DAS RHEINGOLD – Mannheim, Nationaltheater

von Richard Wagner (1813-1883), Vorabend des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen , Libretto: R. Wagner, UA: 22. September 1869, München, Hoftheater

Regie, Bühne/Kostüme: Achim Freier, Dramaturgie: Regine Elzenheimer

Dirigent: Dan Ettinger, Orchester, Chor und Statisterie des Nationaltheaters Mannheim

Solisten: Thomas Jesatko (Wotan), Thomas Berau (Donner), Juhan Tralla (Froh), Jürgen Müller (Loge), Karsten Mewes (Alberich), Uwe Eikötter (Mime), Hans-Peter Scheidegger (Fasolt), In-Sung Sim (Fafner), Edna Prochnik (Fricka), Iris Kupke (Freia), Simone Schröder (Erda), Katharina Göres (Woglinde), Anna Theresa Møller (Wellgunde), Andrea Szántó (Floßhilde)

Besuchte Aufführung: 28. Oktober 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Das Gold schlummert noch in der Tiefe des Rheins, als die drei Rheintöchter von Alberich, dem Herren der Unterwelt Nibelheim, umworben werden. Leichtfertig verraten sie das Geheimnis um das Gold, wodurch es Alberich gelingt, durch den Schwur des ewigen Verzichts auf Liebe, den Raub zu begehen. Göttervater Wotan dagegen läßt sich von den Riesen Fasolt und Fafner einen neuen Herrschersitz bauen, jedoch ohne die beiden angemessen entlohnen zu können. Die Riesen entführen daraufhin Freia, die Hüterin der Äpfel der ewigen Jugend. So ist Wotan gezwungen, Alberichs Gold zu rauben, um den Fortbestand seiner Macht vorerst zu sichern. Beim Streit um den Hort wird Fasolt von Fafner erschlagen, Wotan ahnt bereits weiteres Unheil. Fassung bewahrend zieht die Götterfamilie auf einer Regenbogenbrücke in ihre neue Götterburg Wallhall.

Aufführung

Kein Gold, keine Burg, kein Nibelheim. Wenn sich mit dem Beginn des Vorspiels der Vorhang öffnet, ist der Zuschauer mit einer leeren Bühne konfrontiert. Metallene Planeten kreisen langsam, an einem Metallgerüst hängend, auf der Bühne umher. Der weite Raum wird erst durch die von oben herabschwebenden Rheintöchter belebt, die in Stahlkonstruktionen mit herabhängenden Flossenfortsätzen agieren. Aus einer der vielen Luken des Bühnenbodens kriecht Alberich hervor, der, wie alle anderen in den meisten Auftritten, sehr steif und führungslos wirkt. Die wahre Gestalt Wotans bleibt dem Betrachter dank seiner Ganzkörper-Rüstung verborgen. Ein handlicher Kubus mit Burgzinnen erinnert an Stifter-Darstellungen mittelalterlicher Buchmalerei. Loges qualmender Anzug mag da nochmals kurz für Aufsehen sorgen, verhindert aber nicht, daß nach kürzester Zeit ein harter Kampf gegen Langeweile beginnt.

Sänger und Orchester

Dan Ettinger überrascht mit einem wundervollen Wagner-Klang, der nicht zuletzt dank der relativ guten Akustik des Mannheimer Opernhauses aufhorchen  läßt. Ettingers Tempi sind langsam und getragen, er tendiert weniger zu einem Mischklang als zur Herausarbeitung detaillierter Instrumentalpassagen. So ist bei seiner Lesart der Regenbogenbrücke fast ausschließlich der Klang der Harfen zu hören, während die übrigen Stimmen im Hintergrund bleiben. Auch die Leistung der Sänger ist großenteils passabel: Katharina Göres, Anna-Theresa Møller, Andrea Szántó sind lyrisch geprägten Rheintöchtern. Ihnen steht ein düsterer Karsten Mewes (Alberich ) gegenüber, der es seiner Rolle gemäß nicht am Aspirieren mangeln läßt. Im Dialog mit Edna Prochnik (Fricka) läßt Thomas Jesatko (Wotan) seine Melodiebögen ein wenig holpern. Äußerst geschmeidig wirkt dagegen Iris Kupke (Freia), die mit kindlich-spielerischem Timbre den harten wagnerschen Sprechgesang mit musikalischer Schönheit beseelt.

Dagegen poltern die beiden Riesen Hans-Peter Scheidegger (Fasolt) und In-Sung Sim (Fafner), begleitet von den harten Paukenschlägen aus dem Orchestergraben, stimmlich passend durch ihre Partie. Dabei vergißt Fasolt nicht, das sinnliche Ein Weib zu gewinnen, das wonnig und mild mit Einfühlung und emotionaler Tiefe musikalisch umzusetzen.

Fazit

So bleibt die Jagd nach den Rheintöchtern ganz und gar ein musikalisches Ereignis, die von der Bühne her nichts zur Kenntnis genommen wird. Gleiches geschieht beim Raub des Goldes, wo doch gerade Das Rheingold ein Meisterwerk musikdramatischer Simplizität ist.

Wie gesagt, einem farbenreichen Klang aus dem Orchestergraben steht ein leerer Bühnenraum gegenüber. Die Darsteller tendieren oftmals zum konzertanten Singen, Interaktion findet man selten.

Auch wenn zu Beginn des Schlußapplauses die Worte So ein Mist durch den Saal schallten, überwogen gegen Ende begeisterte Jubelrufe.

Daniel Rilling

Bild: Hans Jörg Michel

Das Bild zeigt: Karsten Mewes (Alberich), Thomas Jesatko (Wotan), und Jürgen Müller (Loge)

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