Aachen Stadttheater – DIE DREIGROSCHENOPER

von Kurt Weill, Text: Bertolt Brecht, Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern; UA: 31. August 1928
Regie: Deborah Epstein, Bühne: Florian Barth
Dirigent: Heribert Leuchter, Das Dreigroschenorchester
Solisten: Torsten Borm (Macheath, genannt Mackie Messer), Heinz Kloss (Jonathan Jeremiah Peachum), Elisabeth Ebeling (Celia Peachum), Elke Borkenstein (Polly Peachum), Karsten Meyer (Polizeichef Brown), Julia Brettschneider (Lucy), Bettina Scheuritzel (Die Spelunken-Jenny) u.a.
Besuchte Aufführung: 20. September 2008 (Premiere)

Kurzinhalt
aachen-die-dreigroschenoper.jpgDer Londoner Stadtteil Soho ist eine Brutstätte der Gauner und Ganoven. Jonathan Peachum ist Kopf der Londoner Bettler. Aber er hat Sorgen: seine Tochter Polly hat hinter seinem Rücken den Verbrecher Mackie Messer geheiratet. Zusammen mit seiner Frau beschließt er, Mackie an die Polizei auszuliefern. Daraufhin flieht Mackie in ein Hurenhaus. Die Hure Jenny, eine ehemalige Geliebte von Mackie, verrät ihn und Mackie wird verhaftet. Im Gefängnis besucht ihn Lucy, die Tochter des Polizeichefs und ebenfalls ehemalige Geliebte von Mackie. Mit ihrer Hilfe kann Mackie fliehen. Doch am Krönungstag der Königin wird Mackie erneut verhaftet und zum Tode verurteilt. Da erscheint Polizeichef Brown und verkündet, daß Mackie begnadigt und auch noch in den Adel erhoben werden soll.
Vorbemerkung
Bertold Brecht schrieb dieses Stück nach der Vorlage The Beggar’s Opera (Oper für Bettler) von Johann Christoph Pepusch (Musik) und John Gay (Text) aus dem Jahre 1728. Damals war sie eine Parodie auf die Händel Opern.
Aufführung
Die Bühne wurde durch ein Rondell in Bühnenmitte zu einer drehbaren Konstruktion mit zwei Geschossen umfunktioniert. Zu Beginn stellte der untere Teil eine Absteige dar, in der Regale mit Perücken und Verkleidungen standen. Im oberen Geschoß wurde das Schlafzimmer der Peachums und ihrer Tochter Polly in Rot- und Blautönen gezeigt. Zum Szenenwechsel änderte sich die Bühnenlandschaft in ein Bordell in Rotlichttönen. Später verwandelte sich die Wohnung in eine weiße Gefängniszelle. Die Schauplätze wirkten sehr authentisch und versetzten den Zuschauer in die zwielichtige Atmosphäre der Londoner Unterwelt. Auch die Kostüme paßten in dieses Bild: bei den Damen waren es teils sehr bunte und schrille Kostüme, bei den Herren abgenutzte Anzüge.
Ausführende
Wer Die Dreigroschenoper besucht, sollte wissen, daß ihn dort keine Belcanto- Gesangspartien erwarten. Dementsprechend bestand das Ensemble auch nicht aus ausgebildeten Opernsängern, sondern aus Schauspielern.
Gesanglich besonders überzeugend war Elke Borkenstein (Polly Peachum), die ihrer Rolle durch einen nasalen, leicht knatschigen Stimmeinsatz Ausdruck verlieh. Ihre mädchenhaft naive Masche konnte sie dadurch gut unter Beweis stellen. Auch schauspielerisch war sie die richtige Besetzung, da sie die aufgedrehte Polly mit sehr viel Witz spielte. Ebenso gelungen war die Darstellung von Torsten Borm (Macheath). Das überhebliche Verhalten des Gangsterbosses brachte er durch sein dominantes Auftreten von Anfang an auf den Punkt. Seine Stimme war passend dazu: schroff und rauh. Erwähnenswert ist auch die Leistung von Elisabeth Ebeling (Celia Peachum), deren dunkle und rauchige Stimme sehr hervorstechend war und gut in das Milieu der verruchten Vorstadt paßte. Die Rolle ihres Mannes übernahm Heinz Kloss (Jonathan Jeremiah Peachum) und gab als Bettlermafioso einen hinterlistigen und gewieften Geschäftsmann ab. Auch er schaffte es durch eine Mischung aus Gesang und Sprechgesang den Charakter seiner Rolle zu unterstreichen. Die Inszenierung war eine Widerspiegelung der Verhältnisse armer Leute in London. Dabei wurden sowohl komische Aspekte, als auch gesellschaftskritische hervorgehoben: auf der einen Seite wurden z.B. Tanzeinlagen zur Belustigung gezeigt, auf der anderen Seite durch bekannte Lebensweisheiten, wie etwa erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral ernstere Töne angeschlagen. Die Musik trug dabei immer zu der jeweiligen Stimmung bei. Das Orchester, das in der Dreigroschenoper ja kein klassisches ist, sondern durch den Einsatz von Saxophonen und Schlagzeug fast schon Jazz-Charakter hat, ist zu loben. Ganz ohne Dirigat spielte es die bekannten Melodien, wie die Moritat von Mackie Messer und der Haifisch, der hat Zähne leicht und präzise. Besonders der Klavierspieler – bei einzelnen Gesangspartien das einzige Begleitinstrument – zeigte große Virtuosität und ordnete sich den Sängern sehr gut unter.
Fazit
Eine gelungene Inszenierung, die dank einem Aufgebot großartiger Schauspieler und einem erstklassigen Orchesterensemble vom Publikum mit heftigem Applaus gefeiert wurde.
Melanie Joannidis
Bild: Will van Iersel
Das Bild zeigt: Heinz Kloss (Jeremiah Peachum) und Elisabeth Ebeling (Celia Peachum) in ihrer Firma Bettlers Freund

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