DER BARBIER VON SEVILLA – Hannover, Staatsoper

von Gioachino Rossini (1792-1868). Melodramma buffo in 2 Akten, Libretto: Cesare Sterbini nach Beaumarchais’ Le Barbier de Séville, UA 20. Februar 1816 Rom, Teatro Torre Argentina

Regie: Alexander Charim; Bühne/Kostüme: Ivan Bazak; Dramaturgie: Katharina Ortmann, Licht: Peter Hörtner

Dirigentin: Ivan Repušić; Chor: Dan Ratiu; Niedersächsisches Staatsorchester Hannover; Herrenchor der Staatsoper Hannover

Solisten: Sung-Keun Park (Graf Almaviva), Jin-Ho Yoo (Figaro), Frank Schneiders (Bartolo), Monika Walerowicz (Rosina), Tobias Schabel (Don Basilio) u.a.

Besuchte Aufführung: 21. Januar 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

Graf Almaviva will Rosinas Herz gewinnen. Dafür muß er aber erst seinen Konkurrenten Bartolo überlisten, der sein Mündel Rosina heiraten will. Durch Figaros Hilfe gelingt es Graf Almaviva, auf unterschiedlichste Weise in Rosinas Nähe zu kommen: er tarnt sich als Student Lindoro, steckt ihr als betrunkener Soldat einen Liebesbrief zu und gewinnt als Musiklehrer schließlich ihr Herz. Ein Fluchtversuch der Liebenden scheitert, weil Bartolo davon erfährt. Als Bartolo Rosina deswegen schnellstmöglich heiraten will, besticht Graf Almaviva den Notar, der die Eheschließung durchführen soll. Statt dessen verheiratet dieser das Liebespaar.

Aufführung

Die Bühne bietet sich so dar wie sie ist – schwarz, Bühnengerüste an der Decke, der Notausgang und ein einsamer Scheinwerfer, dessen Kegel sich seinen Weg durch die Dunkelheit bahnt. Nachdem sich der Vorhang ein weiteres Mal öffnet, hat sich nicht viel verändert: einzig eine drehbare Wand mit einer eingelassenen Drehtür stellt die Szenerie dar. Wie an einem Kalender hängen an dieser Wand große Papiere, die man abreißen kann. Das Abreißen erledigen die Darsteller und so sieht man auf den Papierseiten nacheinander eine spanische Gasse, ein Hochzeitsfoto von Rosina und Bartolo und Bartolo, wie er bei dem Barbier auf dem Friseurstuhl sitzt und vom Rasieren blutet. Mal verstecken sich Graf Almaviva und Figaro hinter den großen abgerissenen Papierfetzen, mal bemalt Graf Almaviva sie mit seiner Vorstellung von Rosinas nacktem Körper (Oberweite und Schambehaarung vergißt er dabei ebenfalls nicht). Auch Graf Almavivas Gitarre wird nur angedeutet und auf einen Papierfetzen gemalt. Die Bühne wird auch auf den Zuschauerraum ausgeweitet, so daß Rosinas erster Auftritt auf ihrem Balkon im ersten Rang geschieht. Die Kostüme sind schlicht gehalten: Anzüge und Trenchcoats für die Männer, einzig Rosinas orangener Mini mit Strapsen und Stiefeln stechen heraus. Der Chor tritt wie eine Horde Mafiosi auf – Wo sind wir? In Italien oder Spanien?

Sänger und Orchester

Das Niedersächsische Staatsorchester Hannover unter der Leitung von Ivan Repušić treibt die Handlung präzise und mit exakten Einsätzen voran, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die abwechselnden Stimmungen von Komik und Liebesmüh werden musikalisch umgesetzt. Sung-Keun Park (Graf Almaviva) und Jin-Ho Yoo (Figaro) gestalten ein perfekt eingeschworenes Zweiergespann – es ist äußerst komisch, wie sie auf einmal Koreanisch miteinander reden, und dies auch auf Koreanisch im Übertitel angezeigt wird. Auch gesanglich ergänzen sie sich perfekt: ein sanfter Tenor mit starken Höhen und exakten Koloraturen und ein Bariton, dem Figaros Arie mit Leichtigkeit gelingt: M’adatto a far piacere. Oh che vita, che vita! Oh che mestiere! – Was für ein schönes Leben für einen Barbier wie mich. Monika Walerowicz als Rosina verkörpert mit ihrem Gesang, was das Libretto ihr vorgibt: Io sono docile, son rispettosa, sono obbediente, dolce, amorosa. – Ich bin sanft, bin treu, bin liebevoll und fügsam. Noch dazu singt sie mit ausdrucksstarker Energie, in der sich spanisches Temperament und Männerverführung paaren – ihre Stimme ist kraftvoll, klar und zu jederzeit im Vordergrund..
Fazit

Das nicht vorhandene Bühnenbild der Komödie Der Barbier von Sevilla hat zum Nebeneffekt, daß die Spielfreude des Ensembles und der Gesang umso mehr Platz zur Entfaltung finden. Einige Fragen bleiben unbeantwortet: Warum schneit es in Sevilla? Und warum geht an einer Stelle ein ohrenbetäubender Alarm los, so daß ein Chaos entsteht, das sogar die Buchstaben des Übertitels herunterfallen läßt? Das Publikum belohnt die Sänger mit anerkennendem Applaus, doch macht sich teilweise auch etwas Unzufriedenheit über die Inszenierung bemerkbar.

Frederike Arns

Bild: Jörg Landsberg

Das Bild zeigt : Monika Walerowicz (Rosina), Frank Schneiders (Bartolo), Sung-Keun Park (Graf Almaviva) und Jin-Ho Yoo (Figaro), v. l. n. r.

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