UNVERHOFFT IN KAIRO – Wuppertal, Opernhaus

von Joseph Haydn (1732-1809), von den Wuppertaler Bühnen bearbeitete Fassung der Oper L’incontro improvviso, Drama giocoso per musica, Libretto: Carl Friberth, Übersetzung aus dem Italienischen von Franz Xaver Gircik

UA: 29. August 1775, Esterhaza

Regie: Jakob Peters-Messer, Bühnen/Kostüme: Markus Meyer, Dramaturgie: Johannes Blum, Licht: Fredy Deisenroth

Dirigent: Florian Frannek, Sinfonieorchester Wuppertal, Bässe des Opernchores der Wuppertaler Bühnen, Choreinstudierung: Jens Bingert, Ud-Spieler: Emin Ibrahim Izgialp

Solisten: Selim Dursun (Pascha von Ägypten), Christian Sturm (Ali), Boris Leisenheimer (Osmin), Banu Böke (Rezia), Dorothea Brandt (Balkis), Miriam Scholz (Dardane), Miljan Milovic (Qalander), Xavier Zapata Vera (Offizier)

Besuchte Aufführung: 08. Januar 2010 (Premiere)

Kurzinhalt

Rezia und Ali werden auf See durch einen Piratenüberfall getrennt und treffen sich zufällig in Kairo wieder. Rezia wurde an den Harem des Paschas verkauft, der sie als einzige Frau haben will. Ali irrt derweil alleine durch die Straßen, während sein Diener Osmin mit dem Orden der Derwische tagsüber Frömmigkeit heuchelt und bettelt, während das Geld des Abends beim Qalander, dem korrupten Ordensvorsteher, abgeliefert wird. Nachdem Alis Treue durch Dardane und Balkis, Freundinnen von Rezia, geprüft wurde, stehen die Zeichen für eine Flucht günstig, da der Pascha verkünden ließ, für einige Tage die Stadt zu verlassen. Dies erweist sich jedoch als Falle. Der Qalander verkauft die Fliehenden, die zum Tod verurteilt werden. Doch am Ende besinnt sich der Pascha und schenkt allen die Freiheit.

Vorbemerkung

Die aufgeführte Version des Stückes wird von vornherein als Bearbeitung dargestellt. Die Rolle des Paschas soll ausgebaut und seine Sprechszenen mit klassischer osmanischer Musik begleitet werden. Da im Sinne des Mottos der Spielzeit deutsche und türkische Musik aufeinander treffen sollten, wurde anstelle des italienischen Originals die älteste deutsche Übersetzung gewählt, die noch zu Lebzeiten Haydns entstanden ist und seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr benutzt wurde.

Aufführung

Auf der Bühne ist ein drehbarer Turm in orientalisch anmutender Gestaltung zu sehen. Eine der dort eingelassenen Räume ist für die Szenen der Derwische gedacht, ein privat anmutender Raum für die Szenen mit dem Fokus auf Rezia und Ali. Ein dritter, sehr kleiner Raum wird zum Ende das Versteck für den Fluchtversuch am Ende der Oper. Die Kostüme sind hingegen mit wenigen Ausnahmen zeitgenössisch, gelegentlich schlägt ein Hauch von Ägypten hinein.

Sänger und Orchester

Eine geschlossen überzeugend wirkende Gesamtleistung bleibt als Eindruck zurück. Das Wuppertaler Sinfonieorchester unter Florian Frannek präsentiert im lockeren Spiel zumeist einen schlanken Klang. Gerade bei dem ersten Auftritt von Ali wird jedoch auch die Möglichkeit eines energischen Klangbilds wahrgenommen. Vielleicht hätte man sich davon noch ein wenig mehr gewünscht, z.B. bei den Orchesterstellen im Terzett der drei Damen im ersten Akt. Boris Leisenheimer (Osmin) beginnt den Abend mit Problemen bei seinen Koloraturen. Danach zeigt er jedoch eine vielseitige Stimme, wiederholt gelingen ihm schnelle Wechsel zwischen lyrischen und kraftvollen oder tiefen Stellen mit anschließend hohen Koloraturen. Zudem ist seine deutliche Textaussprache auch bei höchstem Tempo zu loben. Hier kann auch Christian Sturm (Ali) überzeugen, vor allem aber gefällt sein markantes Forte als Kontrast zu seinem schlanken, unsentimental interpretierten Lamento. Auch Töne, die für ihn tief liegen, meistert er in der Regel mit seiner ordentlichen Stimmtechnik. Dorothea Brandt (Balkis) kann in der Mittellage voll überzeugen. Auch ihre Koloraturstellen nimmt sie mit Bravour, jedoch zeigt sie teilweise in der Höhe kleine, bisher ungewohnte Probleme. Die hat z.T. auch Mirjam Scholz (Dardane), doch wurde sie bereits vorher als erkältet angekündigt. Dagegen glänzt Banu Böke (Rezia) in der Höhe, aber auch die lyrischen Passagen kann sie spannungsvoll gestalten. Nur zum Ende der Oper wird ihr Textvortrag gelegentlich ein wenig unverständlich. Das Zusammenspiel der drei Damen ist gut, sie treten im erwähnten Terzett musikalisch gleichberechtigt auf, denn niemand drängt sich in den Vordergrund.

Fazit

Insgesamt sorgt die bearbeitete Fassung der Haydn-Oper für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend. Für Haydn-Puristen könnten die kleinen volksmusikalischen Anteile verstörend wirken, dem Premierenpublikum gefielen sie jedoch. Es belohnte Ensemble, Orchester und Regie mit Applaus.

Malte Wasem

Bild: Sonja Rothweiler

Das Bild zeigt: Osmin (Boris Leisenheimer), Balkis (Dorothea Brandt), Dardane (Mirjam Scholz), Rezia (Banu Böke), Ali (Christian Sturm)

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