Darmstadt, Staatstheater – IM WEISSEN RÖSSL

von Ralph Benatzky (1884-1957), Singspiel in drei Akten, Libretto: Hans Müller, Erik Charell nach dem Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg, Gesangstexte von Robert Gilbert, musikalische Einlagen von Robert Stolz, Bruno Granichstaedten und Robert Gilbert, UA: 1930, Berlin, Großes Schauspielhaus
Regie: Ansgar Weigner, Bühne: Matthias Müller, Kostüme: Renate Schmitzer, Choreographie: Torsten Gaßner, Dramaturgen: Bodo Busse, Anne Sophie Meine, Licht: Klaus Krauspenhaar
Dirigent: Cornelius Heine, Orchester und Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Einstudierung: Christof Hilmer, Kinderchor des Staatstheaters Darmstadt, Einstudierung: Dagmar Howe
Solisten: Annette Luig (Josepha Vogelhuber, Rösslwirtin), Thomas de Vries (Leopold, Zahlkellner), Jürgen Rust (Wilhelm Giesecke, Fabrikant), Simone Brähler (Ottilie, seine Tochter), Jud Perry (Dr. Otto Siedler, Rechtsanwalt), Erik Biegel (Sigismund Sülzheimer), Wolfgang Vater (Prof. Dr. Hinzelmann), Marie Smolka (Klärchen, seine Tochter), Zygmunt Apostol (Kaiser Franz Joseph), Klaus Krückemeyer (Piccolo), Petra Urban (Kathi, Briefträgerin, Jodlerin, Leiterin des Jungfrauenvereins), Thomas Braun (Oberförster, Bürgermeister), Jochen Elbert (Reiseführer), Marc-Wolfgang Frey, André Korporaal, John Holyoke, Marek Markisz (Kellner), Annett Arnold, Giorge Martin (ein Hochzeitspaar), Gaby Kiessling (Zitherspielerin)
Besuchte Aufführung: 6. Februar 2010 (Premiere, Gastspiel des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden (Premiere 11. November 2006))

Kurzinhalt
darmstadt-im-weisen-roessel.jpgLeopold, der Zahlkellner des „Weißen Rössl“, in die Wirtin Josepha verliebt, ist eifersüchtig auf den Stammgast Dr. Siedler, den Josepha umschwärmt. Giesecke, ein Fabrikant aus Berlin, der gerade gegen einen Mandanten Dr. Siedlers einen Prozeß verloren hat, trifft mit seiner Tochter Ottilie ein und ist sehr verärgert, Dr. Siedler hier anzutreffen. Leopold streitet sich vor lauter Eifersucht ununterbrochen mit Josepha, die ihn kurzerhand entläßt. Als ein Besuch des Kaisers angekündigt wird, muß Josepha Leopold wieder einstellen, um ihre Gäste bedienen zu können. Am nächsten Tag kommt Josepha wieder mit Leopold zusammen. Sigismund, der Sohn des Mandanten Dr. Siedlers, der mit Giesecke verhandeln möchte, verlobt sich mit seiner Reisebekanntschaft Klärchen und Siedlers mit Ottilie.
Aufführung
Zu Beginn geht Benatzky mit einem Reisekoffer über die Bühne, er denkt dabei an das Singspiel Im weißen Rössl, das er komponiert. Auch während des Stücks taucht er immer wieder auf, macht sich Notizen, gibt Kommentare und agiert mit den Figuren. Das Hauptbühnenbild zeigt im Hintergrund die Berge, die je nach Tageszeit in verschieden farbiges Licht getaucht werden. Davor befindet sich der Landesteg, im Vordergrund steht auf der rechten Seite das Weiße Rössl, ein zweistöckiges Almhäuschen mit Bierbänken. Es gibt noch weitere Bühnenbilder, so z.B. einen Kuhstall, einen Sitzungssaal sowie ein Strandbad. Außerdem werden zwei Leinwände verwendet, die eine zeigt einen lichten Wald mit Rehen, die andere eine Alpenlandschaft mit einer Almhütte. Frauen und Kinder tragen bunte Dirndl, die Herren Anzüge, Lederhosen oder Arbeitskleidung.
Insgesamt wurde das Stück bis ins Äußerste überspitzt: aus einem Misthaufen wachsen rote Rosen, Kuhschwänze schwingen im Walzertakt im Kreis und Heidi und ihr Großvater jagen sich quer über die Bühne, zum Finale gibt es Glitzerregen.
Sänger und Orchester
Die Solisten sangen passend zum Revuetheater im Schlagerstil und waren dabei mit Mikrophonen ausgestattet.
Annette Luig als Josepha wirkte zu Beginn noch etwas steif, taute im Laufe des ersten Aktes aber merklich auf. Sie verfügt über eine klare ausdrucksstarke Stimme, die sie treffsicher einzusetzen vermag.
Thomas de Vries spielte den Zahlkellner Leopold mit dandy-hafter Leichtigkeit. Stimmlich wußte er die verschiedenen Facetten seiner Rolle sehr gut umzusetzen. Jud Perry und Simone Brähler als Dr. Siedler und Ottilie glänzten mit ihren kräftigen Stimmen besonders in ihrem Duett Die ganze Welt ist himmelblau. Unbedingt zu erwähnen ist an dieser Stelle auch Zygmunt Apostol, der den senilen Kaiser Franz Joseph gekonnt komisch darstellt. Erik Biegel und Marie Smolka versprühten als Sigismund und Klärchen erfrischende Lebendigkeit und ergänzten sich nicht nur im Spiel vortrefflich, sondern besonders auch in ihren Duetten wie Als Sigi in der Wiege lag. Die Textverständlichkeit des Chores war leider nicht immer gegeben, dafür strotzten aber dessen Tanzeinlagen vor Energie. Insgesamt wirkte das gesamte Ensemble in sich äußerst harmonisch, im Zusammenspiel als auch beim Singen. Das Orchester übertönte die Sänger nur selten und präsentierte eine sehr fein nuancierte Musik.
Fazit
Die Vorstellung war leider schlecht besucht, dafür ließen sich die wenigen Zuschauer begeistert von der parodierten Alpenidylle mitreißen, brachen oft in Gelächter aus und belohnten die Musiker und Darsteller mit Stehapplaus.
Pia-Antonia Lai

Bild: Barbara Aumüller
Das Bild zeigt: Chor und Thomas de Vries (Leopold) (im Liegestuhl rechts)

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