NIOBE – Regina di Tebe – London Covent Garden – Royal Opera House

von Agostino Steffani eine Oper in drei Akten, Libretto: Luigi Orlandi, nach Ovids Metamorphose; UA: 5. Januar1688, Hoftheater München.

Regie: Lukas Hemleb, Bühne/Licht: Raimund Bauer Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer, Choreographie: Thomas Stache

Dirigent: Thomas Hengelbrock, Orchester: Balthasar Neumann Ensemble

Solisten: Véronique Gens (Niobe), Jacek Laszczkowski (Anfione), Amanda Forsythe (Manto), Iestyn Davies (Creonte), Lothar Odinius (Tiberino), Tim Mead (Clearte), Delphine Galou (Nerea), Bruno Taddia (Tiresia), Alastair Miles (Poliferno), u.a.

Besuchte Aufführung: 1. Oktober 2010 (Erste Inszenierung beim Festival Schwetzingen, 2008)

Kurzinhalt

Die etwas verworrene Handlung, die teilweise auf Ovids Metamorphose beruht, entführt uns weit in die griechisch mythologische Welt. Anfione, König von Theben, ist des Regierens müde und überträgt seiner Frau Niobe die Macht. An ihre Seite stellt er Clearte, ihren heimlichen Verehrer. Jedoch, die Feinde Thebens schlafen nicht, und Gefahr droht von zwei Seiten: von Tiberino, Prinz von Alba und von Creonte, Prinz von Thessalien. Während Tiberino an der Grenze Thebens aufgrund einer neu entflammenden Liebe zu Manto aufgehalten wird, greift Creonte unter dem Einfluß des bösen Magiers Poliferno Theben an. Anfione kehrt aus seinem Ruhestand zurück und beschwört mit seinem Gesang die Götter, welche Mauern um Theben hochschießen lassen. Die Gefahr scheint fürs erste gebannt und Niobe feiert Anfione als Gott, sehr zum Missfallen des Priesters Tiresias, Mantos Vater.

Anstatt in den Himmel erhoben zu werden um seinen Platz unter den Göttern einzunehmen, wird Anfione durch einen Trick Polifernos von bösen Geistern entführt. Währendessen verführt ein als Gott Mars verkleideter Creonte mit Hilfe Polifernos die Königin Niobe. Der Zauber gelingt, und Niobe verliebt sich in Creonte.

Die Liebesaffäre wird jäh von Poliferno unterbrochen, der zur Flucht ruft, weil die Götter sich rächen wollen. Poliferno und Creonte fliehen und der Bann ist gebrochen. Anfione findet die ohnmächtige und über Polifernos Magie verzweifelte Niobe.

Eine Opferzeremonie Mantos vor der Göttin Latona wird von der wütenden Niobe unterbrochen: nur sie selbst soll als Göttin verehrt werden. Manto prophezeit die Rache der Götter an Niobe und ihrer Familie. Der Palast brennt nieder, Niobes Kinder sterben im Feuer, Anfione ersticht sich und Niobe wird aus Gram zu Stein. Creonte wird neuer Herrscher in Theben. Er verbannt Poliferno und gibt seinen Segen für die Heirat Tiberinos mit Manto.

Vorbemerkung

Die fast gänzlich unbekannte Oper Agostino Steffanis bietet seltene und anspruchsvolle Klänge, nicht zuletzt aufgrund des für seine Zeit recht großen Orchesters mit Blechbläsern und Trommeln. Das Werk wurde bis 2008 wahrscheinlich mehr als 300 Jahre nicht aufgeführt.

Die Aufführung

Hemlebs Schwetzinger Festival Inszenierung von vor zwei Jahren wirkte üppig, ja fast verschwenderisch. Das Bühnenbild überraschte mit Licht, Rauch, Feuer, Spiegel oder Heliumballoneffekten. Auch eine überdimensionierte Discokugel wirkte nicht unbedingt deplaziert.

Véronique Gens (Niobe) dominierte mit ihrem außerordentlich ausdrucksstarken und schönen Sopran weite Teile der Oper. Die wirkliche Überraschung der Oper war jedoch der selten gehörte männliche Sopran der Titelrolle. Jacek Laszczkowski sang die Rolle des Anfione mit kristallklar hoher und sehr ausdrucksvoller Stimme und bot ein eindrucksvolles Klangerlebnis. Seine Arien wirken oft feierlich, teilweise sphärisch wie beispielsweise im Palast der Harmonie.

Der Sopran Anfione steht im Kampf und Konkurrenz mit zwei Countertenören, Iestyn Davies (Creonte) und Time Mead (Clearte), beide wunderschön gesungen, letzterer jedoch etwas ausdrucksvoller und klarer. Gesanglich war die Besetzung fast ausschließlich auf sehr hohem Niveau, obwohl eher traditionelle Stimmlagen (Tenor, Baß etc.) trotz vorzüglich sauber gesungener Arien und ostinato Bässe gegen die männliche Sopranerfahrung fast notwendigerweise abfallen. Schauspielerisch hingegen wirkten die Sänger mit wenigen Ausnahmen oft statisch. Dies ist jedoch vielleicht gewollt und nicht ganz ungewöhnlich bei Inszenierungen von Opern dieser Zeit. Thomas Hengelbrock dirigierte ein beispiellos genaues und einfühlsames Balthasar Neumann Ensemble, welches die farbenfrohen ungewöhnlichen und teilweise verworrenen Sätze von Steffanis Oper virtuos mit ihren Barockinstrumenten umsetzte.

Fazit

Die Aufführung, eine Wagnis bzgl. der Inszenierung dieser seltenen und sehr ungewöhnlichen Oper im Royal Opera House war ein großer musikalischer Erfolg, und das recht heterogene, doch scheinbar gut informierte Publikum honorierte dies mit stürmischen Applaus.

Dr. Dominik Zenner

Bild: Bill Cooper

Das Bild zeigt: Véronique Gens (Niobe) und Jacek Laszczkowski (Anfione), im Palast der Harmonie

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