FEDORA – Stockholm, Königliche Oper

von Umberto Giordano (1867–1948), Oper in drei Akten, Libretto: Arturo Colautti nach dem Drama von Victorien Sardou, UA: 17. November 1898 Mailand, Teatro lirico

Regie: Christof Loy, Herbert Murauer: Bühne/Maske/Kostüme: Licht: Olaf Winter, Videodesign: Velourfilm AB

Dirigent: Tobias Ringborg, Königliche Hofkapelle

Solisten: Asmik Grigorian (Fedora), Andrea Carè (Loris Ipanov), Ola Eliasson (de Siriex), Sofie Asplund (Olga Sukarev), Kristian Flor (Gretch), u.v.a.

Besuchte Aufführung: 11. Dezember 2016 (skandinavische Premiere)

stockholm-fedoraKurzinhalt

Die Fürstin Fedora Romanov ist mit Vladimiro, dem Sohn des russischen Polizeichefs, heimlich verlobt. Als er am Abend vor ihrer Hochzeit nicht zu einer Verabredung erscheint, betritt sie zum ersten Mal sein Haus in St. Petersburg. Schwer verwundet wird er ins Haus gebracht und erliegt wenig später seinen Verletzungen. Vladimiros Nachbar Loris Ipanov wird im Zuge der polizeilichen Untersuchung zum Hauptverdächtigen erklärt und flieht. Fedora beschließt, sich als Spionin in den Dienst der Polizei zu stellen, um den Mörder ihres Verlobten dingfest zu machen. In Paris gelingt es ihr, Ipanov ausfindig zu machen und sein Vertrauen zu gewinnen. Er verliebt sich in sie. Als er ihr den Mord an Vladimiro gesteht muß sie erfahren, daß es sich um einen Mord aus Eifersucht gehandelt hat, denn ihr Verlobter hatte eine Affäre mit Ipanovs Frau. Diese Enthüllung bringt sie von ihrem Plan ab, Ipanov der russischen Polizei auszuliefern und beide begeben sich in die Schweiz. Nach einigen glücklichen gemeinsamen Wochen wird Ipanov jedoch über ihre ursprüngliche Absicht informiert. Aus Scham und Verzweiflung nimmt Fedora sich das Leben.

Aufführung

Die Bühne ist in zwei Gebiete unterteilt: Den vorderen Bereich an der Rampe und eine Wand mit einem riesigen goldenen Rahmen, auf der entweder Videoprojektionen zu sehen sind oder die zu einem weiteren Raum geöffnet wird, in dem sich parallele Aktionen abspielen. Die Sänger werden vor allem im ersten Akt in Nahaufnahme live gefilmt und auf die Wand projiziert und kurze Filmeinspielungen erweitern die Szene räumlich. Die Kostüme sind nicht im Stile des späten 19. Jahrhunderts gehalten, sondern historisch eher indifferent, und auch die Atmosphäre des russischen Salons in Paris wird lediglich angedeutet.

Sänger und Orchester

Bevor die sängerischen Leistungen gewürdigt werden können sollten einige Worte über diese Partitur gesagt werden. Giordanos Musik ist ein originelles orchestrales Feuerwerk. Wann hat man schon in einer Oper ein kurzes Konzert für Klavier solo gehört?

Die Oper besteht aus recht kurzen musikalischen Komplexen, die von der Sängerin der Titelrolle alles vom leisesten Legato bis hin zum mächtigen emphatischen Belcanto-Gesang, aber auch eine kräftige Sprechstimme und vor allem eine tadellose Intonation in den a cappella zu singenden Passagen verlangen. Alle diese Herausforderungen meistert Asmik Grigorian mit Leichtigkeit. Ihre für einen dramatischen Sopran ausgesprochen füllige, dunkle Stimme verfügt über einen perfekten Registerausgleich und hat eine Durchschlagskraft, die ihresgleichen sucht. Darüberhinaus zählt sie zu den besten Darstellerinnen ihres Faches. Allein schon ihre Leistung würde die Reise nach Stockholm lohnen.

Doch auch die anderen zahlreichen Rollen – insgesamt verlangt diese anderthalbstündige Oper nicht weniger als zwanzig Solisten – sind exzellent besetzt. Andrea Carè erwies sich in der männlichen Hauptrolle als seiner Partnerin stimmlich ebenbürtig, d.h. seine Stimme füllt den Raum und hat eine schöne tenorale Spitze. Als Darsteller ist er hingegen ein wenig steif. Sofie Asplunds leicht ansprechender und beweglicher Sopran hebt sich deutlich von dem schwereren, dunkleren Organ Grigorians ab. Ihr gelang die burleske Darstellung des naiven Charakters der Gräfin Sukarev vollauf. Weitere schöne Einzelleistungen der Sänger wären hier zu nennen.

Die am stärksten beeindruckende Leistung lieferte jedoch das Orchester unter der Leitung von Tobias Ringborg ab. Dynamisch sauber durchgestaltet präsentierte es die farbige, bisweilen fast schon hektisch changierende Musik Giordanos ohne sich ungebührlich in den Vordergrund zu drängen. Die zahlreichen Tempoänderungen waren fein auf den Vortrag der Sänger abgestimmt und gaben den beiden Protagonisten Gelegenheit, ihre Partien voll auszusingen.

Fazit

Diese Inszenierung unterstützt die Sänger und legt der sich rasch entfaltende Handlung dieser Opernrarität – eines Opernkrimis, um genau zu sein – keine Hindernisse in den Weg. Ob alle Einfälle von Seiten der Regie tatsächlich geglückt sind, ist Ansichtssache, etwa der Einsatz der mitunter leicht wackelnden Live-Kameras. Für den sehr guten Gesamteindruck spielen solche optischen Details jedoch kaum eine Rolle. Den Zuschauer erwarten in dieser Produktion eine rasant erzählte Geschichte und jede Menge musikalischer Überraschungen. Grandios!

Dr. Martin Knust

Bild: Monika Rittershaus

Das Bild zeigt: Asmik Grigorian (Fedora), Bild Mitte, Chor

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