IDOMENEO, RÉ DI CRETA – Essen, Aalto-Theater

von W.A. Mozart (1756-1791), Dramma per Musica in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco nach Antoine Danchets Idoménée, UA: 29. Januar 1781, München, Hoftheater

Regie: Francisco Negrin, Bühne: Tobias Hoheisel, Video: Joan Rodón, Licht: Christian Sierau, Dramaturgie: Alexander Meier-Dörzenbach

Dirigent: Tomas Netopil, Choreinstudierung: Alexander Eberle,

Solisten: Eric Cutler (Idomeneo), Michaela Selinger (Idamante), Simona Saturnová (Elektra), Julia Kleiter (Ilia), Michael Smallwood (Arbace), Albrecht Kludszuweit (Oberpriester des Poseidon), Baurzhan Anderzhanov (Die Stimme des Orakels), Michael Breitkreuz (Neptun), Kreterinnen und Kreter:Younghui Seong, Marion Thienel, Sang Yun Lee, Michael Kunze, Trojaner: Arman Manukyan, Harald Wittkop, Statisterie des Aalto-Theater, Opernchor des Aalto-Theaters, Essener Philharmoniker

Besuchte Aufführung: 29. November 2014 (Premiere)

Essen_IdomeneoKurzinhalt
König Idomeneo gerät in einen Seesturm und verspricht in seiner Not dem Gott Neptun, den ersten Menschen, den er an Land trifft, zu opfern. Entsetzt stellt er nach seiner Rettung fest, daß es sich bei diesem Menschen um seinen Sohn Idamante handelt, der am Strand auf ihn gewartet hat. Von Schmerz geplagt weigert sich Idomeneo, seinen Sohn zu opfern, doch ein starker Sturm zeugt von Neptuns Ärger und setzt Idomeneo unter Druck. Ilia, eine gefangene trojanische Prinzessin, die sich in Idamante verliebt hat, bietet sich als Opfer an. Doch im letzten Augenblick verkündet ein Orakel, Neptun verzichte auf sein Opfer und Idomeneo solle zugunsten seines Sohnes abdanken.

Aufführung
Das Bühnenbild ist einem großen Schiffsdeck nachempfunden: Der Boden besteht aus groben Holzplanken, die an einigen Stellen geborsten sind und sich nach oben biegen. Auch an den Wänden stehen lose Holzplanken. Eine Hauskonstruktion mit vier kleinen, offenen Zimmern kann von unten ins Blickfeld des Publikums gefahren werden; sowohl in den Zimmern als auch auf dem Dach, das man durch eine Treppe betreten kann, erfolgt das Bühnengeschehen. Während der Sturm tobt werden von der Decke viele große Felsbrocken heruntergelassen. Zwischenzeitlich ist der Boden mit unterschiedlich bestickten Teppichen geschmückt.

Die Trojaner tragen unterschiedliche und unauffällig praktische Arbeitskleidung in Grüntönen, während die Kleidung der Griechen in Blau gehalten ist. Idomeneo erscheint ebenfalls in Arbeitskleidung mit dunkler Hose und cremefarbenem Hemd, zwischenzeitlich kleidet ihn ein Königsmantel. Idamante zeigt sich meist in blauem Anzug mit weißem Hemd. Elektra zeigt sich mit einer schwarzen Strickjacke und einer schwarzen Hose. Ilia hat zunächst eine typisch trojanische Kleidung an, wechselt aber zu einem weißen Kleid.

Sänger und Orchester
Das gesamte Ensemble bot eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufführung. Schon bei der Ouvertüre arbeiteten die Essener Philharmonikern unter Tomas Netopil viele Höhepunkte dieser herrlichen Musik heraus. Dabei konnte man die verschiedenen Motive sehr deutlich erfassen und zwar so, daß man sie bei Wiedererscheinen im weiteren Verlauf der Oper mit Freude wiedererkannte. Eric Cutler (Idomeneo) erbrachte eine sowohl darstellerisch wie auch gesanglich einzigartige Vorstellung, indem er mit seiner wandlungsfähigen Stimme die einzelnen Charakterzüge von Idomeneo eindrucksvoll verdeutlichte. Durch das Orchester nicht etwa zugedeckt, sondern aufmerksam unterstützt, konnte er sich als Solist hervorragend präsentieren. Auch Michaela Selinger (Idamante) meisterte die ihr gestellte Aufgabe als Sopran in einer „männliche Rolle“ vorzüglich: von sehr weichem und hellem bis hart und heldenhaftem Stimmausdruck gelang es ihr, dem jungen Prinzen die notwendige Charaktereigenschaften zu geben. Besonders hervorzuheben sei hier noch ihre souveräne Sicherheit, trotz ihrer ausgedehnten  Bewegungsaktionen. Simona Saturnová (Elektra) und Julia Kleiter (Ilia) boten einen herrlichen Gegensatz, ganz den jeweiligen Rollen gerecht werdend. Saturnová bot darüber hinaus nicht nur einen runden und warmen Klang, sondern konnte ihrer Stimme neben verzweifeltem Jammern einen schwelgerischen Ausdruck verleihen. Doch konnte sie dann und wann allerdings nicht verhindern, daß ihre etwas leise Stimme im Duett von ihrer Partnerin Kleiter überdeckt wurde. Letztere besaß eine helle, obertonreiche Stimme, die der Rolle der Ilia etwas sehr reines und Mädchenhaftes verlieh. Lobenswert ist außerdem daß sie sich sehr gut in den Ensembleklang einfügen konnte. Der Chor des Aalto-Theaters schaffte es, die Solisten in einer gut abgemischten Form zu unterstützen und bot einen runden, gut zum Orchester passenden Klang.

Fazit
Das Ensemble des Aalto-Theaters hat es geschafft, eine stimmige und bewundernswerte Aufführung zu schaffen. Vom Publikum wurde es dementsprechend belohnt.

Sarah Heemann

Bild: Bettina Stoess

Das Bild zeigt: Julia Kleiter (Ilia) li. , Michaela Selinger (Idamante) re.

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