ARIADNE AUF NAXOS – Freiburg,Theater

von Richard Strauss (1813-1901), Oper in einem Aufzuge nebst einem Vorspiel, Libretto: Hugo von Hofmannsthal, UA: 1912 Stuttgart, Hoftheater

Regie: Jörg Behr, Bühne: Tilo Steffens, Kostüme: Marc Weeger, Dramaturgie: Heiko Voss, Licht: Markus Bönzli

Dirigent: Gerhard Markson, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg

Solisten: Sally Wilson (Der Komponist), Cornelia Ptassek (Primadonna/Ariadne), Roberto Gionfriddo (Der Tenor/Bacchus), Lini Gong (Zerbinetta), Neal Schwantes (Ein Musiklehrer), Christoph Waltle (Brighella & Tanzmeister), Alejandro Lárraga Schleske (Harlekin), Fausto Reinhart (Scaramuccio), Evert Sooster (Truffaldin), Bénédicte Tauran  (Najade), Qin Du (Dryade), Susana Schnell (Echo), Ullo von Peinen (Der Haushofmeister), Pascal Hufschmid (Ein Lakai), Stefan Fiehn (Ein Offizier), Younjin Kim (Ein Perückenmacher)

Besuchte Aufführung: 24. November 2012 (Premiere)

Kurzinhalt

Vorspiel: Der reichste Mann Wiens hat in seinem Haus die Uraufführung der Oper Ariadne auf Naxos geplant und anschließend ein heiteres Nachspiel durch Komödianten. Durch seinen Haushofmeister läßt der Hausherr den Beteiligten jedoch verkündigen, daß aufgrund von Zeitdruck beides zugleich stattfinden müsse. Der Komponist ist zunächst geschockt und weigert sich, kann aber schließlich durch seinen Musiklehrer und die Tänzerin Zerbinetta zum Einlenken bewegt werden.

Oper: Die auf Naxos von ihrem Geliebten Theseus zurückgelassene Ariadne sehnt sich nach dem Tod. Die Komödianten um Zerbinetta versuchen sie aufzuheitern, was mißlingt. Erst als sich das Erscheinen des Gottes Bacchus ankündigt, den Ariadne zunächst für den Todesboten hält, beginnt sie langsam ins Leben zurückzukehren und wagt schließlich mit Bacchus den gemeinsamen Neuanfang.

Aufführung

Dir Freiburger Inszenierung hebt die Ähnlichkeiten und Verbindungen zwischen dem Vorspiel in der Wirklichkeit und der Oper hervor: in beiden Welten müssen die Hauptfiguren eine Verwandlung durchlaufen, damit ihr Leben weitergehen kann. So sehen sich der Komponist und Ariadne beinahe zum Verwechseln ähnlich. Am Anfang der Oper erwacht Ariadne in den herumliegenden Fetzen der Opernpartitur, am Ende zündet der Komponist sein Werk im Boot des angekommenen Bacchus an und bricht zu neuen schöpferischen Grenzen auf. Das überwiegend in grauen Farben gehaltene Bühnenbild bleibt stets das gleiche, sieht man von der achsensymmetrischen Spiegelung des Raumes zwischen Vorspiel und Oper ab, sowie den Lichtwechseln. Die Handlung scheint in der Gegenwart angesiedelt, nicht wie es das Libretto vorsieht gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Die Kostümierungen der Komödianten sind Rockstar-Stereotypen abgewonnen. Die Stimme des Haushofmeisters ertönt im Vorspiel anfänglich aus einem Lautsprecher.

Sänger und Orchester

Die Streicher des Philharmonischen Orchesters Freiburg unter Gerhard Markson wackeln zu Beginn noch bei den luftig wienerischen Phrasen. Im Verlauf der Oper verstrahlt das Orchester dann aber zunehmend jenen lyrisch Mozart‘schen Esprit, der für das Werk so typisch ist, wenngleich die große klangliche Brillanz sich erst gegen Ende einstellen mag. Lini Gongs Koloraturen in Zerbinettas berühmter Arie Kommt ein neuer Gott gegangen sprudeln wie natürlich hervor, allerdings fehlt es ihrem Sopran bei aller Grazilität und Koketterie des Auftritts an diesem Abend an der letzten Wärme und Weichheit. Roberto Gionfriddos sinnliche Ausstrahlung ist als Bacchus zurückgenommen, dagegen wirkt sein Tenor umso kraftvoller. Die beiden Hauptfiguren lassen keine Wünsche offen: Sally Wilsons Komponist gerät stimmlich blühend bei klarer Diktion und starker Bühnenpräsenz. Cornelia Ptasseks Ariadne drückt dank vokaler Tragfähigkeit jene Tragik und Größe aus, an der sich die anderen Figuren zurecht zu orientieren haben. Würdevolle Ironie in Ton und Auftreten kennzeichnen den Musiklehrer von Neal Schwantes. Die Komödianten Alejandro Lárraga Schleske, Fausto Reinhart und Evert Sooster sind im Verbund wie im Einzelvortrag wohl aufeinander abgestimmt. Gleiches gilt für Bénédicte Tauran, Qin Du und Susana Schnell als Nymphen

Fazit

Konzeptionell ist die Freiburger Ariadne durchaus interessant, aber in der Umsetzung an der sinnlich schwärmerischen und schwebenden Atmosphäre der Musik komplett vorbeiinszeniert. Gleichwohl bekam das Regieteam keine Buhs. Das Publikum zeigte sich einhellig begeistert. Musikalisch war der Premierenabend noch steigerungsfähig, alles in allem jedoch überzeugend.

Aron Sayed

Maurice Korbel

Das Bild zeigt: Lini Gong (Zerbinetta) und Cornelia Ptassek (Primadonna/Ariadne)

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