Les dialogues des Carmélites – Gespräche der Karmeliterinnen – Stockholm, Königliche Oper

von Francis Poulenc (1899–1963), Oper in zwei Akten, Libretto nach Georges Bernanos, UA: 1957 Mailand

Regie: Johanna Garpe, Bühnenbild: Per A. Jonsson, Kostüme: Nina Sandström, Licht: Thorsten Dahn

Dirigent: Marc Soustrot, Königliche Hofkapelle, Königlicher Opernchor, Einstudierung: Christina Hörnell

Solisten: Gunnar Lundberg (Marquis de la Force), Elin Rombo (Blanche de la Force), Jonas Degerfeldt (Chevalier de la Force), Marianne Eklöf (Mme de Croissy), Lena Nordin (Mme Lidolne), Susann Végh (Mère Marie), Marianne Hellgren Staykov (Sœur Constance), Agneta Lundgren (Mère Jeanne), Klas Hedlund (Beichtvater) u.a.

Besuchte Aufführung: 22. Oktober 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Die junge Adelige Blanche de la Force beschließt, am Vorabend der französischen Revolution ins Kloster zu gehen. Sie wird von der sterbenskranken Priorin Mme de Croissy als Novizin in den Karmeliterorden in Compiègne aufgenommen. Nach deren Tod übernimmt Mme Lidoine die Leitung des Klosters, dem schwere Zeiten bevorstehen. Revolutionäre Truppen besetzen es und lösen es auf. Die Nonnen haben jedoch alle ein Märtyrergelübde abgelegt, das sie auch halten. Nach anfänglichem Zögern folgt auch Blanche ihren Ordensschwestern in den Tod auf dem Schafott. Während der Hinrichtung singen sie das Salve Regina.

Aufführung

Das Bühnenbild ist nüchtern, teilweise abstrakt gehalten. Die Kostüme der Sänger entsprechen der Mode zur Zeit der französischen Revolution, wenn auch farblich stilisiert. Im Ganzen folgt die Regie den Vorgaben des Librettos. Allerdings werden einzelne verfremdende, abstrahierende oder aktualisierende Elemente eingefügt. So werden während der Gebete der Ordensschwestern Schwarz-Weiß-Bilder von hungernden Kindern oder kriegerischen Greueltaten eingeblendet. Bei der Vertreibung der Nonnen aus dem Kloster erscheinen einige von ihnen in einer weißen Burka und im Vordergrund – einem deutschen Zuschauer unverständlich – posiert ein Paar in schwedischer Tracht, eine Anspielung auf die Auftritte des rechtsnationalen Politikers Jimmie Åkesson. Sie werden von Personen in heutiger Alltagskleidung attackiert. Damit wird auf die Intoleranz bestimmten religiösen oder politischen Strömungen gegenüber, die auch in unserer heutigen Gesellschaft anzutreffen sind, angespielt. Der Idee des Librettos entsprechend steht zwar die Figur der Blanche de la Force – oder, wie sie sich als Novizen nennt, der Schwester Blanche von Christi Todesangst – im Mittelpunkt der Handlung, ohne jedoch die Hauptfigur zu sein, sondern es ist das Schicksal der gesamten Gruppe der Ordensschwestern, das die Regie interessiert.

Sänger und Orchester

Das Orchester gestaltet die Partitur unter Marc Soustrot überaus markig und farbenfroh. Poulencs in Teilen kompakte Instrumentation gibt den Sängern an einzelnen Stellen keine Chance, durch den Orchesterklang hindurchzukommen, was der Dirigent nach Kräften zu vermindern bemüht war. So wie im Ordensleben der Karmeliterinnen keine Individuen treten auch vokal keine einzelnen Partien aus der Partitur hervor. Dennoch gilt es, die jeweiligen Rollen und Partien stimmlich und darstellerisch gegeneinander abzugrenzen, was in dieser Inszenierung vollauf gelingt. Diejenige Leistung, die am meisten beeindruckte, war die ergreifend, ja teilweise schockierend realistisch von Marianne Eklöf gespielte schwerkranke und an Gott zweifelnde Mme de Croissy. Außerdem paßte ihre reife Stimme hervorragend zu ihrer tiefen Partie. Elin Rombo spielte und sang die träumerische und weltabgewandte Blanche de la Force ordentlich. Die sehr helle, schlanke und leichte Sopranstimme von Marianne Hellgren Staykov gab dem jugendlichen Charakter der Sœur Constance, den sie zu verkörpern hatte, eine leuchtende, fröhliche Note, ganz wie es das Libretto verlangt. Schließlich ist noch die von Susann Végh gestaltete Partie der Mère Marie zu erwähnen, eine Mezzosopranpartie, die sie gleichwohl mit einem schon fast einer Altstimme würdigen voluminösen Timbre gestaltete. Die männlichen Partien wurden durchweg solide gestaltet, ohne daß auch hier ein Sänger besonders herausgeragt hätte. Gunnar Lundbergs Verkörperung des ängstlichen Marquis des la Force gelang ebenso wie Jonas Degerfeldts des Chevalier de la Force. Die abwechslungsreichste männliche Partie ist die des Beichtvaters, der von Klas Hedlund mit großem Engagement gestaltet wurde. Zu erwähnen sind schließlich noch die klanglich fein differenzierten Ensemble- und Choreinsätze, mit denen die Oper pointiert aufwartet.

Fazit

Diese Aufführung nimmt sich des Werkes mit großer Ernsthaftigkeit an. Bis auf die genannten, ein wenig zu sehr pädagogisch daherkommenden verfremdenden oder aktualisierenden Einsprengsel wird die Oper so auf die Szene gebracht, daß sich die Charaktere entfalten können und kein dramatischer Leerlauf entsteht. Musikalisch gehört die Aufführung zum besten, was die Königliche Oper derzeit zu bieten hat, was vom Premierenpublikum registriert wurde. Der lange, euphorische Schlußapplaus mündete in stehende Ovationen für Sänger, Orchester und Regie.

Dr. Martin Knust

Bild: Alexander Kenney

Das Bild zeigt: Agneta Lundgren (Mère Jeanne ) und Chor

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