Dialogues des Carmélites – Aachen, Stadttheater

von: Francis Poulenc (1899-1963), Oper in drei Akten, Libretto: Francis Poulenc, UA: 26. Januar 1957 Mailand, Teatro alla Scala

Regie: Ute M. Engelhardt, Bühne/Kostüme: Jeannine Cleemen, Moritz Weißkopf
Dirigent: Justus Thorau und das Sinfonieorchester Aachen
Solisten: Andrew Finden (Marquis de la Force), Suzanne Jerosme (Blanche), Alexey Sayapin (Chevalier de la Force), Katja Starke (Madame de Croissy), Katharina Hagopian (Madame Lidoine), Irina Popova (Mère Marie), Faustine de Monès (Soeur Constance)

Besuchte Aufführung: 15. April .2018 (Premiere)

Kurzinhalt

Frankreich während der französischen Revolution: aus Angst vor Übergriffen tritt die junge Blanche dem Karmeliterkloster bei und wird Nonne. Als Revolutionäre die Nonnen zwingen das Kloster zu räumen, bewegt Mère Marie die Schwestern dazu, sich für ihren Glauben zu opfern. Blanche bekommt Panik und flieht in ihr Elternhaus zurück. Mère Marie versucht sie zur Rückkehr zu überreden. Währenddessen werden die Ordensschwestern gefangen genommen und zu Tode verurteilt. Bei ihrer Hinrichtung singen sie gemeinsam, während eine nach der anderen hingerichtet wird. Blanche kehrt doch noch zu ihren Ordensschwestern zurück und wird zusammen mit Constance als letzte hingerichtet.

Aufführung

Die Bühne ist schlicht und sehr karg ausgestattet. Im ersten Akt ist ein grauer Flur zu sehen, in dessen Mitte ein quadratischer Kasten steht. Er stellt das Innere einer Bibliothek dar. Später zeigen zwei große, graue Betonklötze, die mit einem Kreuz angeleuchtet werden, die Kirche. Sie werden für die einzelnen Szenen gedreht und verschoben und zeigen abwechselnd die Kirchenmauern oder den Altarraum.

Die Kostüme sind ebenfalls schlicht und zurückhaltend: die Karmeliter-Schwestern tragen lilafarbene Ordensgewänder, die Vertreter des französischen Volkes buntgefärbte Alltagskleidung. Zum Ende der Oper fließen aber dann doch noch dramatische Effekte ein: aus dem quadratischen Kasten an der Decke fließt Blut auf die Bühne herunter, während den Karmeliter-Schwestern der Reihe nach ein Sack über den Kopf gestülpt wird.

Sänger und Orchester

Justus Thorau dirigiert das Orchester durchweg solide und sorgt für einen ausgewogenen Klang, der den Charakter der Oper hervorhebt. Leider gelingt es ihm nicht immer, die Lautstärke, besonders in den Bläsern, so auszugleichen, daß auch die Sänger immer gut zu hören sind.  Andrew Finden (Marquis de la Force) wirkt am Anfang durch Aspirieren etwas beim Singen gehetzt. Die Übergänge von hohen zu tiefen Tönen klingen durch das starke Vibrato in seiner rauen Baritonstimme nicht immer geschmeidig. Alexey Sayapin (Chevalier de la Force) überzeugt dagegen durch eine gewaltige, sehr helle Tenorstimme, die er besonders in der Höhe volumenreich zur Geltung bringt. Die Sorge um seine Schwester bringt er durch einen sehr gleichbleibenden Gesang im Mezzoforte zum Ausdruck, während er wie hypnotisiert in den Zuschauerraum starrt.

Die Sängerinnen sind durchweg sehr gut besetzt. Allen voran Suzanne Jerosme (Blanche), die mit ihrem klaren, „zerbrechlichen“ Sopran den Text sehr verständlich betont und dabei das Kindliche und Ängstliche ihrer Rolle hervorhebt. Besonders das sanfte Ansingen der Töne in der Höhe gelingt ihr mit viel Leichtigkeit und ohne zu viel Druck auszuüben. Eine Überraschung ist vor allem ihre Mitschwester Faustine de Monès (Soeur Constance), deren Sopran ein noch kühleres Timbre hat als der von Suzanne Jerosme und den sie besonders in den schnellen Läufen sehr behend einsetzt. Im Duett klingen beide engelsgleich, da sie sehr synchron singen und die hohen Töne sanft und gefühlvoll betonen. Katja Starke (Madame de Croissy) gelingt in ihrer Sterbearie ein dramatischer Höhepunkt. Ihre warme Altstimme erscheint sehr dunkel und in der Tiefe samtig, was ihr eine natürliche Autorität verleiht. In ihrem Todeskrampf sieht sie, wie das Kloster zerstört wird. Dabei betont sie die Töne in der Höhe sehr schrill und scheppernd, während sie sich zusammenkrümmt. Irina Popova (Mère Marie) verfügt über einen runden, sehr üppigen Sopran und wechselt oft von der Brust- in die Kopfstimme. Das Vibrato in ihrer Stimme übertrumpft hin und wieder ihren Gesang. Dafür gelingt es ihr die Mutter als ernste und gottergebene Dienerin schauspielerisch überzeugend darzustellen. Eine solide Leistung bringt auch Katharina Hagopian (Madame Lidoine), die ihren warmen Mezzo im Legato mit viel Würde ausstrahlt.

Absoluter Höhepunkt des Abends ist aber das Chorstück Salve Regina – Gegrüßet seist du, Königin. Hier klingt der Frauenchor makellos aufeinander abgestimmt. Besonders wird der große Spannungsbogen vom Pianissimo zum Fortissimo von den Sängerinnen bis zum Schluß gut durchgehalten. Besonders der Effekt des Zusammenschrumpfens des Chores wirkt sehr dramatisch: die hellen Stimmen intonieren sehr sanft, so daß zusammen mit dem Orchester ein sehr dichter Klangteppich erzeugt wird.

Fazit

Eine schöne Inszenierung, die die Musik von Poulenc und das Schauspiel ganz in den Mittelpunkt stellt. Die Inszenierung ist durchgehend auf die schauspielerische und gesangliche Leistung fokussiert. Da fehlt es auch nicht an zusätzlichen Bühnenelementen oder Effekten. Besonders die Hinrichtung ist sehr dramatisch inszeniert und entläßt Publikum und Sänger sichtlich emotional. Nach dem traurigen Gesang braucht das Ensemble eine Weile, um sich wieder zu fangen. Besonders großen Applaus gibt es für Suzanne Jerosme, Kaja Starke und Faustine de Monès.

Melanie Joannidis

Bild: Ludwig Koerfer

Das Bild zeigt: Faustine de Monès (Constance) und Susanne Jerosme (Blanche)

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