TRISTAN UND ISOLDE – Bonn, Oper

von Richard Wagner (1813-1883) Handlung in drei Aufzügen, Libretto: R. Wagner, nach Gottfried von Straßburgs (1210), UA: 10. Juni 1865 München, Königliches Hof- und Nationaltheater
Regie: Vera Nemirova, Bühne/Kostüme: Klaus W. Noack
Dirigent:  Stefan Blunier, Beethoven Orchester, Bonn Herrenchor, Choreinstudierung: Sibylle Wagner
Robert Gambill (Tristan), Sabine Hogrefe (Gesang Isolde), Dara Hobbs (Darstellerin Isolde), Martin Tzonev (König Marke), Mark Morouse (Kurwenal), Giorgos Kanaris (Melot), Daniela Denschlag (Brangäne)
Besuchte Aufführung: 28. April 2012, Premiere (deutsche Übertitel)

Kurzinhalt
Der Ritter Tristan führt die irische Prinzessin Isolde, deren Verlobten Morold er einst im Zweikampf getötet hat, seinem Onkel König Marke als Braut zu. Auf der Überfahrt nach England verlangt Isolde Sühne für Morolds Tod: Sie fordert Tristan auf, gemeinsam mit ihr Gift zu trinken. Brangäne hat jedoch das Gift heimlich gegen einen Liebestrank ausgetauscht. So entbrennen Tristan und Isolde in heftiger Leidenschaft füreinander. Isolde heiratet zwar König Marke, trifft sich aber mit Tristan. Melot verrät die Liebenden und verwundet Tristan schwer – Kurwenal verbringt den Verletzten in seine Burg Kareol. Tristan stirbt jedoch bei Isoldes Ankunft. Als Konsequenz ihrer Liebe folgt Isolde ihm in den Tod.

Aufführung
Die Bühne ist in dunklen Blau- und Grauentöne gehalten, ein Segelkreuz deutet den Aufenthaltsort auf dem Schiff an, in der Mitte der Bühne steht ein weißes Metallbett. Oben ist ein Sternenhimmel vor einer in Stücke zerbrochenen schwarzen Decke zu sehen. Ein großer Stern, der an einen Meteorit erinnert, dominiert. In einer großen Plastiktrinkflasche steht der Liebestrank bereit. Im zweiten und dritten Aufzug steht das Bett in einem Glashaus, das an ein Treibhaus erinnert. Dort spielt sich die Liebesbegegnung von Tristan und Isolde ab. Ihr gegenseitiges Begehren wird als Schreibmanie dargestellt: Sie schreiben auf die Glasscheiben, Tristan diktiert Isolde seinen gesungenen Texte, den sie gierig aufschreibt und schließlich schreiben sie immer wieder ihre eigenen Namen auf Arme und Beine. Als das Glashaus im dritten Aufzug zum Ort des Sterbens wird, ist es mit grünen Pflanzen ausstaffiert. Die Kostüme sind unauffällig bis auf das von Isolde anfangs getragene Brautkleid. Die Herren tragen uniformähnliche, grauen Anzüge. Die Helfer Markes kommen mit Kampfwesten und Schußwaffen ausgestattet nach Kareol.

Sänger und Orchester
Obwohl die wegen Krankheit indisponierte Dara Hobbs nur auf der Bühne agieren konnte, während Sabine Hogrefe vom Bühnenrand aus ihre Partie der Isolde sang, wirkte die Partie wenig zerrissen, da Hogrefe sehr guten Blickkontakt mit dem Dirigenten hatte und sich bravourös ins Ensemble integrierte. Die erfahrene Wagner-Sängerin beeindruckte mit makelloser Gestaltung der großen dramatischen Partie. Ihr Mezzoklang ist wohltimbriert und ihre glockenreine Höhe, beeindruckte bis zum Schluß. Bei dem hervorragend deutsch artikulierenden Amerikaner Robert Gambill , der vor allem im Schluß-Aufzug mit enormer Strahlkraft bravourös glänzen konnte, hatte man jedoch den Eindruck, daß er sich vor dem Finale, sinnigerweise, etwas zurückgehalten hatte. Mark Morouse brachte für den Kurwenal mit seinem Heldenbariton die notwendige Tiefe und ausgeglichene Mitte mit. Martin Tzonev interpretierte mit profunder Tiefe und Volumen die Partie des Marke. Nicht zu vergessen das dunkle Timbre im Mezzo von Daniela Denschlag in der großen Partie der Brangäne.  Giorgos Kanaris charakterisierte mit seinem sehr differenziert geführten Bariton den Bösewicht Melot.  Das Beethoven Orchester unter Stefan Blunier gab Wagners Musik sehr akribisch wider, die leisen Anfangstöne des Vorspiels ebenso, wie das große Englischhornsolo im dritten Aufzug, nicht zu vergessen die dominierenden dramatischen und stark besetzten Klangexzesse, die sich stets differenziert durch die ganze Oper zogen.

Fazit
Musikalisch eine bis in die kleineren Rollen und den Chor genau gearbeitete Aufführung, die auf der Basis des von Stefan Blunier vorbildlich geführten Orchesters stand. Vera Nemirova (Regie) versetzte die anfangs durch Rachsucht, dann durch den Liebestrank quasi in eine andere Welt entrückte Geschichte von Tristan und Isolde in die Atmosphäre eines Treibhauses. Der Titel eines Wesendonck-Liedes Im Treibhaus, von Wagner als Vorstufe zur Oper bezeichnet, mag die Idee initiiert haben? Im Treibhaus wird der Wahnsinn der Liebe bis hin zum Tod dargestellt, wenn auch  in der auf Dauer etwas enervierenden Schreibmanie der beiden. Wenig schlüssig und provokant war der fast verschwenderische Umgang, auch großzügiges Verschütten, des in einer riesigen Flasche vorhandenen Liebestranks.

Felicitas Zink

Bild: Thilo Beu

Das Bild zeigt: Dara Hobbs (Isolde), Robert Gambill (Tristan)

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