DER VETTER AUS DINGSDA – Wuppertal, Opernhaus

von Eduard Künneke (1858-1924), Operette in drei Akten, Libretto: Hermann Haller und Rideamus (Fritz Oliven) nach dem gleichnamigen Lustspiel von Max Kempner-Hochstädt, UA: 15. April 1921, Berlin

Regie: Robin Telfer, Bühne: Monika Frenz, Kostüme: Tanja Liebermann, Dramaturgie: Johannes Blum, Choreographie: Norbert Steinwarz.

Dirigent: Tobias Deutschmann, Sinfonieorchester Wuppertal, Tanzstatisterie der Wuppertaler Bühnen

Solisten: Elena Fink (Julia de Weert), Dorothea Brandt (Hannchen), Olaf Haye (Onkel Josse), Michaela Mehring (Tante Wimpel), Miljan Milovic (Egon von Wildenhagen), Boris Leisenheimer (Fremder), Adam Sanchez (Zweiter Fremder), Miriam Scholz (Carlotta), Peter K. Hoffmann (Hans)

Besuchte Aufführung: 7. November 2010 (Premiere)

Kurzinhalt

Bis zur ihrer Volljährigkeit steht Julia de Weert unter der Vormundschaft von Onkel Josse, der somit auch ihr beträchtliches Vermögen verwaltet. Damit das Geld in der Familie bleibt, hat Onkel Josse seinen ihm unbekannten Neffen Anton Kuhbrot bestellt, auf daß er Julias Herz erobere. Parallel wird sie von Egon Wildenhagen umgarnt, einem tollpatschigem Verwandten ihres zweiten Vormundes. Doch sie liebt nur ihren Vetter Roderich, der seit sieben Jahren in Batavia auf Java weilt, ohne einmal geschrieben zu haben – auch wenn ihre beste Freundin Hannchen ihr versucht klarzumachen, daß daraus trotz seines Treueschwurs vor der Abreise wohl nichts mehr werden wird. Nun taucht der vermeintlich Fremde August Kuhbrot auf, in den sich Julia verliebt. Da er Hannchen ausgehorcht hat, gibt er sich als Roderich aus. Doch dann stellt sich heraus, daß das Schiff aus Batavia erst am nächsten Tag anlegen soll: Der vermeintliche Roderich muß gehen. Plötzlich taucht jedoch der echte Roderich auf, der den Schwur vor sieben Jahren nur für einen Kinderscherz gehalten hat und nichts für Julia empfindet, dafür jedoch für Hannchen. So wird am Ende aus August und Julia das eine und aus Hannchen und Roderich das andere Paar.

Aufführung

Die gesamte Bühne ist wie ein luftiger Gartenpavillon gestaltet. An den Rändern der Bühne wehen weiße Stoffvorhänge mit großen Durchgängen, durch die der Mond hindurchschimmert. Elegante Holzbohlen in unterschiedlicher Höhe und viele Pflanzen prägen das Bühnenbild, zudem ist in der Mitte ein Teich angelegt. Über ein paar fast versteckte Holzstege kann man eine kleine, drehbare Holzbühne in der Mitte des Teiches erreichen. Der Gartencharakter des Bühnenbildes wird mit Gartentischen, Holzliegen und Sonnenschirmen unterstrichen.

Sänger und Orchester

Insgesamt ist das gesamte Ensemble zu loben, es gibt keine schlechten Leistungen, sondern ein rundes Gesamtbild. Von dem Wuppertaler Sinfonieorchester würde man sich an einigen Stellen, wie bei der Enttarnung des falschen Roderichs, aber ein wenig mehr Aggressivität im Klangbild wünschen. Dafür wissen besonders die langen Melodielinien, die Dirigent Tobias Deutschmann mit dem Orchester gestaltet, und der beweglich-leichte Holzbläserklang, z.B. zu Beginn der Operette, zu gefallen.
Elena Fink (Julia de Weerth) zeigt die ganze Breite ihres Könnens. Von ihrem ersten Auftritt an zeigt sie ebenfalls ein Gespür für die lange Melodieführung. Und wenn der falsche Roderich enttarnt wird, ist sie durchaus in der Lage, anklagend aggressiv zu klingen und präsentiert zudem große stimmliche Kraftreserven. Über die verfügt Dorothea Brandt (Hannchen) vielleicht nicht in dem Maße, kann jedoch darstellerisch überzeugen und in dem Duett Onkel und Tante, ja, das sind Verwandte wirkt ihre Stimmführung flexibel und beweglich. Olaf Haye (Onkel Josse) gibt einen Vormund, der zwar die Stimme an wenigen Stellen eine Nuance zu dunkel einfärbt; dafür fällt er mit kräftigem, markantem Gesang angenehm auf, wenn er im Verlauf der Handlung in die Offensive geht, etwa bei seiner Passage Wenn du glaubst. Auch Adam Sanchez (Zweiter Fremder) färbt zu Beginn seiner Partie ein wenig dunkel ein, kann das jedoch während seines kurzen Auftrittes ablegen und auch als heiterer Tenor gefallen. Boris Leisenheimer (Ein Fremder) zeigt über die gesamte Dauer seiner Partie einen schönen, gründlich geschulten Stimmklang, ohne daß das Textverständnis darunter zu leiden hat. Besonders seine Interpretation des Hit-Schlagers Ich bin nur ein armer Wandergesell kam gut an.

Fazit

Eine geschlossene, gute Ensembleleistung in Verbindung mit einer unterhaltsam kurzweiligen Inszenierung sorgt für einen amüsanten Abend. Das Publikum honoriert die Leistung mit kräftigem Applaus, der allen Beteiligten des Ensembles und auch der Regie zugedacht wird, sowie mit einigen Bravo-Rufen für die Sänger der Hauptpartien.

Malte Wasem

Bild: Sonja Rothweiler

Das Bild zeigt: Hannchen (Dorothea Brandt) und Ein Fremder (Boris Leisenheimer)

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