UN BALLO IN MASCHERA – EIN MASKENBALL – Aachen, Stadttheater

von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in drei Akten, Libretto: Antonio Somma, UA: 17. Februar 1859 Rom, Teatro Apollo

Regie: Michael Schmitz-Aufterbeck, Bühne: Oliver Brendel, Kostüme: Sandra Münchow

Dirigent: Péter Halász, Sinfonieorchester, Opernchor, Extrachor, Kinderchor, Choreinstudierung: Andreas Klippert

Solisten: Yikun Chung (König Gustav), Tito You (Graf Anckarström), Irina Popova (Amelia), Sanja Radisic (Ulrica Arvidsson), Jelena Rakic (Oscar), Vasilios Manis (Christiano), Pawel Lawreszuk (Graf Horn), Il-Hoon Kim (Graf Ribbing)

Besuchte Aufführung: 5. Februar 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

König Gustav von Schweden liebt Amelia, die Frau seines engsten Freundes Graf Anckarström. Hinter seinem Rücken planen Graf Horn und Graf Ribbing ein Komplott, das ihn stürzen soll. Die Wahrsagerin Ulrica prophezeit Gustavs Tod durch einen Freund. Gustav glaubt dieser Prophezeiung nicht. Aber sie erfüllt sich, als Graf Anckarström durch einen unglücklichen Zufall von Amelias und Gustavs Liebe erfährt. Er schließt sich dem Komplott der Verschwörer an und verwundet Gustav während des Maskenballs tödlich. Im Sterben beschwört Gustav, daß seine Liebe zu Amelia rein platonischer Natur sei und spricht Anckarström von seiner Schuld frei.

Aufführung

Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck nimmt die Fassung, die auf das Libretto von Scribe zurückgeht, der das Attentat auf den schwedischen König am 16. März 1792 beschreibt. Sie wurde von Verdi nicht autorisiert.

Die Bühne zeigt einen leeren Raum und wird von länglichen Holzwänden eingerahmt. Diese stürzen zusammen als der König im Finale stirbt. Die Kostüme sind dem Rokokostil nachempfunden: die männliche Hofgesellschaft trägt Kniehosen, spitzenbesetzte Hemden und weiße Perücken, König Gustav ist ganz in weiß gekleidet. Nach dem ersten Akt tritt der König inkognito auf: ohne Perücke und im schwarzen Anzug mit Frack. Die Wahrsagerin Ulrica trägt eine Satincorsage, ihr Oberkörper ist mit Totenköpfen tätowiert. Lichteffekte verwandeln das Einheitsbühnenbild in unterschiedliche Schauplätze und dramatisieren die Szenen zusätzlich. Der Friedhof wird durch dunkelblaues Licht gekennzeichnet, der Maskenball erstrahlt in Rottönen sowohl durch Licht als auch durch die Kostüme.

Sänger und Orchester

Die Ouvertüre dirigiert Péter Halász temperamentvoll, was ihr einen sehr dramatischen Klang verleiht. Allerdings kann Halász das Orchester nach der Ouvertüre nicht genug zurücknehmen. Besonders die Bläser spielen zu laut und übertönen oft den Gesang. Yikun Chung (König Gustav) singt die Rolle des Königs mit seinem hell-geprägten Tenor sehr schmetternd und voluminös, die hohen Töne bringt er mit sehr viel Kraft. Während des Duetts Oh qual soave brividoOh welch süßer Schauder nimmt er sich aber auch zurück und singt die Partien sehr weiche (mezzavoce). Irina Popova (Amelia) klingt in den Höhen sehr metallisch mit viel Vibrato. Als sie in der Arie Ma d’allrido stello divulsa Wenn das Kraut wie ihr Wort mir verkündet im zweiten Akt Gott um Erbarmen bittet, haucht sie das zweigestrichene A mit sotto voce sehr sanft an und zeigt dabei eine andere Facette ihrer Stimme. Tito You (Graf Anckarström) besitzt eine große stimmliche Differenzierung. Besonders in der Arie Eri tu que macchiavi quell’anima – Du warst’s, der das Herz mir entwendet macht er mit seinem hellen Bariton Wut und Trauer deutlich. Akzentuierter Gesang in den Höhen wechselt sich mit Legato-Partien in den Tiefen ab, so daß sein Vortrag große Dynamik entwickelt. Eine stimmliche Abwechslung ist Jelena Rakics (Oscar) lyrischer Sopran. Die Übergänge zwischen hohen und tiefen Tönen sowie Triller gelingen ihr durch zarte Intonation und ebenso das An- und Abschwellen ihrer Stimme (messa di voce). Il-Hoon Kims (Graf Ribbing) dunkelgefärbter Baßbariton hat einen schweren, hallenden Charakter und ergänzt sich mit Pawel Lawreszuks (Graf Horn) hellem und rauchigen Bariton. Das Verschwörerpaar erzeugt mit seinen Stimmen knurrende und räuspernde Geräusche, die ihren Spott kennzeichnen. Ebenfalls erwähnt sei Sanja Radisics Partie als Ulrica, mit der sie ihr Debut in Aachen gibt. Ihr Mezzosopran zeigt sehr viele Nuancen: in der Tiefe klingt er sehr profund, in der Höhe warm und voluminös, dabei läßt sie ihre Stimme nach oben dramatisch anschwellen. In den mehrstimmigen Teilen erklingen Sängerensemble und Chor sehr kraftvoll und nuanciert.

Fazit

Neben dem sehr einfachen Bühnenbild die können nur die Kostüme die Stimmung des 18. Jahrhunderts hervorrufen. Dafür kann die musikalische Darbietung um so mehr überzeugen – abgesehen von der Lautstärke des Orchesters. Das Sängerensemble ist hervorragend aufeinander abgestimmt. Das Publikum applaudiert besonders laut für Yikun Chung, Jelena Rakic und Sanja Radisic.

Melanie Joannidis

Bild: Carl Brunn

Das Bild zeigt: Jelena Rakic (Oscar), Yikun Chung (König Gustav) und  Hans Schaapkens (ein Richter)

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