ELIOGABALO – Paris, Palais Garnier

von Francesco Cavalli (1602-1676), Oper in drei Akten, Libretto: Verfasser unbekannt, UA: 1668 Venedig, posthume Erstaufführung: 1999 Teatro San Domenico, Crema (Provinz Cremona, Italien)

Regie: Thomas Jolly, Bühne: Thibault Fack, Kostüme: Gareth Pugh Künstlerische Beratung: Alexandre Dain,, Licht: Antoine Travert Dramaturgie: Corinne Meyniel

Dirigent : Leonardo Garcia Alarcón, Capella Mediterranea, Choeur de Chambre de Namur, Choreinstudierung: Thibault Lenaerts, Choreographie: Maud le Pladec

Solisten: Franco Fagioli (Eliogabalo), Paul Groves (Alessandro Cesare), Nadine Sierra (Flavia Gemmira), Valer Sabadus (Giuliano Gordio), Elin Rombo (Anicia Eritea), Mariana Flores (Atilia Macrina),  Mattheu Newlin (Zotico),  Emiliano Gonzalez Tero (Lenia), Scott Conner (Nerbulone, Tiferne)

Besuchte Aufführung: 16. September 2016 (Premiere), Koproduktion mit der National Oper, Amsterdam

Kurzinhaltpariseliogabalo

Der Kaiserjüngling Eliogabalo, der sich mal für den Sonnengott Helios, mal für Jupiter hält, vergewaltigt Eritea, die Verlobte des Prätorianer Führers Guiliano. Um ihre Ehre wiederherzustellen, verlangt Eritea von ihm, sie zu heiraten. Der Kaiser verspricht es, aber nur zum Schein. Sein Vetter Alessandro bittet Gemmira, die Schwester Giulianos, heiraten zu dürfen. Auch das sagt der Kaiser zu, ist aber entschlossen, diese Schönheit selbst zu erobern. In einem von ihm organisierten Frauensenat müssen die Römerinnen mit verbundenen Augen raten, wer sie geküßt hat. Eliogabalo gelingt es Gemmira zu küssen, doch als Eritea wütend eintritt, wird das Spiel gestört.

Eliogabalo befiehlt daraufhin Gemmira auf einem Gelage einen Schlaftrunk einzuflößen und gleichzeitig Alessandro zu vergiften. Danach bietet er Guiliano an, ihm Eritea zurückzugeben, wenn dieser ihm Gemmira überläßt. Doch dieser würde lieber sterben als seine Ehre zu opfern. Beim Gastmahl stehen Gift und Schlaftrunk schon bereit, als ein Unheil verkündender Eulenflug wieder alles vereitelt. Atilia versucht den eifersüchtigen Alessandro für sich zu gewinnen. Eritea und Gemmira überreden Guiliano den Kaiser zu töten. Inzwischen beschließen der Kaiser und sein Gehilfe Zotico, Alessandro während der Zirkusspiele töten zu lassen, während der Zeit wolle der Kaiser Gemmira verführen. Doch Zoticos Anschlag wird vereitelt und Gemmica wird von Prätorianern gerettet, die Eliogabalo umbringen. Die Prätorianergarden erklären Alessandro zum neuen Kaiser und die beiden Liebespaare können endlich heiraten.

Aufführung

Das dunkle Bühnenbild ist neutral, leere Szenenflächen durch Treppen verbunden. Auf diesen und um diese herum tummeln sich die Darsteller, in oft ans Märchenhafte grenzende Phantasiekostüme gehüllt. Der Kaiser im schwarzen, roten, violetten oder blauen, immer goldverzierten Prunkmantel ist natürlich der glänzendste, mit einer goldschimmernden Sonnenscheibe als Kopfschmuck. Die übrigen Kostüme sind einfacher. Gemmira in weißer Toga, dunkelblau umrandet. Eritea ganz in weiß. Alessandro in grauweißer, einem Mönchsgewand ähnlicher Kleidung. Lenia ganz in Schwarz, aber voller Goldschmuck, auf dem Kopf, um Hals und Arme. Guiliano in grauer Rüstung, schwarzen Stiefeln und rotem Umhang. In der Senatsszene tragen die Damen einfache, lange, hell graue Kleider, mit hohen kegelförmigen, ans Mittelalter erinnernden Kopfhauben mit Schleier. Nur der Kaiser, als Frau verkleidet, trägt ein rot-goldenes Prunkkleid. Während halbnackte Jünglinge und Mädchen als sich bewegende und umschlingende „Statuen“ den Raum schmücken.

Die „Lichtarchitektur“, die Thomas Jolly versprochen hat, ist eher eine Architektur der Dunkelheit, da die Bühne nur von einigen dünnen Suchscheinwerfern erleuchtet ist. In diese Dunkelheit rieselt hin und wieder ein Goldkonfetti-Regen. Oder ein fantastisches Video erhellt den Hintergrund. Erst in der Schlußszene entfaltet sich eine wirkliche Lichtarchitektur. Im letzten Akt prägt, immer stärker beleuchtet, eine Riesenbüste des Kaisers den Hintergrund.

Sänger und Orchester

Franco Fagioli ist der entschiedene Star des Abends. Er spielt und singt verführerisch mit weicher, sinnlicher, aber doch kräftiger und wechselhafter Kontra-Tenorstimme den effeminierten, triebhaften, sittenlosen Megalomane Eliogabalo , wie in der Arie Vorrei poter di tutte (1. Akt, 4. Szene) oder in den Trios der „infernalen Drei“ – Eliogabalo, Lenia, Zotico – mit den zwei Tenören Emiliano Gonzalez Toro und des Matthew Newlin. Paul Groves spielt und singt mit warmem, klangvollem Tenor die treue Vaterfigur der Handlung, Alessandro. Nadine Sierra ist mit dramatischem, leidenschaftlichem Sopran, die umkämpfte Gemmira, besonders eindrucksvoll in der einzigen Bravourarie der Oper Alessandro, ove sei? in der sie mühelos die schwierigen Koloraturen durchläuft. Eline Rombo als die verletzte Eritea mit heller, klarer Stimmführung und Valer Sabadus als der sanfte Guiliano mit samtenem, weichem, fast engelhaftem Kontra-Tenor, beweinen sie ihre Liebe im bewegenden Lamento-Duett Deh manda quei singulti (2. Akt, 3. Szene). Marianna Flores als Atilia versucht mit spritzig leichtem Sopran vergeblich Alessandro zu umgarnen. Scott Connor als Nerbulone spielt und singt mit sonorem Baß erst allein und danach mit Lenia eine komische Szene, die schon ganz den Ton der künftigen opera buffa vorwegnimmt.

Die Oper klingt aus, nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit einem sanften Liebesquartett Idol caro, meco il fato. Was bei dieser frühen Barockoper wieder auffällt, ist das weitgehende Fehlen des Vibrato im Gesang, etwas, das den Stimmen jenen eigenen klaren, hehren Klang verleiht.

Leonardo Garcia Alarcón dirigiert die von ihm gegründete Cappella Mediterranea beherrscht, aber schwungvoll, wobei auch die Bläser gut zum Ausdruck kommen.

Fazit

Thomas Jolly und seinem Team ist hier eine sehr erfreuliche Inszenierung gelungen. Die Regie ist bis ins Detail einstudiert und einleuchtend. Man kann der Opéra de Paris nur gratulieren, zum Auftakt der Saison diese textlich wie musikalisch großartige, späte venezianische Oper Francesco Cavallis aus der Versenkung hervorgeholt und in einer originellen Inszenierung und mit einem ausgezeichneten Ensemble wieder auf die Bühne gebracht zu haben.

Alexander Jordis-Lohausen.

Bild: Agathe Poupeney

Das Bild zeigt v.l.n.r., auf der Bühne: Nadine Sierra (Flavia Gemmira), Valer Sabadus (Giuliano Gordio), Elin Rombo (Anicia Eritea), Paul Groves (Alessandro Cesare)

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