PARTENOPE – Karlsruhe, Badisches Staatstheater

Oper von Georg Friedrich Händel (1685-1758), Libretto: Silvio Stampiglia nach einer Vorlage von 1699

UA: 24. Februar 1730, Haymarket King’s Theatre, London

Dirigent: Michael Hofstetter, Deutsche Händel-Solisten, Statisterie des Badischen Staatstheaters

Regie: Ulrich Peters, Bühne: Christian Floeren, Kostüme: Götz Lanzelot Fischer

Solisten: Polina Pasztircsàk (Partenope), Karolina Gumos (Rosmira), Terry Wey (Arsace), Valer Barna-Sabadus (Armindo), Gideon Poppe (Emilio), Christian Miedl (Ormonte)

Besuchte Aufführung: 19. Februar 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Partenope ist Gründerin und Herrscherin von Neapel. Die Prinzen Arsace (der in Partenopes Gunst am höchsten steht) und Armindo werben um sie, als plötzlich Arsaces Verlobte Rosmira in Gestalt des armenischen Prinzen Eurimene erscheint und Gastfreundschaft erbittet. Arsace ahnt die wahre Identität. Rosmira läßt ihn schwören, sie nicht auffliegen zu lassen. Zudem steht Prinz Emilio mit einem Heer vor den Toren Neapels und unterbreitet den Vorschlag, auf friedlichem Wege die Ehe zu schließen und so die beiden Reiche zu vereinen. Er sei auch bereit, sein Vorhaben durch Krieg zu verwirklichen – Emilio verliert die Schlacht. Zu allem Ärger ersucht nun auch die verkleidete Rosmira Partenopes Gunst und wird als Konsequenz in den Kerker geworfen. Auf Arsaces Bitten freigelassen, fordert Rosmira einen Zweikampf gegen den Verlobten. Arsaces Wunsch, mit entblößter Brust zu kämpfen wird, gewährt: Rosmira muß sich zu erkennen geben und Partenope erwählt den feigen Armindo zum Gatten. Mit Emilio schließt sie Freundschaft.

Aufführung

Man wird von einer tristen Wellblechwand empfangen, rechterhand mit den Schriftzug „L’amor è un dio d’inferno – Amor ist ein Gott der Hölle“ versehen (Dabei handelt es sich um den Textanfang von Arsaces vorletzter Arie!). Die Konstruktion entpuppt sich als Drehbühne, die zwischen mehreren Räumlichkeiten hin- und herzuwechseln vermag. Die Feierlichkeiten zu Beginn werden durch eine opulent gedeckte Tafel bereichert, überall flackern Kerzen auf Armleuchtern durch die Inszenierung. Zur Begrüßung gibt es Sekt. Während sich bei den Liebhabern die Kostümierung auf schwarz-weiß-Kontraste beschränkt, erscheint Partenope bei jedem Auftritt in anderem Outfit (Das weiße Fechtkostüm kennen wir bereits aus der Zauberflöten-Wiederaufnahme). Die Schlacht zwischen Partenope und Emilio spielt sich nicht im Freien, sondern bei einem Billard-Turnier ab (Die Billard-Tische sind dem Publikum schon aus der Traviata-Produktion vertraut). Im zweiten Teil nach der Pause wird der Zuschauer weitgehend mit dem bisher Gesehenen konfrontiert. Daß Rosmira kurzfristig im Kerker landet, geht hier völlig unter. Kleiner Trost: Beim Duell zwischen Rosmira und Arsace kommen keine Billard-Queues zum Einsatz, sondern echte Degen!

Sänger und Orchester

Ausdrucksstärke und Individualität bezeichnen am besten die an diesem Abend dargebotene künstlerische Leistung der Darsteller. Polina Pasztircsàk muß in ihrer ersten Arie L’amor ed il destin combatterà per me – Liebe und Schicksal werden für mich kämpfen noch zu sich finden: Die Höhen geraten etwas scharf, die Bruststimme wirkt noch leicht träge. Versiert bewegt sie sich durch ihre Koloraturen und läßt auf weiteres hoffen. Karolina Gumos (Rosmira) rauscht mit Leichtigkeit durch ihre virtuosen Passagen – ein gelungener Balanceakt zwischen Eifersucht und Zuneigung. Ein wahrlich bezaubernder Auftritt ist Terry Weys (Arsace) Larghetto O Eurimene ha l’idea di Rosmira – Entweder ähnelt Eurimene Rosmira …. Geschmeidig und sanft im Timbre liefert er den Gegenpol zu Partenopes monumentalem Sopran. In völliger Sentimentalität befangen erscheint er als Vollblutliebhaber. Valer Barna-Sabadus’ (Armindo) Stimme steckt voller Musikalität. Mit einem Timbre, das sich hinsichtlich der Klangfarbe zwischen Flöte und Chalumeau verorten läßt, trifft er die Grundstimmung seiner ausweglosen Situation. Der Tenor Gideon Poppe (Emilio), ist sicherlich kein ins Barockfach Hineingeborener. Seine Auftrittsarie Anch’io pugnar saprò – Auch ich weiß zu kämpfen unterstreicht Partenopes Skepsis, daß dieser junge Prinz weder auf dem Schlachtfeld noch im Ehebett große Heldentaten vollbringen wird. Er steigert sich jedoch in dem mit Koloraturen überladenen La gloria in nobil alma – Der Ruhm in einer edlen Seele immens. Mit großer Virtuosität und Ausdauer kämpft er sich durch die Bravourarie und bekommt seinen tosenden Applaus zu Recht! Christian Miedls Rolle als Ormonte trifft den rauen Ton des kriegerischen Adjutanten sehr gut. Kurze Koloraturen und stolpernde Achtelgruppen in seiner Arie T’appresta forse amore – Vielleicht drängt dich die Liebe schließen sich in seiner Interpretation an diesem Abend zu einem mannigfaltigen Gesamtbild musikalischer Darbietung.

Fazit

Händels Idee einer ernsten Situation, die an gezielten Stellen ins Komische verfällt, weicht zugunsten einer völligen Ironisierung der Protagonisten. Vor allem das Bühnenbild distanziert sich stark vom eigentlichen Bühnengeschehen und läßt dem Betrachter beim Interpretieren große Freiheiten.

Daniel Rilling

Bild: Jacqueline Krause-Burberg

Das Bild zeigt: Gideon Poppe (Emilio), Valer Barna-Sabadus (Armindo), Polina Pasztircsák (Partenope), Karolina Gumos (Rosmira), Statisterie

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