L’ITALIANA IN ALGERI – DIE ITALIENERIN IN ALGIER – Nürnberg, Staatstheater

von Gioacchino Rossini, Dramma giocoso per musica in zwei Akten, Libretto: Angelo Anelli, UA: Venedig 22. Mai 1813, Teatro di San Bernardino

Regie und Choreographie: Laura Scozzi, Bühne: Natacha Le Guen de Kerneizon, Kostüme: Tal Shacham

Dirigent: Guido Johannes Rumstadt, Staatsphilharmonie und Chor des Staatstheaters Nürnberg, Choreinstudierung: Tarmo Vaask

Solisten: Marcell Bakonyi (Mustafà, Bey von Algier), Ina Yoshikawa (Elvira), Irina Maltseva (Zulma), Wonyong Kang (Haly), Martin Platz (Lindoro), Ida Aldrian (Isabella), Levent Bakirci (Taddeo), u.a.

Besuchte Aufführung: 1. Februar 2017

Kurzinhalt

Mustafà will seine Frau Elvira loswerden: Er befiehlt dem italienischen Sklaven Lindoro sie zu heiraten. Aber Lindoro ist bereits an Isabella vergeben, die gerade von Piraten gefangengenommen wird. Sie soll Haremsdame von Mustafà werden. Zusammen mit ihrem Begleiter Taddeo überlegt sich Isabella einen Fluchtplan. Sie manipuliert den Bey mit ihrem Charme, was ihr mit Leichtigkeit gelingt. Durch die Verleihung des Fantasieehrentitels Pappataci ist der Bey vollständig abgelenkt. Wieder vereint fliehen Isabella und Lindoro zusammen mit Taddeo und den anderen italienischen Sklaven in ihre Heimat Italien. Mustafà kehrt zu seiner Gattin zurück, die ihn trotz allem noch liebt.

Aufführung

Laura Scozzi stellt wieder einmal eine einfallsreiche, aktionsreiche und perfekt choreographierte Handlung auf die Bühne: wir befinden uns in der näheren Zukunft. Europa ist pleite, die Italiener verdingen sich in Algier als Gastarbeiter. Sie arbeiten in passender Kleidung in diversen Dienstleistungsberufen, die Ankunft geht einher mit einer Paßkontrolle. Mustafa Bey verlangt nach besonderen Dienstleistungen – was zu vielem Auftritten leicht bekleideter Damen als Bauchtanzgruppe oder Unterwäsche-Models führt – mit Handschellen, Dildos und Sadomaso-Utensilien. Isabella bemüht sich, dem Bey seine Gattin unterzujubeln, während ein (nicht im Libretto vorhandenes) Slapstick-Liebespärchen sich in Zeichentrickmanier immer wieder gegenseitig tötet. Am Schluß plündert man den Safe, tauscht die Pässe gegen Drogen und der Bey wird wegen Schmuggels verhaftet.

Sänger und Orchester

Der auffälligste Sänger des Abends ist Martin Platz, er singt sich mit seinem ausgeprägten Charaktertenor in den Vordergrund. Er kann Lindoros bekannt schwierige italienische Arien ausdrucksvoll und klangvoll gestalten: Languir per una bella und Oh come il cor di giubilo. Ida Aldrian (Isabella) beklagt zunächst mit trauriger Stimme ihr hartes Schicksal – Cruda sorte, steigert sich aber in eine wahre Euphorie mit sicheren Koloraturen, wenn sie sich für ihren Liebsten schön macht per lui che adoro, und  wenn sie bei der Vorstellung des Bay harte und hinterlistige Töne anschlägt: Ohi! che muso, che figura!

Marcell Bakonyi macht hierbei zunächst mit deutlich tiefensicherem Baß seine Abneigung gegen seine Gattin deutlich: Serenate il mesto ciglio, doch er findet noch zu einer vielschichtigeren Rollengestaltung des Mustafà. Ina Yoshikawa als Elvira macht aus ihrer kleineren Rolle einer ins Abseits gedrängten Ehefrau ein kleiner Juwel. Überhaupt sind alle Nebenrollen stimmig besetzt, wie Levent Bakirci als Taddeo und Wonyong Kang als „Herold“ Haly.

Guido Johannes Rumstadt sieht sich als idealer Unterstützer der Solisten, sie können mit ihren Koloraturen und Gesangslinien glänzen und sich immer auf dem Orchester ausruhen. Die orchestralen Solostellen bleiben dagegen eher farblos, verbreiten wenig von Rossinis Spritzigkeit und gehen auch irgendwo in der Untermalung der überaktionistischen Szenerie unter.

Fazit

Zweieinhalb Stunden buntes Bewegungstheater in perfekter Choreographie. Dahinter tritt sogar die Musik Rossinis zurück, trotz (oder wegen?) der etwas zurückhaltenden Interpretation in Nürnberg. Sängerisch ist die Produktion durchgehend herausragend besetzt, Martin Platz erhält für seine Tenor-Arien Szenenapplaus: Am Ende tobender Beifall des Publikums!

Oliver Hohlbach

Bild: Ludwig Olah

Das Bild zeigt: Levent Bakirci (Taddeo), li. , Marcell Bakonyi (Mustafà), Ida Aldrian (Isabella), auf dem Bett, Martin Platz (Lindoro),re. Ina Yoshikawa (Elvira)

Veröffentlicht unter Nürnberg, Staatstheater, Opern
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