DON PASQUALE – Leipzig, Oper

von Geatano Donizetti (1797-1848), Opera buffa in drei Akten, Libretto: Giovanni Rufini und Geatano Donizetti, UA: 3. Januar 1843 Paris, Théâtre Italien

Regie: Lindy Hume, Bühne/Kostüme: Dan Potra, Dramaturgie: Johanna Mangold, Choreinstudierung: Alessandro Zuppardo, Dirigent: Anthony Bramall, Gewandhausorchester und Chor der Oper Leipzig

Solisten: José Fardilha (Don Pasquale), Mathias Hausmann (Doktor Malatesta), Anna Virovlansky (Norina), Arthur Espiritu (Ernesto), Sejong Chang (Notar)

Besuchte Aufführung: 8. Februar 2014 (Premiere)

Oper Leipzig am 01.02.2014 - HP1 "Don Pasquale"Foto Tom Schulzetel.    0049-172-7997706mail  post@tom-schulze.comweb  www.tom-schulze.comKurzinhalt

Der reiche alte Junggeselle Don Pasquale beabsichtigt, seinen Erben und Neffen Ernesto mit einer wohlhabenden Adligen zu verheiraten. Doch Ernesto liebt die mittellose Witwe Norina. Verärgert beschließt Pasquale, dem Undankbaren das Erbe vorzuenthalten und schmiedet eigene Hochzeitspläne. Sein Vertrauter und Hausarzt Malatesta ist insgeheim Anwalt des jungen Liebespaares Norina und Ernesto. Er schlägt Norina vor, sich als im Kloster lebende Schwester Malatestas auszugeben und Pasquale zu verführen. Nach der schnell arrangierten Scheinheirat entpuppt sich die junge Braut als verschwenderische Furie und bereitet dem lüsternen Alten die Hölle auf Erden. Pasquale hat seine Lektion gelernt und beschließt, Ehe und Familiengründung dem Neffen zu überlassen.

Aufführung

Die zweiteilige Drehbühne zeigt viele Kulissen und szenische Einfälle: zunächst ein spärlich möbliertes Kaminzimmer mit Elchgeweih und Wandtresor hinter einer Karikatur niederländischer Portraitmalerei. In Norinas üppigem Gemach stapeln sich die Koffer der Zeitreisenden. Ernesto flüchtet sich gedanklich und tropenbehelmt in eine ägyptische Pyramidenlandschaft. Die Finalszene im römischen Sommernachtsgarten gerät zum summer of love mit VW-Käfer und Don Pasquale als gefeiertem Hippie-Guru. Die Kostüme gehen mit der Zeit und reichen von Culottes bis zur Schlaghose; konstant bleibt die Farbcharakteristik: Don Pasquale in Senftönen, Malatesta in elegantem Rot, Norina schwarz-weiß mit feuerroten Haaren und der kindische Neffe himmelblau.

Sänger und Orchester

Ein junges Sängerensemble und ein überzeugender Pasquale-Darsteller sorgen für viele musikalische Überraschungen. Mit gutem Gespür für Komik anstelle von Klamauk stellt der portugiesische Bariton José Fardilha (Don Pasquale) den reichen alten Mann der Commedia dellʾarte dar. Ganz im Sinne von Donizettis opera buffe versteht Fardilha sich von der Schablone zu lösen und den Charakter um sentimentale Momente zu bereichern. Dem Spott und Hohn seiner jungen Braut ausgesetzt, bricht für den betrogenen Alten eine Welt zusammen: è finita Don Pasquale – es ist vorbei, Don Pasquale wird von Fardilha mit viel emotionaler Tiefe und durchaus tragisch vorgetragen. Sein in allen Höhen verläßlicher und tragfähiger Bariton bietet gesangliche Glanzleistungen. Anna Virovlansky (Norina) singt mit kraftvollem und klangschönem Sopran. Lediglich das Finalduett mit Arthur Espiritu gerät etwas schwankend und nicht ganz sauber. Pasquales Neffe Arthur Espiritu (Ernesto) bedient den Stereotyp des himmelblauen Knaben mit Teddybär, ohne große darstellerische Eigendynamik. Stimmlich erweist sich Espiritu als versierter Belcanto-Tenor, der souverän die populären Passagen seiner Partitur, die Trompetenarie cercherò lontana terra – ein fernes Land werde ich suchen und die von Gitarren und Tamburin begleitete Sommernachtsserenade com’è gentil la notte a mezzʾapril – wie süß die laue Aprilnacht meistert. Mathias Hausmann (Malatesta) verkörpert seine Rolle gesanglich wie darstellerisch glänzend. Als smarter und wendiger Hausarzt  überzeugt der Bariton mit sonorer, kraftvoller Stimme wie in bella siccome un angelo – schön wie ein Engel und im Duett mit Pasquale cheti, cheti immantinente – ganz im Stillen.

Das Gewandhausorchester unter Anthony Bramall spielt gekonnt und schwungvoll. Für die italienische Oper hätte es durchaus noch etwas leichter und tänzericher sein können. Einzig der im dritten Akt auftretende Leipziger Opernchor, ein Gewusel aus Dienstboten, Dekorateuren, Schneidern und Hutmachern, verliert sich im Geschehen und bleibt ungewohnt blaß.

Fazit

Das australische Regieteam Lindy Hume/Dan Potra inszeniert eine Zeitreise vom Rokoko bis in die 1960er Jahre. So sehr das Regieteam Donizettis zeitloser buffo opera mit originellen Bühnenbildern und szenischen Einfällen begegnet, in der Schlußszene wird gewagt uminterpretiert. In dieser Interpretation findet Don Pasquale sein Glück in freier Liebe. Und die Moral von der Geschichte – weiße Haare sollen nicht freien? Norina bleibt damit, achselzuckend, allein. Das Premierenpublikum hat diese Inszenierung bejubelt wie selten. Auch in musikalischer Hinsicht ließ dieser Abend wenig zu wünschen übrig.

Norma Strunden

Bild: Tom Schulze

Das Bild zeigt: Arthur Espiritu (Ernesto), Anna Virovlansky (Norina), Mathias Hausmann (Dr. Malatesta), José Fardilha (Don Pasquale)

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