Wuppertal, Opernhaus – DER LIEBESTRANK (L’ELISIR D’AMORE)

von Gaetano Donizetti, Komische Oper in zwei Akten, Libretto: Felice Romani
UA: 12. Mai 1832, Mailand
Regie: Volker Schmalöer, Bühne: Daniel Roskamp, Kostüme: Ulrike Obermüller, Dramaturgie: Ursula Benzing und Karin Bohnert
Dirigent: Florian Frannek, Wuppertaler Sinfonieorchester, Opernchor, Extrachor und Statisterie der Wuppertaler Bühnen, Choreinstudierung: Jaume Miranda und Jens Bingert
Solisten: Elena Fink (Adina), Nathan Northrup (Nemorino), Thomas Laske (Belcore), Dariusz Machej (Dulcamara), Joslyn Rechter (Gianetta) Besuchte Aufführung: 4. Oktober 2009 (Premiere)

Kurzinhalt
wuppertal-liebestrank.jpgDer schüchterne Nemorino liebt die extrovertierte Adina, doch diese erwidert seine Liebe scheinbar nicht. Er wiederum wird von der kecken Gianetta umworben. Er kauft von dem durchreisenden Händler Dulcamara einen vermeintlichen Liebestrank. Da der durchtriebene Dulcamara aber Nemorino nur eine normale Flasche Rotwein verkauft, behauptet er, daß die Wirkung des Trankes erst am nächsten Tag eintritt. Derart euphorisiert brüskiert Nemorino Adina, die deshalb noch für denselben Abend ihre Hochzeit mit dem einfältigen Sergeant Belcore ankündigt. Nemorino ist verzweifelt und kauft eine zweite Flasche von dem Trank. Da er jedoch kein Geld hat, heuert er als Soldat bei Belcore an. Mittlerweile hat jedoch Gianetta erfahren, daß Nemorino von einem verstorbenen Onkel erben und so zum Millionär werden wird. Prompt liegen ihm die Frauen zu Füßen, was Nemorino für die Wirkung des Trankes hält, weil er noch nichts von seiner Erbschaft erfahren hat. Als Adina sieht, daß Nemorino für sie die Verpflichtung als Soldat bei Belcore auf sich genommen hat, kauft sie ihn frei und gesteht ihm ihre Liebe.
Aufführung
Die Inszenierung, eine Koproduktion mit dem Staatstheater Kassel, verlegt den Ort der Handlung in ein Wellness-Hotel: Nemorino wird zur Reinigungskraft mit Putzwagen, Adina zum Stargast des Hotels, Gianetta zur alles planenden und kontrollierenden Hotelchefin. Die gesamte Bühne ist in strahlendem Weiß gehalten. Drei Stufen ziehen sich über die komplette Bühne, dahinter ist ein überdimensionaler Spiegel angebracht. Im weiteren Verlauf des Stückes wird zudem noch eine riesige Speisetafel auf die Bühne getragen. An dieses Umfeld sind auch die Kostüme angepaßt: Die Hotelgäste tragen zumeist weiße Sportkleidung. Aus dieser Menge sticht Adina mit dem Rot ihres Kostüms heraus. Kontrastierend dazu ist die Truppe von Sergeant Belcore klassisch militärisch gekleidet.
Sänger und Orchester
Eigentlich dem Chor der Wuppertaler Bühnen angehörig, präsentiert sich Nathan Northrup (Nemorino) als Tenor mit einer einfühlsamen Stimme, seine Interpretation des bekannten Ohrwurmes Una furtiva lagrima – eine flüchtige Träne braucht sich nicht zu verstecken. Auch Elena Fink (Adina) überzeugt besonders in den Mittellagen mit ihrem differenziert eingesetzten Sopran. Auch in der Höhe und bei Koloraturen kann sie mit sicherer Stimmtechnik glänzen, leider forciert sie jedoch auch einige Male zu stark in der Höhe, was den Gesamteindruck ein wenig trübt. Thomas Laske (Belcore) gelingt die Gestaltung der gefühlvollen Passagen, an anderen Stellen kann er jedoch auch seinen markanten Bariton einsetzen, um z.B. seine Siegesgewißheit im ersten Akt In guerra ed in amore – im Krieg und in der Liebe auszudrücken. An einigen Stellen kaschiert er jedoch die durchaus vorhandene Durchschlagskraft seiner Stimme wie schon in der letzten Spielzeit. Dariusz Machej (Dulcamara) hat sich im Vergleich zur letzten Spielzeit nicht weiter entwickelt: Gelegentlich dunkelt er seine eigentlich beweglich-leichte Stimme über die Maßen ein. Dann wirkt sie ein wenig schwerfällig wie zum Schluß seiner langen Auftrittsarie Ustite ustite o rudici – hört, hört ihr Bauern. Hingegen singt er andere Arien wie Io sono ricco, e tu sei bella – ich bin reich und du bist schön souverän, auch die darin vorkommenden Koloraturen.
Im Vergleich zur letzten Spielzeit, als die Oper in der Nachbarstadt Solingen von einem anderen Orchester bespielt wurde, ist das Sinfonieorchester Wuppertal unter der Leitung von Florian Frannek eine deutliche Verbesserung, auch wenn es manchmal ein wenig uninspiriert wirkt. Wiederholt drängt sich das Gefühl auf, die Musiker würden weite Teile der Oper vom Blatt spielen: So bleibt leider nur der Eindruck einer durchschnittlichen Leistung zurück. Der Opernchor der Wuppertaler Bühnen ist bei seinen zahlreichen Auftritten gewohnt textsicher und zeigt ebenfalls einmal mehr auch eine sehr gute schauspielerische Leistung.
Fazit
Trotz einiger kleiner Fehler wird die Wuppertaler Aufführung zu einem kurzweiligen Hörerlebnis und sorgt so für einen unterhaltsamen Abend besonders für diejenigen, die noch die Orchesterleistung der letzten Aufführungen in Solingen im Ohr haben. Die räumliche Verlegung der Inszenierung in ein Wellness-Hotel, ist vielleicht nicht etwas für jeden Opernfreund, doch wird sie an diesem Abend eigens mit einem Sonderapplaus bedacht.
Malte Wasem

Bild: Michael Hörnschemeyer
Das Bild zeigt: Adina (Elena Fink) ist der Star unter den Gästen des Wellness-Hotels (Opernchor der Wuppertaler Bühnen).

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