DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR – Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein

von Otto Nicolai (1810-1849), komisch-phantastische Oper in drei Aufzügen, Libretto: Salomon Hermann Mosenthal nach Shakespeares gleichnamigem Lustspiel UA: 9. März 1849 Berlin, Königliches Opernhaus

Regie: Dietrich W. Hilsdorf, Bühne: Dieter Richter, Kostüme: Renate Schmitzer

Dirigent: Axel Kober und die Düsseldorfer Symphoniker

Solisten: Hans-Peter König (Sir John Falstaff), Richard Šveda (Frank Fluth), Sami Luttinen (Georg Reich), Ovidiu Purcel (Sir Richard Fenton), Florian Simson (Abraham Spärlich), Daniel Djambazian (Dr. Jean-Jacques Cajus), Anke Krabbe (Alice Fluth), Marta Márquez (Margarete Reich), Luiza Fatyol (Anna Reich)

Besuchte Aufführung: 24. Juni 2016 (Premiere)

Düsseldorf Die LustigeWeiberKurzinhalt

Die verheirateten Damen Fluth und Reich bemerken, daß sie beide vom Ritter Falstaff Liebesbriefe erhalten haben. Sie wollen ihm eine Lektion erteilen. Zuerst laden sie Falstaff zu den Fluths nach Hause ein und legen ihn dort hinein. Das macht den eifersüchtigen Herr Fluth mißtrauisch. Die Damen weihen die Männer in ihre Pläne ein: bei einem Treffen im Wald sollen alle Dorfbewohner als Elfen verkleidet erscheinen und Falstaff erschrecken. Anna, die Tochter der Reichs, soll in dem Trubel den Favorit ihrer Eltern heiraten. Doch sie durchkreuzt die Pläne und heiratet Fenton. Falstaff fleht um Erbarmen, und es wird Frieden mit ihm geschlossen.

Aufführung

Die Inszenierung spielt mit Motiven der Romantik und des Biedermeiers. Der Vorhang zeigt das Motiv einer Ruine im Wald bei Mondschein nach Caspar-David-Friedrich und wird während der Ouvertüre sowie zwischen den Akten gezeigt. Bühne und Kostüme sind im Biedermeier-Stil gehalten: der Hofraum der Fluths zeigt dunkelgrüne Brokat-Tapete mit goldenen Verzierungen, dunkle Eichenholztüren und zwei Hängelüster über einer langen Tafel. Die Frauen tragen Kleider mit Tournüren, die Männer Sakkos mit langen Hosen. Im zweiten Akt ändert sich das Bühnenbild zu dem Inneren einer verlassenen Kirche mit Holzbänken und Beichtstuhl, im dritten Akt wird die Vorderfront der Kirche gezeigt und durch Nebel Waldatmosphäre erzeugt.

Sänger und Orchester

Axel Kober leitet das Orchester in einem mäßigen Tempo durch die Ouvertüre, dabei dirigiert er die Legato-Bögen in den Streichern zu Beginn sehr leise, so daß sich das Crescendo bis zum Mezzoforte voll entfalten kann. Der dynamische Wechsel zwischen leisen, langsamen Dur und lauten, schnellen Moll-Partien stimmt auf die Oper ein. Bei den Sängern treten Anke Krabbe und Marta Márquez sowohl gesanglich, als auch schauspielerisch als eingespieltes Team auf.

Anke Krabbe (Alice Fluth) läßt ihren hellen, glockenklaren Sopran in den Koloraturen blühen, dabei wechselt sie sehr flink von tiefen zu hohen Tönen, was gut zu ihrem kecken Schauspiel paßt. Marta Márquez‘ Mezzo als Margarete Reich klingt dagegen dunkel und hohl. In den tiefen Lagen ist sie manchmal etwas zu leise, dafür kann sie in den Spitzentönen ihre Stimme glänzen lassen. Die beiden unterschiedlichen Stimmfarben der Sängerinnen ergänzen sich hervorragend: im Duett Wir locken ihn mit Weiberlist singen beide die Koloraturen mit rhythmischer Präzision sehr synchron und dynamisch wunderbar aufeinander abgestimmt. Hervorzuheben ist Hans-Peter König (Sir Falstaff), der mit seinem warmen, durchdringenden Baß den liebenswerten Lebemann gibt. In der Arie Als Büblein klein an der Mutter Brust singt er tragend und mit akzentuiertem Stimmeinsatz, in den Tiefen läßt er seine Stimme sanft grollen. In der Darstellung unterstreicht er das Komische der Rolle; bei Frau Fluth zu Gast schaufelt er beispielsweise Essen in sich hinein bevor er sich vor ihrem Ehemann versteckt. Ein Höhepunkt ist das Duettino von Luisa Fatyol (Anna Reich) und Ovidiu Purcel (Fenton) im zweiten Akt. Beide zelebrieren die Koloraturen und Verzierungen über mehrere Takte hinweg perfekt synchron und mit sehr viel Hingabe. Fatyol singt mit einem schwülstigen, dunkel gefärbten Sopran, dabei ist sie besonders in der Dynamik stark und läßt sich von einem im sotto voce gehauchten Piano bis zum Fortissimo in den Spitzentönen große Räume zur Steigerung. Ihr Partner Ovidiu Purcel überzeugt durch einen metallischen, sehr forcierten Tenor. Er hat sehr viel Kraft in der Stimme und singt fast durchweg im Mezzoforte bis Forte. Sami Lutinnen (Georg Reich) überzeugt durch einen schnarrenden Bariton, den er durch aggressive Gesten unterstützt. Ebenso gibt Richard Šveda (Frank Fluth) mit seinem sehr akzentuiert und klar intoniert Tenor einen dominanten Ehemann ab. Erwähnenswert ist ebenfalls der Chor, dessen Sänger als Geister verkleidet die Arie O süßer Mond und dabei einen ausnahmslos harmonischen Klangteppich pianissimo erzeugt.

Fazit

Die Inszenierung ist insgesamt sehr stimmig, da sie die Schauplätze originalgetreu wiedergibt und dank Bühnenbild und Kostümen eine märchenhaft-romantische Atmosphäre erzeugt. Dabei ist die charmante Darstellung des Ensembles kurzweilig und unterhaltsam. Die hervorragende Leistung der Sänger und des Orchesters sorgt für viele wunderschöne, musikalische Momente. Besonders wird die gesangliche Leistung von Anke Krabbe und Hans-Peter König vom Publikum mit lang anhaltendem Applaus und Bravorufen gefeiert. Ein unvergeßlicher Abend!

Melanie Joannidis

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: vor dem Tisch v.l.n.r.: Anke Krabbe (Frau Fluth), Richard Šveda (Herr Fluth), Marta Márquez (Frau Reich), hinter dem Tisch v.l.n.r.:Daniel Djambazian (Dr. Cajus), Sami Luttinen (Herr Reich), Mitglieder des Chors

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