Dresden, 19. September 2026 bis 10. Januar 2027
Eine wunderbare Begegnung mit der Kunst der Renaissance
Während unserer Opern- und Konzertreise nach Dresden vom 19. bis 23. Oktober 2026 habe ich die Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich“ in der Gemäldegalerie Alte Meister besucht. Es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis und eine wunderbare Gelegenheit, einen außergewöhnlichen Maler der Renaissance näher kennenzulernen.
Dresden hat mit seinen beeindruckenden Kunstsammlungen viel zu bieten. Doch diese Ausstellung hat mich besonders angesprochen. Schon der Titel „Berührend menschlich“ macht neugierig. Und tatsächlich versteht es Correggio, den Menschen mit all seinen Gefühlen, seiner Schönheit und seiner Verletzlichkeit darzustellen.
Die Ausstellung vereint zahlreiche Werke aus verschiedenen internationalen Sammlungen. Etwa ein Drittel seiner erhaltenen Gemälde ist hier zu sehen. Das ist eine seltene Gelegenheit, sich intensiver mit diesem Künstler zu beschäftigen und seine besondere Art zu malen zu entdecken.
Für mich war es ein Kunstgenuss, der unsere Reise auf schöne Weise bereichert hat.
Ein Maler, der Menschen lebendig werden lässt
Correggio, mit bürgerlichem Namen Antonio Allegri, wurde um 1489 in der italienischen Stadt Correggio geboren und starb dort 1534.
Er lebte und arbeitete hauptsächlich in der Gegend um Parma und gehörte damit nicht zu den Künstlern, die in den großen Kunstzentren Italiens berühmt wurden. Trotzdem entwickelte er einen unverwechselbaren Malstil, der viele spätere Künstler beeinflusste.
Was mich an seinen Bildern besonders fasziniert, ist die Lebendigkeit seiner Figuren. Sie wirken nicht starr oder unnahbar, sondern ganz natürlich. Man hat das Gefühl, sie könnten sich jeden Augenblick bewegen, miteinander sprechen oder aufeinander reagieren.
Correggio konnte nicht nur den menschlichen Körper wunderbar darstellen, er verstand es auch, Gefühle sichtbar zu machen. Ein Blick, eine kleine Geste oder eine zärtliche Berührung erzählen oft mehr als viele Worte.
Gerade darin liegt für mich der besondere Reiz seiner Kunst. Seine Bilder zeigen nicht einfach Menschen, sondern lassen uns an ihrem Leben und ihren Empfindungen teilhaben.
Das Geheimnis von Licht und Schatten
Ein weiterer Höhepunkt seiner Malerei ist der Umgang mit Licht und Schatten. Correggio verstand es meisterhaft, seine Figuren durch sanfte Lichtübergänge lebendig erscheinen zu lassen.
Die Haut wirkt weich, die Stoffe beinahe greifbar, und die Farben gehen harmonisch ineinander über. Nichts erscheint hart oder künstlich. Vielmehr entsteht eine besondere Wärme, die den Bildern ihre natürliche Ausstrahlung verleiht.
Beim Betrachten fällt auf, wie geschickt Correggio den Blick des Betrachters lenkt. Das Licht hebt bestimmte Gesichter oder Körperpartien hervor und verbindet die Figuren miteinander.
Diese Bilder laden dazu ein, länger vor ihnen stehen zu bleiben und immer wieder neue Einzelheiten zu entdecken.
Wenn das Heilige ganz menschlich wird
Viele Gemälde Correggios haben religiöse Themen. Er malte Maria, Jesus und zahlreiche andere biblische Gestalten.
Doch seine Figuren wirken nicht fern und unnahbar. Maria erscheint beispielsweise nicht nur als heilige Mutter, sondern auch als eine Frau voller Liebe, Zärtlichkeit und Sorge. Ihre Gefühle sind für den Betrachter nachvollziehbar. Das hat mich besonders berührt.
Correggio zeigt das Heilige nicht allein durch feierliche Gesten oder große Symbole. Er macht es auch in den kleinen, menschlichen Momenten sichtbar.
So verbindet seine Malerei den Glauben mit dem menschlichen Leben. Die dargestellten Personen erscheinen uns nahe, weil ihre Gefühle auch heute noch verständlich sind.
Obwohl diese Bilder vor mehr als 500 Jahren entstanden sind, haben sie deshalb nichts von ihrer Wirkung verloren.
Schönheit, Sinnlichkeit und Gefühl
Neben seinen religiösen Bildern schuf Correggio auch Werke mit Themen aus der antiken Mythologie. Hier begegnen uns Geschichten über Liebe, Verlangen und menschliche Leidenschaft.
Seine Figuren besitzen eine besondere körperliche Schönheit. Sie wirken weich, beweglich und voller Leben. Dabei geht es nicht nur um schöne Formen, sondern auch um Gefühle und Beziehungen.
Correggio verstand es, Sinnlichkeit mit großer künstlerischer Eleganz darzustellen. Seine Bilder wirken lebendig, ohne aufdringlich zu sein.
Gerade diese Verbindung von Schönheit und Menschlichkeit macht seine Kunst so interessant. Man schaut nicht nur auf die äußere Erscheinung der Figuren, sondern fragt sich auch, was sie empfinden und welche Geschichte sich hinter ihrer Darstellung verbirgt.
Ein Maler, der Grenzen verschwinden lässt
Correggio war auch ein Meister der Raumgestaltung. Besonders berühmt wurde er durch seine beeindruckenden Deckenmalereien, bei denen sich die gemalte Architektur scheinbar zum Himmel öffnet.
Figuren schweben durch den Raum, drehen sich und scheinen die Grenzen der wirklichen Decke zu überwinden. Dadurch entsteht eine faszinierende Illusion.
Auch in seinen Gemälden zeigt sich sein außergewöhnliches Gespür für Bewegung und Raum. Seine Figuren stehen nicht einfach nebeneinander, sondern sind Teil einer lebendigen Komposition.
Diese Fähigkeit, Malerei so lebendig und beinahe körperlich erfahrbar zu machen, gehört zu seinen größten Leistungen.
Eine Ausstellung, die zum Entdecken einlädt
Besonders schön an der Dresdner Ausstellung ist die Möglichkeit, viele Werke Correggios unmittelbar miteinander zu vergleichen.
Wenn man mehrere seiner Gemälde nacheinander betrachtet, erkennt man immer deutlicher, was seine Kunst auszeichnet: die weichen Formen, das besondere Licht, die natürlichen Bewegungen und vor allem die ausdrucksvollen Gesichter.

Gemälde / Öl auf Leinwand (o.J. (16. Jh.)) von , Correggio [um 1489 – 1534] , Bildmaß 188 x 125 cm , Inventar-Nr.: INV42 , Person: Aphrodite (Venus), Griechische Göttin der Liebe und der Schönheit , Systematik: , Personen / Antike / Mythologie / Aphrodite / Gemälde, Artist: Correggio FOR USE ONLY IN GERMANY, SWITZERLAND OR AUSTRIA, Copyright: bpk | GrandPalaisRmn | René-Gabriel Ojéda
Correggio steht vielleicht nicht so sehr im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses wie Leonardo da Vinci oder Michelangelo. Doch diese Ausstellung zeigt eindrucksvoll, dass er einen ganz eigenen Platz in der Kunstgeschichte verdient.
Seine Malerei beeinflusste spätere Künstler und bereitete mit ihrer Dynamik, ihren Lichtwirkungen und ihren illusionistischen Räumen wichtige Entwicklungen des Barock vor.
Eine schöne Bereicherung unserer Dresden-Reise
Unsere Reise nach Dresden stand ganz im Zeichen von Oper und Konzert. Umso schöner war es, neben den musikalischen Erlebnissen auch diese besondere Ausstellung besuchen zu können.
Musik und Malerei sprechen zwar unterschiedliche Sinne an, doch beide können Gefühle wecken, Stimmungen vermitteln und uns für einen Moment aus dem Alltag herausholen.
Die Ausstellung hat mich dazu angeregt, genauer hinzusehen und mir Zeit für die Bilder zu nehmen. Denn vieles erschließt sich erst, wenn man nicht einfach von einem Gemälde zum nächsten eilt, sondern innehält und sich auf die dargestellten Menschen einlässt.
Dann entdeckt man die kleinen Einzelheiten, die feinen Gesichtsausdrücke und die liebevollen Gesten, die Correggios Malerei so einzigartig machen.
Fazit: Kunst, die das Herz berührt
Der Besuch der Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich“ war für mich ein besonderes Erlebnis und eine wunderbare Bereicherung unserer Opern- und Konzertreise nach Dresden.
Ich habe einen Künstler kennengelernt, der es verstand, Menschen nicht nur äußerlich schön, sondern auch innerlich lebendig darzustellen. Seine Gemälde faszinieren durch das Spiel von Licht und Schatten, durch ihre weichen Formen und durch die Gefühle, die sie vermitteln.
Besonders beeindruckt hat mich, wie nah uns seine Figuren trotz der vielen Jahrhunderte kommen. Ihre Liebe, ihre Zärtlichkeit, ihre Sorge und ihre Sehnsucht sind auch heute noch verständlich.
Vielleicht ist es genau das, was große Kunst ausmacht: Sie gehört zu einer bestimmten Zeit und erzählt von einer vergangenen Welt, spricht aber dennoch unmittelbar zu uns.
Correggios Bilder zeigen, dass Malerei weit mehr sein kann als die Darstellung schöner Menschen und Formen. Sie kann Gefühle sichtbar machen, Nähe schaffen und uns auf ganz besondere Weise berühren.
So bleibt mir diese Ausstellung als eine wunderbare Begegnung mit der Kunst in Erinnerung: als ein stiller, genussvoller Moment zwischen unseren musikalischen Erlebnissen in Dresden.
Ae Lee Kim
Bild 1: Die heilige Nacht, um 1528/30 Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Elke Estel, Hans-Peter Klut
Bild 2: Venus und Cupido, mit Satyr, um 1526/1528 Musée du Louvre, Paris © GrandPalaisRmn (musée du Louvre) / Franck Raux