KATJA KABANOWA – Karlsruhe, Badisches Staatstheater

von Leoš Janáček (1854-1928), Oper in drei Akten, Libretto vom Komponisten nach dem Schauspiel Gewitter von Alexander Ostrowskij, UA 23. November 1921, Nationaltheater Brünn

Regie: Georg Köhl, Bühne: Christian Floeren, Kostüme: Ursina Zürcher, Dramaturgie: Margrit Poremba, Licht: Gerd Meier

Dirigent: Justin Brown, Badische Staatskapelle und Badischer Staatsopernchor, Choreinstudierung: Ulrich Wagner,

Solisten: Ulrich Schneider (Dikoj, Bernhard Berchtold (Boris), Sonja Borowski-Tudor (Kabanicha), Matthias Wohlbrecht (Tichon), Christina Niessen (Katja), Andreas Heideker (Kudrjasch), Stefanie Schaefer (Barbara), Luiz Molz (Kuligin), Sarah Alexandra Hudarew (Glascha), Sigrun Maria Bornträger (Fekluscha), Doru Cepreaga (ein Mann)

Statisterie des Badischen Staatstheaters

Besuchte Aufführung: 11. Juni 2011 (Premiere)

Kurzinhalt

Katja Kabanowa ist in ihrer unglücklichen Ehe mit Tichon gefangen. Aber auch das Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter ist kein glückliches, denn Beleidigungen und Demütigungen seitens Kabanicha bestimmen den Alltag. Aus Eifersucht auf Katja schickt sie ihren Sohn fort. Katja vertraut ihrer Freundin Barbara, Pflegetochter im Hause Kabanow, ihre heimliche Liebe zu Boris an. Barbara gesteht daraufhin, daß sie unbemerkt den Schlüssel für das Gartentürchen hin zum Wolgaufer entwendet hat und arrangiert ein Treffen zwischen Katja und Boris. Während nun Dikoj, Boris’ Onkel Kabanicha besucht, treffen sich die Liebenden heimlich. Nach der Rückkehr Tichons scheint Katja völlig verändert. Als schließlich ein Gewitter aufzieht, suchen alle Schutz in einem zerfallenen Gebäude. Die Blitze als Zorn Gottes deutend, gesteht Katja in aller Öffentlichkeit ihren Ehebruch. Boris wird daraufhin nach Sibirien verbannt. Von ihrem Geliebten zurückgelassen und von der Familie ausgestoßen, bleibt ihr nur der Freitod in der Wolga.

Aufführung

Zu den ersten Klängen aus dem Orchestergraben hebt sich der Vorhang. Zunächst bleibt alles in Dunkelheit gehüllt, ein durchsichtiger Vorhang verschleiert zudem den Blick auf die Bühne. Dahinter zeigt sich ein gerüstartiges Gebilde mit vielen Treppen; auf einer Treppe, die ins Nichts führt, sitzt Katja in einem rot-schwarzen Kleid. Der Hintergrund bildet eine ständige Projektion von Gewitterquellwolken. Katja beginnt, ihre Umgebung zu inspizieren: zwei Sessel, ein Schreibtisch, Waschbecken und Toilette, aber auch ein Kleiderschrank werden schrittweise beleuchtet und zeigen das Haus Kabanow. Für die nächtliche Liebesszene am Wolgaufer wird von niedrigeren Gerüsten ein blauer Vorhang herabgelassen, der wie eine Hecke die Liebenden vor fremden Blicken schützt. Für den dritten Akt wird die Bühne geflutet – eine flache Rampe führt ins Wasser, das sich wie eine Spiegelfläche darstellt. Katja, nun in rosa-weißem Tüllkleid, stürzt sich bei ihrem Selbstmord kopfüber ins Wasser, taucht ab (in eine eigens dafür gemachte Konstruktion) und als Wasserleiche wieder auf.

Sänger und Orchester

Die Figur der Katja war mit Christina Niessen zweifellos hervorragend besetzt: intonationssicher, in den Höhen klar und mit zartem Schmelz interpretierte sie feinsinnig und mit großer Intensität ihre hochdramatische Rolle. Die große emotionale Spannbreite – ein ständiges Wechselbad zwischen moralischer Verpflichtung, Beleidigungen und sehnsüchtiger Liebe – transportiert Christina Niessen unmittelbar in ihre Stimme und verleiht ihrem Charakter dadurch Authentizität. Matthias Wohlbrecht (Tichon) als ihr Ehemann, der seiner herrschsüchtigen Mutter hauptsächlich durch Alkoholkonsum zu entgehen versucht, mimt einen charakterschwachen, latent aggressiven Feigling. Immer wieder in Rage geratend dienen ihm auch einige „unsaubere“ Töne der überzeugenden Darstellung seiner schreienden Hilflosigkeit. Schauspielerisch beeindruckend agiert Sonja Borowski-Tudor als dominante, herrschsüchtige Kabanicha. In tiefer Lage präsentiert sie ihren warmen Alt wunderbar majestätisch-zornig, in der hohen Lage ist sie nicht ganz so ausdrucksstark, der Figur der keifenden Schwiegermutter wird dies aber durchaus gerecht. Einen von jugendlichem Eifer ergriffen Liebhaber zeigt Bernhard Berchtold (Boris) dessen schlanker, klarer Tenor durch ein wunderbares Timbre besticht. Andreas Heideker (Kudrjasch), Stefanie Schaefer (Barbara) und Ulrich Schneider (Dikoj) ergänzen das Ensemble ausgezeichnet.

Justin Brown dirigiert die Badische Staatskapelle umsichtig mit großen lyrischen Passagen, aber im Ganzen dynamisch zu undifferenziert. Der, in der Musik enthaltene Nuancenreichtum, kann sich so nicht völlig entfalten, folkloristische Elemente bleiben zumeist verborgen.

Fazit

Janáčeks Oper um depressive Schicksalsergebenheit feierte eine erfolgreiche und bejubelte Premiere.

Isabell Seider

Bild: Jacqueline Krause-Burberg

Das Bild zeigt: Christina Niessen, Sonja Borowski-Tudor

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