POLIUTO – Zürich, Opernhaus

von Gaetano Donizetti (1797-1848), Tragedia lirica in drei Akten, Libretto: Salvatore Cammarano nach der Tragödie Polyeucte von Pierre Corneille, UA: 1848 Neapel, Teatro San Carlo

Regie: Damiano Michieletto, Bühne: Paolo Fantin, Kostüme: Carla Teti, Licht: Martin Gebhardt

Dirigent: Nello Santi, Orchester der Oper Zürich, Chor der Oper Zürich, Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger

Solisten: Massimiliano Pisapia (Poliuto), Fiorenza Cedolins (Paolina), Massimo Cavalletti (Severo), Riccardo Zanellato (Callistene), Jan Rusko (Nearco), Boguslaw Bidzinski (Felice, Paolinas Vater), Aaron Agulay (ein Christ)

Besuchte Aufführung: 6. Mai 2012 (Premiere, schweizerische Erstaufführung)

Kurzinhalt

Die Handlung findet um das Jahr 250 zur Zeit der römischen Besetzung Armeniens statt. Während einer heimlichen Christenversammlung in den Katakomben möchte der adlige Armenier Poliuto sich taufen lassen. Seine Frau Paolina, die Tochter des Gouverneurs Felice, kommt ihm auf die Schliche. Sie hat Angst daher um sein Leben. Der von Paolina totgeglaubte Severo, Prokonsul und ihr früherer Geliebter, kehrt zurück und führt die römische Verfolgungsmacht gegen die Christen. Der Hohepriester Callistene richtet ein Treffen für Paolina und Severo ein. Poliuto fürchtet, daß seine Frau Paolina untreu ist. Das ist jedoch nicht der Fall, denn Paolina bleibt treu, obwohl Severo ihr gegenüber seine Gefühle offenbart hat. Der festgenommene Christ Nearco bleibt standhaft, obwohl er vor allen Beamten gefoltert wird, da er keinen Christen verrät Als Poliuto sich selbst den Gesetzeshütern stellt, versucht Paolina bei Severo für ihren Gatten Gnade zu erwirken und scheitert. Sie geht an der Seite ihres Mannes mit in den qualvollen Tod der Löwenarena.

Aufführung

Die Bühne von Paolo Fantin öffnet sich zu einem dunklen Raum, der mit acht grün bekleideten, menschengroßen und in einer gleichen Pose erstarrten Puppen dekoriert ist. Metallschränke, beleuchtete Rohre, dunkelblaue Folie, schwarze Wände sollen unterirdische Industriebauten nachahmen. Der Chor ist meist grün gekleidet. Im schwarzgrauen Anzug und weißem Hemd mit grüner Krawatte erscheint Poliuto. Paolinas trägt ein hellblau geblümtes Kleid. Zwischendurch legen die Chormitglieder ihre Kleidung ab und zeigen ihre nackte Haut. Sie waschen sich und übergießen sich mit dem Wasser aus Wasserkanistern. Das letzte Bild zeigt die an den Händen oben auf die Balken gebundenen, stehenden Gefangenen in einem unterirdischen mit Plastikfolie drapierten Gang, welcher spektakulär hinaufführt. Optisch erinnert dies an Gefängnissen Afghanistans. Ein Gefangener ist ganz entkleidet, seine Haut ist mit Blut beschmiert, es liegen blutige Körperteile von Puppen umher. Kurz vor der Hinrichtung zieht Paolina ihr hellblaues Kleid aus und übergießt sich mit Blutfarbe aus einem Wasserkanister.

Sänger und Orchester

Die Chöre klangen zart und gut koordiniert hinter der Bühne sowie stark und eindrücklich im Vordergrund. Unter der Leitung des Nello Santi spielte das Orchester der Oper Zürich die Ouvertüre besonders einfühlsam und mit leuchtenden Partien der Instrumentengruppen. Später jedoch steigerte es die Lautstärke und kam in für Donizetti ungewöhnliche Bereiche hinein. Das Sängerensemble steigerte die Lautstärke immer mehr. Man konnte über das stimmlich Machbare staunen. Vor allem setzte sich Massimiliano Pisapia (Poliuto) mit seiner mächtigen Stimme deutlich durch. Die Darbietung ist ihm in Dir la parola – Es läßt sich nicht in Worte fassen nahezu makellos gelungen. Die Stimme war geschmeidig angenehm, aber übertrieben laut, jedoch öfter im Fluß unterbrochen um Atem für die außerordentlich langen Töne zu holen, besonders im ersten Akt. Die einzige Vertreterin der Weiblichkeit war Fiorenza Cedolins alsPaolina, welche sie sehr lebendig spielte. Diesmal hatte ihre sonst klare Stimme eine leicht metallische Farbe, vermutlich wegen der Klangmasse im Orchestergraben. Massimo Cavalletti konnte als Severo mit einem differenzierten Klang die Sympathie des Publikums gewinnen. Ein hartnäckig trübes Wesen als Callistene präsentierte der stimmlich sichere Riccardo Zanellato mit seinem weich tönenden Baß.

Fazit

Die Aufführung war zeitweise ergreifend und das Publikum würdigte schon nach der Ouvertüre die Leistung des Dirigenten und des Orchesters mit einem feurigen Applaus. Es geizte nicht mit warmem Beifall für die Sänger und den Chor. Das Regie-Team bedachte das Publikum mit Buh-Rufen. Grund dafür waren möglicherweise der nackte Körper, oder die düsteren Bilder und Deutungen. Vielleicht waren dieses von anderen Werken beeinflußt wie dem  Film Brazil von Terry Gilliam, denRomane 1984 von George Orwell sowie Brave New World von Aldous Huxley.

Ruta Akelyte Hermann

Bild: Suzanne Schwiertz

Massimiliano Pisapia (Poliuto) Bildmitte, Fiorenza Cedolins (Paolina), Bildrechts

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