GÖTTERDÄMMERUNG – Mannheim, Nationaltheater

von Richard Wagner (1813-1883) Dritter Tag des Ring des Nibelungen, Libretto: R. Wagner, UA: 17. August 1876 Bayreuth, Festspielhaus

Regie/Bühne/Kostüme/Lichtkonzept: Achim Freyer, Dramaturgie: Tilman Hecker

Dirigent: Dan Ettinger, Orchester des Nationaltheater Mannheim, Choreinstudierung: Tilman Michael

Solisten: Jürgen Müller (Siegfried), Thomas Berau (Gunther), Christoph Stephinger (Hagen), Thomas Jesatko (Alberich), Eva Johannsson (Brünnhilde), Cornelia Ptassek (Gutrune), Edna Prochnik (Waltraute) u.a.

Besuchte Aufführung: 22. März 2013 (Premiere)

Kurzinhalt

Siegfried schenkt Brünnhilde zum Abschied, als Zeichen seiner Treue, den Ring des Nibelungen und macht sich auf zu neuen Taten. Auch Hagen lockt der Ring. Am Gibichungenhof plant dieser, Gunther mit Brünnhilde und Gutrune mit Siegfried zu verheiraten, um so an den Ring zu gelangen. Siegfried kommt nach Gibichungen. Hagen flößt ihm einen Zaubertrank ein, der ihn Brünnhilde vergessen und stattdessen Gutrune begehren läßt. Um sie heiraten zu können, verspricht er Gunther Brünnhilde zur Frau. Mithilfe des Tarnhelms bezwingt Siegfried in Gunthers Gestalt die verstörte Brünnhilde, raubt ihr den Ring und bringt sie zu Gunther. Doch noch vor den Hochzeitsfeierlichkeiten erkennt Brünnhilde in Siegfried den Räuber und Betrüger. Hagen rächt die Verzweifelte und tötet Siegfried bei einer gemeinsamen Jagd. Doch bevor Hagen den Ring an sich nehmen kann, erscheint Brünnhilde, übergibt den Leichnam Siegfrieds den Flammen und folgt ihm in den Tod. Die Fluten des Rheins bringen den Ring an seinen Ursprung zurück; der Götterhort Walhall wird von dem Feuer erfaßt.

Aufführung

Der Vorhang ging auf und man erblickte eine durch Spiegel geschaffene Glitzerwelt, denn Bühnenboden und Seitenwände waren eine einzige Spiegelfläche. Im Fokus der Aufmerksamkeit stand die unaufhörlich rotierende Drehbühne, auf der die Protagonisten der Oper agierten. Ansonsten gab die Bühne Raum für die schrillen Kostüme. Siegfried steckte – wie schon in den vorherigen Ringteilen – in einem Clownkostüm. Hagen erinnerte an einen Zirkusdirektor auf Stelzen. Die Gibichungen, Gunther und Gutrune sowie deren Gefolge, wurden durch riesige Masken über ihren Köpfen unkenntlich gemacht. Brünnhilde erschien in einem vergleichsweise schlichten, roten und nach ihrem Kampf mit Siegfried/Gunther in einem schwarzen Kleid. Spielte sich die Handlung am Gibichungenhof ab, wurde die moderne Warenwelt in Form von Werbeslogans oder Billigpreisangeboten an Hinterwand und Vorhang projiziert. Die Apokalypse am Ende des Rings blieb in Mannheim aus. Im letzten Bild blickte Hagen auf die leere Bühne und das Publikum konnte sich selbst in der spiegelnden Hinterwand betrachten.

Sänger und Orchester

Viereinhalb Stunden Wagner singen und spielen ist eine Herausforderung, die Stimme und Konzentration stark beansprucht. Leider hörte man dies dem Mannheimer Ensemble an. Jürgen Müller (Siegfried) und Cornelia Ptassek (Gutrune) wurden schon vor der Veranstaltung wegen Grippe entschuldigt. Zunächst war diese Unpäßlichkeit kaum hörbar. Müllers Tenor war vielleicht nicht ganz so nuancenreich, dafür sehr präsent und klar. Die auferlegte Clownrolle interpretierte er stimmlich als jugendlich naiv. Die tiefen Passagen gingen ihm leicht von den Lippen. Umso bedauerlicher war es deshalb, daß zu Ende des zweiten Akts die der Grippe geschuldeten Einschränkungen doch noch zu hören waren. Auch Eva Johanssons (Brünnhilde) war die Anstrengung anzumerken. Zunächst füllte ihr dramatischer Sopran die Rolle mit all ihrer Verzweiflung und Autorität perfekt aus, die Stimme war gut konturiert und auch in den Höhen verständlich. Doch gerade im zweiten Aufzug mußte sie die hohe Lage stark forcieren, was weder der Textverständlichkeit, noch der dynamischen Gestaltung zugute kam. Mit Christoph Stephinger hat Mannheim einen sehr guten Hagen gefunden. Stimmlich wie darstellerisch nahm man ihm sein kontrolliert intrigantes Verhalten ab. Sein Baß war mal schmeichlerisch weich und rund, mal schneidend kühl. Nur selten zeigten einige technische Wackler, wie anspruchsvoll auch diese Partie ist. Thomas Berau (Gunther) und Cornelia Ptassek (Gutrune), besaßen stimmliche Durchschlagskraft, wirkten zeitweise aber etwas blaß. Edna Prochnik (Waltraute) zog den Hörer in den Bann. Sie beherrschte alle Lagen der Partie und konnte so das verzweifelte Flehen der Walküre gut gesanglich und schauspielerisch darstellen. Auch das Mannheimer Orchester unter Dan Ettinger erspielte sich den frenetischen Applaus des Publikums. Gerade der erste Aufzug klang schön transparent und klar, sehr symphonisch traten einzelne Orchestergruppen gegen- und miteinander an. Gut war auch das Zusammenspiel mit den Sängern, die nie übertönt wurden. Doch manchmal – besonders gegen Ende – geriet das Klangbild allzu breit und fad. Da waren keine dynamischen Schattierungen mehr zu hören, die die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich gezogen hätten.

Fazit

Das große Mannheimer Ring-Projekt hat nun auch seine letzte Premiere hinter sich. Sie zeigte interessante Ansätze und schöne musikalische Momente, die aber leider nicht die gesamten viereinhalb Stunden zu füllen vermochten. Achim Freyers Inszenierung war durchdacht, anspielungsreich und trotzdem verständlich. Seine Bildwelten luden zur visuellen Entdeckungsreise ein, erfüllten dann aber rasch ihre Funktion. Zwischendurch schienen dem Regisseur die Ideen ausgegangen zu sein, wie man den kompletten Bühnenraum bespielen kann. Vom Publikum gab es einige Buh-Rufe.

Jelena Rothermel

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: Cornelia Ptassek (Gutrune), Jürgen Müller (Siegfried), Thomas Berau (Gunther), Christoph Stephinger (Hagen) v.l.n.r.

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