LE PRÉ AUX CLERCS – Die Schreiberwiese oder der Zweikampf – Opéra-Comique, Paris

von Ferdinand Herold (1791-1833), Opéra comique in drei Akten, Libretto: Eugène de Planard, nach Prosper Mérimée, U.A.: 15. Dezember 1832 Paris, Opéra-Comique, Salle der Nouvautés

Regie/Bühne: Éric Ruf, Kostüme: Renato Bianchi, Licht: Stéphanie Daniel. Choreographie: Glyslein Lefever

Dirigent: Paul McCreesh, Orchestre Gulbenkian, Chœur accentus, Choreinstudierung: Christophe Grapperon

Solisten: Marie Lenormand (Marguerite de Valois), Marie-Eve Munger (Isabelle de Montal), Jaël Azzaretti (Nicette), Michael Spyres (Baron de Mergy), Emiliano Gonzalez Toro (Marquis de Comminge), Eric Huchet (Cantarelli), Christian Helmer (Girot).

Besuchte Aufführung: 25. März 2015 (Premiere)

Paris OC lepreauxclercsVorbemerkung

Der Komponist Ferdinand Herold ist heute in Frankreich wie auch im übrigen Europa praktisch unbekannt. Le Pré aux Clercs wurde in Paris zum letzten Mal vor 66 Jahren aufgeführt. Und dennoch gehörte dieses Werk zu seiner Zeit und noch lange danach – neben La Dame Blanche und Carmen – zu den meist gespielten Opern der Opéra-Comique. Hier allein erlebte es über 1600 Aufführungen. Es gehört in die romantischen Periode der Restaurationszeit bis 1848. Aus seiner Ouvertüre glaubt man Schubert herauszuhören, während das Terzett Marguerite-Isabelle-Cantarelli Vous me disiez sans cesse: pourquoi fuir les amours (2. Akt, 3. Szene) durch seine leichten, heiteren Rhythmen gesanglich und instrumental Rossini anklingen, wenn nicht schon Offenbach vorausahnen läßt. Doch wie auch Georges Bizet war Herold nur eine kurze Schaffensperiode vergönnt. Er verstarb, nur 41-jährig, einen Monat nach der triumphalen Première von Le Pré aux Clerc (vgl. dazu auch auf Operapoint Blog: Die Fledermaus zum 300 jährigen Jubiläum der Opéra-Comique vom 7.1. 2015).

Kurzinhalt

Frankreich, zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. In ihrer ländlichen Herberge nahe bei Paris feiert Nicette ihre Verlobung mit Girot, dem Wirt des Gasthofes Le Pré aux Clerc in Paris. Da erscheint der Baron de Mergy als Gesandter des Königs von Navarra auf dem Wege zum Königshof in Paris. Er hofft  bald seine Jugendliebe Isabelle de Mortal, eine der Hofdamen der Königin Marguerite, wiederzusehen. Die Jagdpartie der Königin macht ebenfalls bei dem Gasthof Halt. Verzweifelt teilt Isabelle ihrem Geliebten mit, daß der König sie mit seinem bösartigen Höfling Comminge verheiraten will.

Doch die Königin verspricht, diese Verbindung durch eine heimliche Vermählung der beiden Liebenden zu verhindern. So versucht sie, Comminge durch Cantarelli zu überzeugen, daß Mergy nicht der Hofdame, sondern ihr, der Königin, den Hof macht. Comminge fordert den Baron zum Duell heraus. Die Vermählung von Nicette und Girot sowie die heimliche Hochzeit von Isabelle und dem Baron finden im Pré aux Clerc statt. Nachdem der Baron Comminge im Duell getötet hat, flieht er mit seiner jungen Gemahlin und mit dem Segen der Königin in seine Heimat zurück.

Aufführung

Die betont einfache tradionelle  Inszenierung unterstreicht wirkungsvoll die Handlung. Das Bühnenbild im ersten und dritten Akt, ein ländlicher Gastgarten mit einfachen Holzbänken und -tischen unter herbstlichen Laubbäumen. Im zweiten Akt, die kahlen Wände des Königspalastes, einem Kerker ähnlich. Die Kostüme im Stil der Renaissance, meist weiss oder schwarz, die Tänzer in bunten Kostümen à  la commedia dell’arte. Gedämpfte Beleuchtung, die alles grelle Licht vermeidet. Eine ebenfalls einfache, wirkungsvolle Choreographie.

Sänger und Orchester

Mit sonorem klangvollen Bariton setzen Christian Helmer  als der Gastwirt Girot und der kräftige Choeur accentus, die Handlung im ersten Akt  in Bewegung Allons, allons, dressons la table (1. Akt, 6. Szene). Es ist die erste einer Reihe von szenisch und musikalisch wirkungsvollen Ensembles. Jaël Azzaretti als Nicette, animiert volkstümlich charmant mit leichter, beweglicher Soubrettenstimme einen ähnlichen Auftritt am Beginn des dritten Akts, von Chor unterstützt, mit dem heiteren Strophenlied A la fleur du bel age (3. Akt, 1. Szene). Eve-Marie Munger singt mit kräftigem vollen Sopran Isabelle de Mortal, besonders ausdrucksvoll in der schwermütige Arie Jours de mon enfance, ô jours d’innocence! (2. Akt, 1. Szene) mit obligater Solovioline. Marie Lenormand ist mit klarer reiner Stimmführung die mitfühlende Königin. Michael Spyres’ heller, warmer Heldentenor macht ihn zu einem glaubhaften Baron de Mergy. Emiliano Ganzales Toro ist der böse Marquis de Comminge. Éric Huchet spielt und singt mit Komik und Witz den bunten Popanz Cantarelli. Da in der typischen Tradition der opéra comique weite Teile der Oper gesprochen werden, ist auch die Schauspielkunst der Sänger gefordert, der sie erfolgreich nachgekommen sind.

Unter der schwungvollen Stabführung von Paul McCreesh, entfaltet das Orchestre Gulbenkian die reichhaltige und klangfreudige Partitur der Oper.

Fazit

Wir haben es der Opéra Comique zu verdanken, daß dieses gefällige, in Vergessenheit geratene Meisterwerk der französischen Romantik in einer ausgezeichneten Aufführung heute noch einmal wiedererstanden ist.

Alexander Jordis-Lohausen

Bild: Dr. Pierre Grobois

Das Bild zeigt: Marie Lenormand (Marguerite de Valois), schwarzes Kostüm, Marie-Eve Munger (Isabelle de Montal), weißes Kostüm, davor die Duellanten: Michael Spyres (Baron de Mergy), re, Emiliano Gonzalez Toro (Marquis de Comminge), li

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