L’ELISIR D’AMORE – DER LIEBESTRANK – Erfurt, Theater

von Gaetano Donizetti (1797-1848), Oper in zwei Akten, Text von Felice Romani, UA: 12. Mai 1832, Mailand, Teatro della Canobbiana

Regie: Guy Montavon, Bühne/Kostüme: Hank Irwin Kittel

Dirigent: Walter E. Gugerbauer; Philharmonisches Orchester Erfurt, Opernchor des Theater Erfurt, Einstudierung: Andreas Ketelhut

Solisten: Valentina Farcas (Adina), Richard Carlucci (Nemorino), Peter Schöne (Belcore), Juri Batukov (Dulcamara), Anna Buschbeck (Gianetta)

Besuchte Aufführung: 8. Mai 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Der arme und schüchterne Nemorino ist in die reiche Adina verliebt. Doch diese wird von dem arroganten Sergeant Belcore erfolgreich umworben. Eines Tages erscheint der Wunderdoktor Dulcamara im Dorf und Nemorino bittet diesen um einen Liebestrank. Dulcamara verkauft ihm aber lediglich eine Flasche Wein als angebliches Liebeselixier. Nemorino überwindet im betrunkenen Zustand seine Schüchternheit und zeigt Adina, welche heimlich auch in Nemorino verliebt ist, die kalte Schulter. Darauf ist sie so beleidigt, daß sie kurzerhand einwilligt Belcore noch am nächsten Tag zu heiraten. Nemorino braucht eine zweite Flasche Liebestrank, doch hat er kein Geld mehr, so daß er sich von Belcore als Soldat anwerben läßt. Zur selben Zeit verstirbt Nemorinos reicher Onkel und hinterläßt ihm sein ganzes Vermögen. Schnell spricht sich die Neuigkeit herum und der sonst Verlachte wird plötzlich von allen Frauen umschwärmt. Adina, in Eifersucht entbrannt, erfährt von Nemorinos Tat und gesteht ihm endlich ihre Liebe. Der Quacksalber Dulcamara zieht seinen Nutzen aus der Geschichte und behauptet dreist, daß sein Liebestrank außerdem noch reich mache.

Aufführung

Zentraler Handlungsort der Inszenierung ist die Pasta-Fabrik Adinas, eine große Halle mit Deckenfenstern, Arbeitstischen und Rollbändern. Mit steifen und mechanischen Handgriffen stellt hier der Chor in weißen Arbeitskitteln und Plastikhauben Nudeln her und verpackt diese in Kartons. Adinas Büro befindet sich auf einer Galerie oberhalb ihrer Angestellten. Von dort aus hat sie den perfekten Überblick; auch über Nemorino, welcher in abgewetztem T-Shirt und bäuerlicher Latzhose den Fabrikboden schrubbt und Mehlsäcke herum trägt. Ein kleines Männerballett in kleinen, roten Propeller-Flugzeugen, die gemeinsam den Satz „Adina, ich liebe dich“ bilden, kündet den Auftritt Belcores an. Dieser, in lederner Fliegermontur der 50er-Jahre mit weißem Schal, Fliegermütze und Fliegerbrille, gleitet mit einem Fallschirm durch eines der Deckenfenster der Fabrikhalle und steigt anschließend auch in eines der Flugzeuge, um Adina kämpferisch zu erobern. Dulcamara Wundermittelchen befinden sich in einem großen, goldenen Fahrradanhänger, welcher durch einen Chauffeur in die Halle hinein gefahren wird. Sein Verjüngungsmittel bringt den Arbeiterchor Adinas in Schwung. Alle lassen sich spritzen und streifen anschließend ihre Arbeitskittel ab. So Mancher präsentiert darunter lediglich knallig rote Unterwäsche. Die Meisten aber tragen Kleider, Hosen und Hemden im 50er-Jahre Stil. Auch Adinas weinrotes Kleid sowie ihr pfirsichfarbenes Hochzeitskostüm erinnert an diese Epoche.

Sänger und Orchester

Der sonst eher darstellerisch zurückhaltende Tenor Richard Carlucci blühte an diesem Abend in der Rolle des naiven Nemorino sichtlich auf und begeisterte mit spritziger Bühnenpräsenz, emotionalem Tiefgang und beeindruckendem stimmlichen Können. Sowohl lang anhaltende, feingliedrige Parlandi als auch gefühlvolle Phrasen beherrschte er ohne Mühe und kulminierte erstklassig in der berühmten Arie Una furtiva lagrima. Ihm zur Seite stand die in Gesang und Spiel agile Sopranistin Valentina Farcas (Adina). Ihre schlanke, aber gleichzeitig kraftvolle Stimme unterstrich harmonisch ihre Bühnendarstellung. Der wie immer mit großer Natürlichkeit und einschmeichelndem Timbre agierende Bariton Peter Schöne konnte sich in der Rolle des schmierigen Belcore wieder facettenreich – in diesem Fall als unsympathischen Antihelden – präsentieren. Neben dieser starken Liebestrias fielen Juri Batukov (Dulcamara) und Anna Buschbeck (Gianetta) ein wenig ab. Mit seinem voluminösen, warmen Baß wird Juri Batukov zwar seiner Gesangspartie gerecht, doch scheint ihm die Lust am ausdrucksstarken Spiel verlorengegangen zu sein. Die noch junge Sopranistin spielte sich hingegen kokett durch den Opernabend, kommt aber nur bei Sarà possibile stimmlich zum Zuge.

Das Philharmonische Orchester unter der souveränen Leitung von Walter E. Gugerbauer betört bereits im Vorspiel zum ersten Akt mit differenziertem, transparentem Klanggeschehen und läßt dem Zusammenklang der Soloflöten und -oboen ausreichend Entfaltungsfreiheit. Während des Bühnengeschehens tritt der Orchesterklang den Sängern wohltuend zurück, um in den Tutti-Episoden zusammen mit dem spielfreudigen Opernchor – nur zu Beginn der Oper anscheinend etwas auseinander driftend – wieder kraftvoll einfallen zu können.

Fazit

Ein überaus begeistertes Premierenpublikum dankte zu Recht mit mehrmaligem Zwischenapplaus, spontanen Bravo-Rufen und lang anhaltendem Beifall sowohl der exzellenten gesanglichen und darstellerischen Leistung des gesamten Ensembles als auch der bereits in der Nationaloper Riga bewährten einfallsreichen Regiearbeit des Erfurter Intendanten.

Josephin Wietschel

Bild: L. Edelhoff

Das Bild zeigt: Peter Schöne (Belcore) versucht Valentina Farcas (Adina) mit einem Fliegerballett zu beeindrucken, während Richard Carlucci (Nemorino) nur hilflos zusehen kann

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