DIALOGUES DES CARMÉLITES – Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein

von Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten und zwölf Bildern, Libretto: der Komponisten nach dem gleichnamigen Drama von Georges Bernanos, UA: 26. Januar 1957, Mailand

Regie: Guy Joosten, Bühnen/Kostüme: Johannes Leiacker, Dramaturgie: Luc Joosten / Bernhard F. Loges, Licht: Manfred Voss, Video: Volker Weinhart

Dirigent: Axel Kober, Düsseldorfer Symphoniker, Chor der Deutschen Oper am Rhein, Choreinstudierung: Christoph Kurig

Solisten: John Wegner (Marquis de la Force), Anett Fritsch (Blanche), Corby Welch (Chevalier), Anja Silja (Madame de Croissy), Sabine Hogrefe (Madame Lidoine), Jeanne Piland (Mutter Marie), Alma Sadé (Sœur Constance), Katarzyna Kuncio (Mère Jeanne), Judita Nagyová (Soeur Mathilde), Bruce Rankin (Beichtvater) u.a.

Besuchte Aufführung: 22. Oktober 2010 (Premiere)

Kurzinhalt

Die schreckhafte Blanche bittet während der französischen Revolution ihren Vater um die Erlaubnis, in das Kloster Karmel eintreten zu dürfen. Doch auch dort wird sie ihre Angst nicht los. Die Novizin Constance träumt davon, mit ihr gemeinsam zu sterben, und die Priorin hat während ihres Todeskampfes eine Vision von der Zerstörung des Klosters. Als der Rat der Republik den Nonnen per Dekret die Ausübung ihres Amtes untersagt, dringt eine Menschenmenge in das Kloster ein, um es zu räumen. Sie erhalten einen Aufschub, den Mutter Marie dazu nutzt, die Karmelitinnen über ein Märtyrergelübde abstimmen zu lassen, welches angenommen wird. Die Schwestern trennen sich, Blanche flieht entsetzt zum Haus ihres Vaters, der ermordet wurde. Kurz darauf werden außer Blanche und Mutter Marie alle Karmelitinnen festgenommen und zum Tode verurteilt. Während Mutter Marie vom Beichtvater abgehalten wird, mit ihren Schwestern zu gehen, besteigt Blanche das Schafott, als nur noch Constance übrig ist, und folgt ihren Schwestern in den Tod.

Aufführung

Zu Beginn der Oper wird die Bühne von einer riesigen Bücherwand beherrscht. Diese mächtige Ausstattung des Wohnsitzes von Blanches Familie hebt sich ab von der Kargheit, die das Kloster prägt. Lediglich zwei Bänke an jeder Seite bieten eine Sitzgelegenheit. Später ergänzt ein riesiges, katholisches Kreuz, an der Decke hängend, das Bild. Im Verlauf der Oper wird die Einrichtung beider Handlungsorte zerstört, das Bücherregal verbrannt, der gekreuzigte Jesus enthauptet. Das letzte Bild, die Enthauptung der Karmelitinnen, kommt ohne zusätzliche Ausstattung aus, lediglich ein Podest für die Schwestern ist angedeutet. Durch anhebbare Trennwände sind überraschende Auftritte möglich, wie ihn z.B. die Erstürmung des Konvents durch eine Menschenmenge erfordert. Durch Videoprojektionen wird in die Welt des Klosters immer wieder eine mal schreitende, mal stürmende Menschenmenge an die Wände projiziert. Die Kostüme sind der Zeit der Opernhandlung im 19. Jahrhunderts angepaßt.

Sänger und Orchester

Der Abend wird durch die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober zu einem Erlebnis. Zu Beginn der Oper wird die ausgewogene Differenzierung zwischen aggressiv-forcierten und Piano-Stellen deutlich. Immer wieder werden die einleitenden Stellen zu verschiedenen Bildern zu gelungenen Orchestermomenten, besonders zu nennen sind vor allem das Zwischenspiel vor dem erneuten Auftreten von Blanches Bruder im zweiten Akt sowie der Moment ihrer Ankündigung, ins Kloster gehen zu wollen. Hier zeigen die Düsseldorfer Symphoniker einen enormen Klangreichtum.

Auch das Sängerensemble macht seine Arbeit gut. Anett Fritsch (Blanche) zeigt zuerst ihre kantable Seite mit einer angenehm hellen Stimme in der Tiefe; lediglich bei langen und hohen Tönen vibriert ihre Stimme ein wenig zu viel. Gegen Ende der Oper zeigt sie zudem starke aggressive Klangnuancen, wie z.B. nach der Trennung von ihrem Bruder oder wenn ihr bei ihrer Rückkehr in ihr Vaterhaus das Ragout verbrennt. Alma Sadé (Constance) überzeugt mit ihrer leichten und klaren Stimme, die gut zu ihrer Rolle paßt. Karl Thomas Schneider (Monsieur Javelinot) liefert ebenfalls eine schöne Leistung ab mit einer Stimme, die sich problemlos zwischen Extremen, wie dem schmalen Klang im zweiten Akt und dem vollen Ton am Ende der Oper, bewegt. Am besten gefällt jedoch Anja Silja (Madame de Croissy) in ihrer Sterbeszene, die mit schwacher Stimme beginnt, jedoch stets eine solide Basis wahrt, um sich am Ende scheinbar völlig unangestrengt in die Höhe aufzuschwingen.

Fazit

Neben guten Sängerdarbietungen ist es die Orchesterleistung, die den Abend positiv prägt. Der Inszenierung gelingen einige beeindruckende Bilder, so daß nach der Oper allen Beteiligten zu Recht anhaltender Applaus gespendet wird.

Malte Wasem

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: Die Karmelitinnen in ihrem Konvent. Sabine Hogrefe (Madame Lidoine, Neue Priorin), Ensemble

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