LAKMÉ – Coburg, Landestheater

von Léo Delibes (1836-1891), Oper in drei Akten, Libretto: Pierre Edmon Julien Gondinet und Philippe-Émile-François Gille, UA: 14. April 1883 Paris, Opéra-Comique (Salle Favart)

Regie: Francois de Carpentries, Bühne: Andreas Becker, Kostüme: Karine van Hercke

Dirigent: Alexander Merzyn, Philharmonisches Orchester und Opernchor (Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio)

Solisten: Ana Cvetkovic-Stojnic (Lakmé), Milen Bozhkov (Gérald), Verena Usemann (Mallika), Michael Lion (Nilakantha), Salomon Zulic del Canto (Frédéric), Anna Gütter (Ellen), Julia Da Rio (Rose), Gabriela Künzler (Mistress Bentson), Dirk Mestmacher (Hadji) u.a.

Besuchte Aufführung: 20. Mai 2016 (Premiere)

Coburg LakmeKurzinhalt

In dem von Großbritannien beherrschten Indien verlieben sich der britische Offizier Gérald und Lakmé einem zufälligen Zusammentreffen. Lakmé ist die gottgeweihte Tochter Nilakanthas, eines Bramanen, der gegen die britische Herrschaft kämpft. Gegenüber Gérald schwört Nilakantha Rache, da er als Ausländer sein Heiligtum entweiht hat. Um Gérald anzulocken, läßt Nilakantha bei einem Volksfest seine Tochter alte indische Legenden vorsingen, bis sie erschöpft zusammenbricht. Gérald, der in der Menge zugehört hatte, wird von dem Bramanen verwundet. Lakmé und Gérald fliehen in den Dschungel. Dort findet ihn sein Kamerad Frédéric, der ihn auffordert, in die Kaserne zurückzukehren, das Regiment breche auf. Als Lakmé das erfährt, kaut sie eine giftige Blume, bevor sie mit Gérald gemeinsam den Becher heiligen Wassers leert, der ihre Union besiegelt – und ihn für ihren Vater unantastbar macht.

Aufführung

Die Bauteile des Bühnenbildes sind auf einer Drehbühne montiert: schmale oder breite Bretter, kreuzweise vernagelt, bilden Trennwände, enthalten Türen oder Fenster, Öllampen hängen herum. Treppenrampen bilden Zugänge zu Räumen, durch eine kurze Drehung steht man auf dem Wochenmarkt, Händler wuseln herum, bieten aus Körben Obst und Gemüse feil. Grell-buntes Licht sorgt für asiatische Stimmung. Die Kostüme entstammen der zeitlosen indischen Folklore, die „häßlichen“ englischen Touristen tragen gängige britische Tageskleidung.

Sänger und Orchester

Ganz bewußt hat Léo Delibes zwei verschiedene Stile verwendet: die Rollen der Engländer sind eher im Parlando (die ursprünglich gesprochenen Dialoge wurden dadurch ersetzt), die Rollen der Inder hingegen sind gewichtiger und lyrischer komponiert. Um seine Liebesbeziehung glaubhaft zu machen, durfte Gérald alsbald ins Lyrische wechseln.

Milen Bozhkov wird der Rolle des Liebhabers gerecht – so wie man es erhofft: strahlend hell, mit weichem Timbre und mit viel lyrischem Schmelz in der Kehle. Auch als französischer Haustenor klingt er sicher in den Höhen, agiert mit schwereloser Leichtigkeit und Durchschlagskraft. Ana Cvetkovic-Stojnic ist die ideale Darstellerin der Lakmé. Sie verfügt über eine leuchtende und durchschlagsstarke Stimme. Die hohen Töne der Glöckchenarie schafft sie mit Kraft und Nachdruck. In den lyrischen Passagen im piano des Blumenduetts ergänzt sie sich harmonisch mit Verena Usemann, die für die Mallika die ideale jugendlich-naive und glasklar-leichte Darstellerin ist. Michael Lion ist der erfahrene Baßbariton des Hauses, der den Nilakantha mit großem Volumen als mächtigen, aber wenig liebevollen Vater gestaltet. Salomon Zulic del Canto ist kurzfristig als Frédéric eingesprungen und läßt mit großer Stimme aufhorchen. Dirk Mestmacher ist als Spieltenor ein serviler gelenkiger Diener und Anna Gütter, hat wegen der etwas hart fokussierenden, nachdrücklichen, jugendlich leichten Soubretten-Stimme wenig Chancen bei Gérald, obwohl sie verlobt sind. Die musikalische Leitung des Alexander Merzyn ist passend zum Werbespot: stringent und zielgerichtet, farbenreich und mitreißend. Die französischen Klangwolken kommen gut zum Zuge: transparent, aber hart und immer mitfühlend.

Fazit

Lacmé gehört in die Reihe jener exotischen Bühnenwerke der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie z.B. Bizets Perlenfischer oder Meyerbeers Afrikanerin aber auch Puccinis Madame Butterfly etwas später. Wegen des britisch-französischen Kolonialkonflikts in Indien hatte die Oper auch politisches Gewicht. Dieser wird hier aktuell kurz gestreift, aber die Liebesbeziehung im Aufprall der Kulturen steht im Mittelpunkt und wird so bildgewaltig stimmig in Szene gesetzt, daß sich jede indische Marketingagentur die Hände reiben dürfte. Das Blumenduett wird hier stimmig zu einem Werbetrailer für Indien. Die Ballett-Einlage im zweiten Akt könnte jedem Folklore-Film entnommen sein. Auch musikalisch ist das gesamte Ensemble positiv zu nennen und ist nicht nur wegen der Glöckchenarie der Lakmé ein Genuß. Eine Produktion, die erfreulicherweise ein durchwegs positives Echo des Publikums erfährt!

Oliver Hohlbach

Bild: Andrea Kremper

Das Bild zeigt. Liebestod, Ana Cvetkovic-Stojnic (Lakmé)

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