LA RONDINE (DIE SCHWALBE) – Frankfurt, Oper

von Giacomo Puccini (1858-1924), Commedia lirica in drei Akten, Libretto: Giuseppe Adami nach der deutschen Vorlage Die Schwalbe von Alfred Maria Willner und Heinz Reichert
Dirigent: Marc Soustrot, Chor: Matthias Köhler, Opern- und Museumsorchester und Chor der Oper Frankfurt
Solisten: Elaine Alvarez (Magda de Civry), Britta Stallmeister (Lisette), Joseph Calleja (Ruggero), Marius Brenciu (Prunier), Aris Argiris (Rambaldo), Christiane Karg (Yvette/Georgette/una voce interna), Sun Hyung Cho (Bianca/Gabriella), Nina Tarandek (Suzy/Lolette), Sungkon Kim (Périchaud/Rabonnier/Maggiodormo), Michael McCown (Gobin), Franz Mayer (Crébillon)
Besuchte Aufführung: 6. März 2010 (Premiere, konzertante Aufführung, Koproduktion mit der Alten Oper Frankfurt)

Kurzinhalt
Frankfurt-La-RondineIm Pariser Salon Magda de Civrys findet sich eine exklusive Gesellschaft ein. Der Dichter Prunier, der auf Drängen trägt einen Lobgesang an die romantische Liebe vor. Viele spotten darüber doch Magda glaubt die wahre Liebe, die sie bei ihrem Geliebten, dem Bankier Rambaldo, vermißt; denn dieser liebt nur sein Geld. Man läßt den Abend im Café Bullier ausklingen. Magda hat sich kostümiert, und stellt sich dem gutaussehenden Ruggero als Paulette vor. Sie verlieben sich sofort ineinander. Überstürzt trennt sich Magda von Rambaldo und das glückliche neue Paar verbringt liebestrunkene Tage in Nizza – doch als Ruggero Magda bittet, seine Frau zu werden, flüchtet sie zurück nach Paris.
Sänger und Orchester
Daß eine konzertante Aufführung nicht zwangsläufig statisch ist, stellten die Sängerinnen und Sänger an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis. Angesteckt von der verhaltenen, dennoch erkennbaren mimischen Textdeutung, nahm Marc Soustrot am Pult die Einladung zum Tanz im zweiten Akt entgegen und bewegte sich tänzerisch-elegant durch die vielen Rhythmuswechsel und differenziertesten Klangfarben. Er entlockte dem Orchester eine erstaunliche Palette facettenreicher Klänge, die den Stimmungswechseln der Protagonisten immer angepaßt waren – humorvoll, schwermütig, sentimental und leidenschaftlich ergänzte das Orchester das Gesangsensemble. Soustrot ließ genug Raum für die lyrischen Abschnitte, so daß man die Entwicklung der Themen immer nachvollziehen konnte – und dabei ins Staunen geriet über Puccinis feinsinnige und sensible Orchestrierung. Der von Matthias Köhler sehr gut einstudierte Chor der Oper Frankfurt agierte im zweiten Akt harmonisch mit dem Ensemble und blieb trotz aller klanglichen Kraft in gutem Mischungsverhältnis zu Orchester und Solisten.
Marius Brenciu (Prunier) meisterte mit unglaublicher Leichtigkeit alle Schwierigkeiten seiner Partie und war dabei ganz der leidenschaftliche, sinnliche Liebhaber und Dichter. Dies bewies er im romantischen Forse, come la rondine – Vielleicht, wie die Schwalbe. Joseph Calleja (Ruggero) etwas erkrankt, konnte die Aufführung aber doch bestreiten. Stark und kräftig präsentierte er trotzdem seine Stimme, die in den Höhen völlig sicher, wenn auch dynamisch etwas unflexibel war – was aber wohl auf seinen angeschlagenen Zustand zurückzuführen ist. Eindrucksvoll war sein Flehen No! Non lasciarmi solo! – Nein! Verlaß mich nicht!, das Gänsehaut verursachte. Prunier zur Seite stand eine starke Britta Stallmeister (Lisette), die wie ein Wirbelwind durch ihre textreichen Passagen fegte und große Intonationssicherheit zeigte. Hell und schwebend fügte sich ihr Sopran auch in den Duetten harmonisch ins Ensemble ein. Elaine Alvarez als Magda de Civry bestach durch einen stimmgewaltigen, dennoch elegant-schlanken Sopran, was sie sogleich bei Chi il bel sogno di Doretta? – Der schönen Traum Dorettas? und Ore dolci e divine – Süße und göttliche Stunden offenbarte. Mit Aris Argiris (Rambaldo) war ein profunder und klarer Baß gefunden, jedoch ging er in den Ensemblenummern ab und an unter und wurde von den übrigen Stimmern überdeckt. Christiane Karg, Sun Hyung Cho, Nina Tarandek, Sungkon Kim, Michael McCown und Franz Mayer ergänzten das Ensemble zu einer harmonisch agierenden Gruppe und zeigten ebenfalls eine solide Leistung.
Fazit
Sollte jemand einer konzertanten Aufführung reserviert gegenüberstehen, so hat diese Aufführung deutlich gezeigt, daß die Abwesenheit von Kulisse und Kostüm nicht zwangsläufig einem CD-Lauschen im Wohnzimmer gleichkommt. Im Gegenteil war das Fehlen der Szenerie keineswegs ein Mangel, sondern gab den Blick im wahrsten Wortsinne frei, auf ein musikalisches Werk, das (leider) eine Rarität im Operngeschehen darstellt. Keine Regielesart der Handlung lenkt von der wundervoll-romantischen Musik der Oper ab, und der Zuhörer kann sich ganz auf die eindrucksvolle Darbietung konzentrieren. Völlig zutreffend wurde die Vorstellung vom Publikum entsprechend auch mit großer Begeisterung aufgenommen – nicht enden wollende Applaus und Bravorufe galten allen Akteuren und dem Orchester.

Isabell Seider

Bild: Wolfgang Runkel
Das Bild zeigt: v.l.n.r. den Tenor Joseph Calleja (Ruggero), die Sopranistin Elaine Alvarez (Magda de Civry) sowie den Dirigenten Marc Soustrot

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