Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg – Wiesbaden, Hessisches Staatstheater

von Richard Wagner (1813-1883), Große romantische Oper in drei Aufzügen, Dichtung vom Komponisten, , UA: 10. Oktober 1845 Dresden, Königliches Hoftheater

Regie: Uwe Eric Laufenberg, Bühne: Rolf Glittenberg

Dirigent: Patrick Lange, Hessisches Staatsorchester, Opern- und Extrachor des Hessischen Staatstheaters, Choreinstudierung: Albert Horne

Solisten: Young Doo Park (Landgraf Hermann), Lance Ryan (Tannhäuser), Benjamin Russell (Wolfram), Aaron Cawley (Walther), Thomas de Vries (Biterolf), Joel Scott (Heinrich), Alexander Knight (Reinmar), Sabina Cvilak (Elisabeth), Jordanka Milkova (Venus), Stella An (Hirt), u.a.

Besuchte Aufführung: 19. November 2017 (Premiere)

Kurzinhalt

Der Minnesänger Tannhäuser hat lange Zeit im Venusberg zugebracht, dem legendären Zufluchtsort der Liebesgöttin. Tannhäuser verläßt sie, als er der erotischen Ekstase überdrüssig wird. Von seinen Freunden und künstlerischen Konkurrenten wird er überredet auf die Wartburg zu einem Sängerwettstreit zurückzukehren. Thema des Wettstreits ist das Wesen der Liebe. Der Preis wird von Elisabeth, der Tochter des thüringischen Landgrafen, vergeben, die Tannhäuser in Zuneigung ergeben ist. Während seines Gesangsbeitrags gesteht Tannhäuser jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths darf er sein Leben behalten. Man stellt ihm eine Bedingung: nach Rom zu pilgern und für seine Verfehlung beim Papst um Absolution zu bitten. Der aber überantwortet Tannhäuser der ewigen Verdammnis, vor der ihn das selbstlose Opfer Elisabeths rettet.

Aufführung

Im Prinzip handelt es sich um ein Einheitsbühnenbild, jedoch wird es sehr variabel an die drei Akte angepaßt. Links und rechts befindet sich eine hölzerne Panel-Wand. Auf der linken Seite kann man als Jagdtrophäen Hirschgeweihe aufhängen. Der Hintergrund kann als monumentale Fensterfront im Stile des Hitlerschen Berghofs dienen, oder als Projektionsflächen für Waldlandschaften, Schnee oder Feuer-Licht-Effekte. Im ersten Akt sitzen die Pilger auf Kirchenbänken, bevor Venus mit Ihrem Gefolge ein hocherotisches Bacchanal inszeniert. Danach verwandelt sich alles in eine Waldlandschaft, bevor es auf die Wartburg geht, die im Zeichen einer monumentalen Adler-Büste vor dem Fenster steht. Auf zwei parallelen Sitzreihen sitzen Vertreter des Deutschritterordens. Der dritte Akt ist eine Schneelandschaft, auf der ein weißes Kreuz liegt, Wolfram haust dort in einem kleinen Zelt.

Sänger und Orchester

Die ideale Besetzung der Titelrolle für den Tannhäuser zu finden, ist und bleibt schwierig. Lance Ryan verfügt zwar über die heldentenorale Durchschlagskraft, allein ihm fehlt das Standvermögen und öfters auch die Technik, um die vertrackten Sprünge in der Gesangslinie sauber zu treffen. Keine Probleme hat Sabina Cvilak den Dialog nach der Hallenarie der Elisabeth Oh Fürstin an sich zu reisen. Ihr stark fokussierender hochdramatischer Sopran klingt sicherer. Stille Andachtsmomente zeichnen das Gebet der Elisabeth Allmächtige Jungfrau nicht aus.

Jordanka Milkova – ein stimmlich sehr ausgewogener Mezzo – hat hingegen die anrüchige Verruchtheit, um eine teuflisch verführerische Venus zu gestalten. Thomas de Vries als Biterolf ist ein herrlicher Bariton mit schier unerschöpflicher Durchschlagskraft. Mit sicherer Tiefe durchaus ein Baßbariton, überzeugt er auch hinsichtlich Ausdruckskraft, stimmlicher Gestaltung und Reichweite in den oberen Registern. Benjamin Russell gelingt ein sehr einschmeichelnder Wolfram. Er verfügt über einen sehr beweglichen lyrischen Bariton, der die alle Stimmungslagen dieser Rolle auslotet. Young Doo Park gestaltet mit dem sicher durch alle Tiefen geführten hell timbrierter Baß den Landgraf Hermann als eine Führungsrolle auch wenn ihm etwas mehr Legatokultur gut getan hätte. Aaron Cawley kann den Kurzauftritt des Walther im Sängerkrieg aufregend gestalten, er verfügt über eine strahlende baritonale Mittellage, die Höhen erreicht er spielerisch leicht. Die größte Freude macht dem Publikum der Auftritt von Stella An als junger Hirt. Mit ihrer glockenklaren, technisch sicheren Höhe, die sich dennoch noch füllig anhört, bietet sie sich für höhere Weihen an.

Patrick Lange ist noch nicht lange GMD in Wiesbaden, aber mit dieser musikalischen Leitung verdient er den Ritterschlag. Seine Spielfassung orientiert sich an der Wiener-Fassung, zusätzlich ein längeres Bacchanal und Walther bekommt seinen Auftritt im Sängerkrieg. Das längere Bacchanal ist elegisch, nicht schwülstig und singt das Hohelied auf die Erotik. Schon das furiose Finale, das den Chor klanglich einrahmt ist bewundernswert. Und der verstärkte Chor kann aufgrund seiner harmonischen Einheit begeistern.

Fazit

Ein musikalischer Abend, der die Zuschauer in seinen Bann zieht. Sängerisch überzeugen sind besonders die vermeintlich kleinen Rollen, die sich stark einbringen. Das Orchester kennt genau die Stärken der Partitur und kann das Publikum mit den Orchesterstücken mitreißen. Laufenberg perfektioniert die Darstellung des Eros als Kunstform: Szenisch fesseln diese erotischen Bilder mit großer Ausstrahlungskraft, auch wenn sich die vielen Regieeinfälle nicht immer nahtlos aneinander reihen lassen. Stürmischer Applaus für die Produktion.

Oliver Hohlbach

Bild: Karl und Monika Forster

Das Bild zeigt: Solisten, Chor, Extrachor

Veröffentlicht unter Opern
Aida Triumphmarsch, live Arena di Verona