Münster, Städtische Bühnen – LE NOZZE DI FIGARO – DIE HOCHZEIT DES FIGARO

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Commedia per Musica in vier Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte nach Pierre Caron de Beaumarchais‘ Komödie Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro; UA: 1. Mai 1786, Wiener Burgtheater
Regie: Wolfgang Quetes, Bühnenbild: Manfred Kaderk, Dramaturgie: Ralph Blase, Dirigent: Fabrizio Ventura, Orchester: Symphonieorchester und Chor, Münster, Choreinstudierung: Donka Miteva
Solisten: Matteo Suk (Graf Almaviva), Annette Johansson (Gräfin Rosina), Henrike Jacob (Susanna), Ivan Dimitrov (Figaro), Judith Gennrich (Cherubino), Suzanne McLeod (Marcellina), Plamen Hidjov (Bartolo) u.a.
Besuchte Aufführung: 7. Februar 2009 (Premiere, Kooperation mit dem Theater Regensburg)

Kurzinhalt
munster-figaro.jpgDie bevorstehende Hochzeit der Kammerdiener Figaro und Susanna trifft nicht bei jedem im Palast auf Zustimmung. Graf Almaviva selbst versucht beharrlich, Susanna zu einem Rendezvous zu bewegen.
Kurz nach der Hochzeitszeremonie gibt Susanna scheinbar seinem Werben nach und vereinbart ein Treffen. Mit dem Wissen, dass Gräfin Rosina ihren untreuen Mann für sich zurückgewinnen will, tauscht Susanna mit dieser jedoch die Kleider, sodass statt ihrer die verkleidete Gräfin zum Rendezvous erscheint. Figaro erfährt währenddessen von dem geplanten Stelldichein zwischen Susanna und dem Grafen. Eifersüchtig und enttäuscht will er das Treffen stören, durchschaut jedoch bald die Verkleidung und den Plan der beiden Frauen. Der Graf selbst ereifert sich währenddessen in Komplimenten für die vermeintliche Susanna. Als der Komplott aufgedeckt wird, bittet er Rosina um Vergebung und ihm wird wiederum verziehen.
Aufführung
Abgesehen von dem vierten Akt findet die gesamte Handlung in dem Palast des Grafen Almaviva statt. Durch imposante Wände, hohe Fenster und großzügige Räume werden die monumentalen Ausmaße des Palastes realistisch widergegeben. Gewaltige romantische Zeichnungen an den Kulissenwänden scheinen zuweilen mit den edlen Möbeln und der edlen Kostümierung der Personen zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk zu verschmelzen.
Nach der Prozeßszene gleitet die Schreibstube der Gräfin schubladenhaft von rechts auf die Bühne und dient somit zur Kulisse von Rosinas Arie „dove sono“. Die Bühnengestaltung steht hier zu dem sonst so starren Bühnenbild in auffälligem Kontrast. Während der Ouvertüre werden die Protagonisten als statuenhafte Schatten vor einem gleißend hellen Hintergrund dargestellt. Auf diese Weise wird die, dem eigentlichen Libretto vorangegangene Vorgeschichte abgebildet. Die farbliche Abstimmung der Kostümierung weist deutlich auf die Zugehörigkeit der Paare hin. Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen Herrschern und Dienerschaft: Während Figaro und Susanna die typische Bediensteten-Kleidung in grau und weiß tragen, fallen die imposanten, goldenen Roben des Grafenpaares insbesondere bei den Hochzeitsfeierlichkeiten auf.
Sänger und Orchester
Henrike Jacob (Susanna) und Ivan Dimitrov (Figaro) fügten sich nach anfänglich zögerlichen Einsätzen mit leicht-heiterer Stimmfärbung in ihre Rollen als verlobtes Dienerpaar ein. Matteo Suk (Graf Almaviva) überzeugte mit autoritärer und kraftvoller Stimme von erster Minute an in der Rolle des ehrgeizigen Verführers, der sich wütend beklagt Mein Knecht soll glücklich sein, während ich leide?
Mit schmerzerfüllten und zugleich erhabenen Klängen leitete Annette Johansson (Gräfin Rosina) als verletzte Gattin den zweiten Akt ein. Die Rolle der hoffnungsvollen und zugleich großherzigen Diva scheint direkt auf sie zugeschnitten zu sein. Dem Orchester unter der Leitung von Fabrizio Ventura gelang besonders in der Ouvertüre die Schaffung dynamischer Kontraste. Die Streicher schufen mit einer einerseits durchgehenden Leichtigkeit, andererseits durch plötzliches Sforzando (Anschwellen) eine für die Musik Mozarts adäquate Atmosphäre. Im Wechsel mit den zarten Querflöten führten sie immer wieder behende zurück zur typischen Motivik der Oper. Die Variabilität des Orchesterspiels spiegelte sich ebenfalls im Vergleich der Arie Cherubinos Voi che sapete –ihr, die ihr wißt und im Finale am Opernende, bei dem Figaro seine Susanna bittet: Pace, Pace, mio dolce tesoro – Frieden, Frieden, mein süßer Schatz wider.
Fazit
Wolfgang Quetes‘ Interpretation berücksichtigt die Zeit des späten 18. Jahrhunderts. Besonders deutlich wird dies anhand der herrschaftlichen Kostüme, sowie der Benutzung ausschließlich „historischer“ Requisiten. Die komödiantischen Aspekte dieser Commedia per Musica werden durch die darstellerischen Fähigkeiten von Henrike Jacob (Susanna) oder Andra Shin (Basilio) deutlich hervorgehoben. Bühnenbild, Inszenierung und Musik bilden eine wohltuende Einheit. Das Publikum belohnt Darstellung sowie Sängerinnen und Sänger mit minutenlangem heftigem Applaus.
Laura Hamdorf

Bild: Michael Hörnschemeyer
Das Bild zeigt: Figaro (Ivan Dimitrov), Susanna (Henrike Jacob), Graf Almaviva (Matteo Suk).
Im Hintergrund steht die Gräfin (Annette Johansson).

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