Darmstadt, Staatstheater – DIE ZAUBERFLÖTE

von Wolfgang Amadeus Mozart, Oper in zwei Aufzügen, Libretto: Emanuel Schikaneder
UA: 30. September 1791, Freihaustheater Wien
Regie: Bettina Geyer, Bühne und Kostüme: Walter Schütze
Dirigent: Lukas Beikircher, Chor und Orchester des Staatstheaters Darmstadt, Choreinstudierung: André Weiss
Solisten: Thomas Mehnert (Sarastro), Mark Adler (Tamino), Adréana Kraschewski (Königin der Nacht), Aki Hashimoto (Pamina), David Pichlmaier (Papageno), Margaret Koenn (Papagena), Markus Durst (Monostatos), Maria Gessler (Erste Dame), Niina Keitel (Zweite Dame), Elisabeth Hornung (Dritte Dame), Werner Volker Meyer (Erster Priester), Jeffrey Treganza (Zweiter Priester), u.a.
Besuchte Aufführung: 4. Oktober 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
darmstadt-zauberfloete.jpgTamino verliebt sich in ein Bildnis Paminas und bekommt von deren Mutter, der Königin der Nacht, den Auftrag, sie aus den Fängen Sarastros zu befreien. Mit dem Vogelfänger Papageno gelangt er zu Sarastros Palast, wo sie eine Reihe von Prüfungen bestehen müssen. Die Königin der Nacht erscheint und verlangt von Pamina, Sarastro zu töten. Doch diese ist ihm so zu Dank verpflichtet, daß sie sich gegen ihre Mutter wendet. Am Ende finden Pamina und Tamino zueinander, und Papageno bekommt auch eine Gefährtin: Papagena.
Aufführung
Im Hintergrund der Bühne sieht man eine graue Barockfassade mit diversen Türen und Fenstern, im Vordergrund steht ein blauer stilisierter Baumstamm, der in einigen Szenen hochgezogen wird, um die Königin der Nacht aus dem Boden aufsteigen zu lassen. Die Kostüme erscheinen bunt zusammengewürfelt.
Sänger und Orchester
In der Rolle des Sarastro strahlte Thomas Mehnert eine enorme Würde und Wärme aus. Die Partie, die durch ihre tiefe Lage eine Herausforderung an jeden Baß darstellt, füllte er mit voller Bruststimme perfekt aus. Mark Adler (Tamino) trat in klassischen Kniebundhosen auf, ganz ein Prinz aus edlem Hause. Sein Tenor klang durchweg warm, klar, sauber und natürlich, ohne übertriebene Verzierungen, wie sie sonst in den Arien des Tamino zu hören sind. David Pichlmaier als Papageno amüsierte das Publikum auf eine erfrischende Art. Sein Auftritt aus dem Zuschauerraum mit Rastalocken und grüner Lederjacke sorgte für viele Lacher, als er auf der Jagd nach einem Plüschhuhn beinahe in den Orchestergraben fiel. In dieser Rolle konnte er unter Beweis stellen, daß er sehr humorvoll agieren kann. Die Damen des Abends erbrachten durchweg eine glänzende gesangliche Leistung: Aki Hashimoto verkörperte natürlich und nachvollziehbar mit ihrer zierlichen Gestalt die Unschuld und auch Unsicherheit der jungen Pamina, die nicht weiß, ob Tamino sie liebt oder ob sie ihm oder ihrer Mutter folgen soll. Als Königin der Nacht brillierte Adréana Kraschewski im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr Auftritt in einer glitzernden Paillettenrobe unterstrich ihre Koloraturpartie optisch, die sie bravourös meisterte. Bei ihr saß jeder Ton auch in der schwierigen Arie Der Hölle Rache, für die sie laute Bravorufe erntete. Margaret Koenn (Papagena) spielte eine ausgesprochen erotische Genossin Papagenos in roten Lackschuhen und mit aufreizender Gestik. Ihre Stimme harmonierte gut mit der von David Pichlmaier, als beide mit ihrem Duett Pa-pa-pa humorvoll von der Bühne abgingen. Maria Gessler, Niina Keitel und Elisabeth Hornung (Drei Damen) sangen ordentlich, wobei aber leider Niina Keitel als Zweite Dame gegen die beiden anderen und gegen die Lautstärke des Orchesters unterlag. Kleine Schwächen in der Intonation und im Tempo zeigten die Drei Knaben Lukas Kober, Leonard Schneider-Strehl und Simon Völker, was aber sicherlich auf ihr Lampenfieber zurückzuführen war.
Dirigent Lukas Beikircher schaffte es mit großer Anstrengung, Solisten, Chor und Orchester zu vereinen. Die Einsätze in der Ouvertüre waren teils unsauber und nicht unisono, und es stellt sich die Frage, ob die Probenzeit wohl zu kurz war und nicht mehr Zeit in ein ausgefeiltes Zusammenspiel hätte investiert werden müssen.
Fazit
Bettina Geyer läßt mit ihrer Inszenierung viele Fragen offen, sie hält sich weder an ein festes Konzept, noch an eine bestimmte Stilrichtung, wie man es von anderen Aufführungen gewohnt ist. Aus Pausengesprächen läßt sich entnehmen, daß viele im Publikum mit der Inszenierung nichts anfangen können. Aber auch wenn die Inszenierung Schwächen hat, lohnt doch die gesangliche Darbietung einen Besuch der Darmstädter Zauberflöte.
Sophia Krüger

Bild: Barbara Aumüller
Das Bild zeigt: Margaret Rose Koenn (Papagena) und David Pichlmaier (Papageno)

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