Il ritorno d’Ulisse in patria – Die Rückkehr des Odysseus ins Vaterland – Zürich, Opernhaus

von Claudio Monteverdi (1567-1643), Opera mit einem Prolog und drei Akten, Libretto: Giacomo Badoaro, Zürcher Fassung: John Toll und Ivor Bolton. UA: ca. 1640 Venedig, Teatro SS. Giovanni e Paolo

Regie: Willy Decker, Dramaturgie: Kathrin Brunner, Bühne: Wolfgang Gussmann, Kostüme: Wolfgang Gussmann und Susana Mendoza, Licht: Franck Evin,

Dirigent: Robert Howarth, Orchester: Orchestra La Scintilla, Choreographie: Kinsun Chan

Solisten: Christophe Dumaux (Die menschliche Zerbrechlichkeit/Anfinomo), Erik Anstine (Zeit/Antinoo), Ivana Rusko (Fortuna/Juno), Constantin Zimmermann (Amor), Kurt Streit (Ulisse), Sara Mingardo (Penelope), Fabio Trümpy (Telemaco), Liliana Nikiteanu (Ericlea), Werner Güra (Eumete), Julie Fuchs (Melanto), Mauro Peter (Eurimaco), Michael Laurenz (Pisandro), Rudolf Schasching (Iro), Anna Stéphany (Minerva), Martin Zysset (Jupiter), Gianluca Buratto (Neptun)

Besuchte Aufführung: 17. Mai 2014 (Premiere)

Zürich Il Ritorno UllisseKurzinhalt

Die menschliche Zerbrechlichkeit klagt im Prolog über die Sterblichkeit und das Liebesleid des Menschen.

Ulisse ist auf dem Weg in die Heimat, dort wartet seine Frau Penelope seit zwei Jahrzehnten sehnsüchtig auf ihn. Ulisse hört auf den Rat der Göttin Minerva, sich zu verkleiden, um nicht sofort erkannt zu werden. Die standhaft treue Penelope wird von Freiern umworben. Nachdem sie nahezu bereit ist, ihren Bewerbern nachzugeben, da sie von ihnen teure Geschenke erhielt, verspricht sie, daß derjenige, der Ulisses Bogen spannt, auch ihre Liebe und die Herrschaft bekommt. Keiner der drei Freier vermag den Bogen zu spannen. Der als Bettler verkleidete Ulisse spannt den Bogen. Danach tötet er die Freier. Doch auch dann kann Penelope nicht glauben, den ersehnten Ehegatten vor sich zu haben. Schließlich erzählt Ulisse die Geheimnisse des gemeinsamen Schlafzimmers, wodurch Penelope ihm schließlich vertraut

Aufführung

Zum Auftakt ist die Bühne dunkel. Es leuchtet die runde weiße Bühnenplatte, sie ist gekippt mit einer Steigung nach hinten, die in der Mitte des Raumes auf dem Boden angebracht ist. Diese Platte dreht sich immer wieder. Hierauf steht das Sängerensemble in Schwarz. Hin und wieder erscheint im Hintergrund ein großer Kronleuchter mit einer darunter stehenden und mit Getränken dekorierten Tafel. Die lange Tafel fährt hinauf oder verschwindet wieder mit den darauf sitzenden Göttern. Die Blitze und der Donner unterbrechen die Handlung immer wieder in kritischen Situationen. Die Götter nehmen Einfluß auf die Handlung, sehen zu und amüsieren sich dabei.

Die Frauen mit mittelhohen Stöckelschuhen sind in schwarze knielanger Abendgarderobe gekleidet. Die Männer tragen Anzüge. Die Götter unterscheiden sich von den Menschen nur in ihrer dunkelblauen Kleiderfarbe. Penelope trägt ein schwarzes, enges Kleid mit einem Schleier und einer Sonnenbrille.

Sänger und Orchester

Robert Howarth leitete La Scintilla mit Gefühl und Temperament. Die Stimmen kamen sehr gut zur Geltung und die Balance zwischen dem Orchester und dem Gesang war ausgezeichnet. Dem Sängerensemble fehle nichts an sprachlicher Deutlichkeit und guter Intonation. Reizende Göttinnen, stimmlich wie auch äußerlich, stellten Anna Stéphany (Minerva) und Ivana Rusko (Juno und Fortuna) dar. Anna Stéphany konnte mit einer gelben Kappe und einem Ball die Strandstimmung auf die weiße Fläche zaubern, um mit dem verzweifeltem Ulisse ins Gespräch zu kommen. Sie begeisterte mit warmen, ausgedehnten Koloraturen. Fabio Trümpy machte seinem Helden, dem Sohn Telemaco, alle Ehre durch seine besonnene und fürsorgliche Gestalt, stimmlich wie auch darstellerisch. Julie Fuchs gewann die Sympathie des Publikums als reizende Geliebte und amouröse junge Dame (Melanto) mit ihrer glasklaren Stimme und wohlklingenden gesungenen Verzierungen. Ihr Liebespartner Mauro Peter (Eurimaco) verführte sie authentisch. Als Paar waren sie auch vokal in einander verflochten. Mit deutlichem Duktus triumphierte Gianluca Buratto als unbesiegbarer Neptun, der Gott des Wassers. Martin Zysset sang und spielte den Jupiter mit viel Menschlichkeit. Die warme Stimme Sara Mingardos glänzte in der Rolle der leidenden Penelope. Ihre Amme Ericlea war mit Liliana Nikiteanu tadellos besetzt. Den klaren Sopran Constantin Zimmermanns gab es als Amor zu genießen. Christophe Dumaux (die menschliche Zerbrechlichkeit sowie der Freier Anfinomo) meisterte virtuose Triller und Ornamente mit seinem klar klingenden Countertenor. Als erstklassig muskulöser Liebhaber Antinoo trat Erik Anstine mit sonorem, tiefem Klang auch in der Rolle der Zeit hervor. Dem Werber Pisandro gab Michael Laurenz eine perfekter Bühnenpräsenz. Iro wird von Rudolf Schasching bis ins letzte Detail köstlich amüsant verkörpert. Ulisses Hirte Eumete zeichnete Werner Güra angenehm. Ulisse war in Kurt Streit mit Feingefühl und zurückhaltend gemeistert, zwischendurch trumpfte er souverän auf.

Fazit

Die Wirkung auf das Publikum war am herzlichen Applaus offensichtlich. Die interessanten und ansehnlichen Ideen des Regieteams wurden engagiert umgesetzt. Man muß sich nur vorstellen, daß es gar nicht so einfach ist, auf einer schiefen Bühne zu stehen, zu laufen, zu tanzen und dazu noch zu singen. Neben der musikalischen Raffinesse und Meisterhaftigkeit zeigte man hier eine akrobatische Vorstellung.

Ruta Akelyte Hermann

Bild: Monika Rittershaus/Opernhaus Zürich

Das Bild zeigt: im Vordergrund Christophe Dumaux (die menschliche Zerbrechlichkeit)

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