschen Oper am Rhein, Kinder- und Jugendchor St. Remigius Düsseldorf, Choreinstudierung: Petra Verhoeven, Christoph Kurig

Solisten: Giuseppe Varano (Rodolfo), Nataliya Kovalova (Mimì), Laimonas Pautienius (Marcello), Iulia Elena Surdu (Musetta), Richard Sveda (Schaunard), Adrian Sâmpetrean (Colline), Peter Nikolaus Kante (Benoît/Alcindoro), Dmitry Trunov (Parpignol), Clemens Begritsch (Sergeant der Zollwache)

Besuchte Aufführung: 24. September 2010 (Premiere)

Kurzinhalt

Die vier Pariser Bohemiens Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline führen ein Leben für die Kunst und leiden dafür die meiste Zeit materielle Armut. Am Heiligabend gehen die drei Freunde Rodolfos aus, während er noch einen Leitartikel fertig stellen möchte. Da klopft die unbekannte Nachbarin Mimì an die Tür. Beide verlieben sich ineinander. Doch Mimì ist schwer krank, was das Paar vor große Schwierigkeiten stellt, bis es sich nach einiger Zeit wieder trennt. Auch das andere Pärchen der Oper, Musetta und Marcello, durchlebt ein permanentes Auf und Ab bis zur endgültigen Trennung. Einige Monate später bringt Musetta unerwartet die sterbende Mimì in die Wohnung der vier Bohemiens, wo sie ihrem letzten Wunsch gemäß in Rodolfos Gegenwart stirbt.

Aufführung

Inmitten einer weißen Bühne steht das kleine Zimmer der vier Bohemiens, nur angedeutet durch den schwarzen Boden. Betreten werden kann der Raum durch eine Klappe im Boden, ein Ofenrohr ragt in die Höhe, Klavier und Malstaffelei verdeutlichen das Kunstinteresse der Bewohner. Im zweiten Akt wird dieses Zimmer leicht umgeräumt und durch das rasche Hinzustellen anderer Gegenstände auf den Rest der Bühne zum Café Momus umfunktioniert. Im dritten Akt ist die Bühne in Dunkelheit gehüllt, lediglich ein Turm mit einem kleinen Fenster steht an der Stelle, wo im vierten Akt wieder der Raum aus dem ersten Akt zu sehen ist. Im zweiten Akt benutzt man des Ofenrohres als Rutsche.

Sänger und Orchester

Das gesamte Sängerensemble hinterläßt einen mindestens zufriedenstellenden Eindruck. Giuseppe Varano (Rodolfo) verfügt über eine Stimme mit großer Ausdrucksfähigkeit, die kantablen Passagen gelingen sehr ansprechend. Jedoch wirkt er zu Beginn von Che gelida manina – Wie eiskalt ist dies Händchen und in seiner Arie zu Beginn des vierten Aktes an einigen Stellen ein wenig angestrengt. Nataliya Kovalova (Mimì) kann mit einer vollen und warmen Stimme und einem klarem Klang überzeugen, ihr Vibratoeinsatz wirkt nie übertrieben. Ihre Pianissimo-Stelle am Ende des dritten Aktes mit Rodolfo gehört zu den besten Momenten des Abends. Laimonas Pautienius (Marcello) kann man anlasten, daß er gesanglich zu dick aufträgt. Adrian Sâmpetrean (Colline) wartet mit einem warmen Timbre auf, besonders bei der Abgabe seines Mantels weiß er zu gefallen. Iulia Elena Surdu (Musetta) überzeugt mit schlanker Stimmführung und klarem Text. Hervorzuheben ist auch die tadellose Leistung des Chor der Deutschen Oper am Rhein sowie des Kinder- und Jugendchor St. Remigius Düsseldorf, wobei gerade die Stimmgewalt des letztgenannten Chores positiv überrascht.

Diese Leistungen werden jedoch dadurch relativiert, daß die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Giordano Bellincampi den Sängern zur stimmlichen Entfaltung kaum Platz lassen und sie stattdessen mit einem massiven Klangteppich überdecken. Zwar vermag das Spiel der Instrumentalisten beim Eintritt Mimìs in die Wohnung der Bohemiens zu gefallen, doch gibt es auch viele Stellen, an denen man sich einen deutlicheren, kompakteren und dabei weniger breiten Orchesterklang gewünscht hätte.

Fazit

Die Inszenierung und die Kostüme sind traditionell gehalten. Neben der gelungenen Personenführung kann die Inszenierung hierbei vor allem dadurch überzeugen, daß sie besonders herausstellt, das Mimì und Rodolfo ihre Liebe sehr gegensätzlich zu Musetta und Marcello ausleben. Leider werden die guten Leistungen des Gesangsensembles und die ansprechende Inszenierung durch die Orchesterleistung beeinträchtigt, auch wenn es natürlich auch eine Geschmacksfrage ist, welche Orchesterlautstärke im Verhältnis zum Gesangsensemble man sich während einer Oper wünscht, jedoch konnte die Wuppertaler Aufführung einige Tage vorher im Gesamteindruck mehr überzeugen.

Malte Wasem

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: Mimì (Nataliya Kovalova) und Rodolfo (Giuseppe Varano) sowie Chor

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