LA BOHÈME – Wuppertal, Opernhaus

von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in vier Bildern, Libretto: Luigi Illica und Giuseppe Giacosa nach Henri Murgers Scènes de la vie de bohème,

UA: 1. Februar 1896, Turin

Regie: Jan David Schmitz, Bühne/Kostüme: Carolin Roider, Dramaturgie: Ulrike Olbrich

Dirigent: Hilary Griffiths, Sinfonieorchester Wuppertal, Chor, Extrachor und Kinderchor der Wuppertaler Bühnen, Studenten der Hochschule für Musik und Tanz Köln,Choreinstudierung: Jens Bingert

Solisten: Iago Ramos (Rodolfo), Sylvia Hamvasi (Mimì), Kay Stiefermann (Marcello), Elena Fink (Musetta), Olaf Haye (Schaunard), Michael Tews (Colline), Aldo Tiziani (Benoît), Jung-Wook Kim (Parpignol), Javier Zapata Vera (Sergente/Doganiere)

Besuchte Aufführung: 19. September 2010 (Premiere)

Kurzinhalt

Die vier Pariser Bohemiens Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline führen ein Leben für die Kunst und leiden dafür die meiste Zeit materielle Armut. Heiligabend gehen die drei Freunde Rodolfos schon aus, während er noch einen Leitartikel fertig stellen möchte. Da klopft die unbekannte Nachbarin Mimì an die Tür, beide verlieben sich ineinander. Doch Mimì ist schwer krank, was das Paar vor große Schwierigkeiten stellt, bis sie sich nach einiger Zeit wieder trennen. Auch das andere Pärchen in der Oper, Musetta und Marcello, durchleben ein permanentes Auf und Ab bis zur endgültigen Trennung. Einige Monate später bringt unerwartet Musetta die sterbende Mimì in die Wohnung der vier Bohemiens, wo sie ihrem letzten Wunsch nach in Gegenwart Rodolfos verstirbt.

Aufführung

Durch ein Baugerüst erhöht, wohnen Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline in einem großen, Raum mit reduzierter Ausstattung. Alleine ihre Parole „Bereichert euch!“ in großen Lettern auf rotem Grund bringt ein wenig warme Atmosphäre in ihre Tristesse. Unter ihnen haust auf kleinstmöglichstem Raum Mimì ohne jegliche Einrichtung. Im zweiten und dritten Akt dient das umgedrehte Baugerüst als Häuserwand für das Pariser Künstlerviertel Quartier Latin, während eine Empore mit großer Schwenktür das Café Momus darstellt. Auch die Kostüme wissen zu gefallen.

Sänger und Orchester

Im Verlauf des Abends hat man zunehmend das Gefühl, das Wuppertaler Sinfonieorchester unter der Leitung von Hilary Griffiths möchte den Sängern die Schau stehlen, so sehr weiß ihre Darbietung zu überzeugen. Lediglich zu Beginn der Oper, während der Verbrennung von Rodolfos Manuskript, wirkt der Streicherklang leicht unkontrolliert. Was die Bläserkollegen bereits hier präsentieren, ist jedoch kurz danach für das gesamte Orchester festzuhalten: Ein hervorragend ausgewogener Gesamtklang, der aus einem einzigen Klangkörper ertönt und nicht von vielen einzelnen Musikern produziert wird. Besonders gefällt die Klage Mimìs gegen Rodolfo im dritten Akt. Hier bereichert das Orchester die Verzweiflung Mimìs um eine weitere, tiefer gehende Dimension an.

Das Ensemble fällt dagegen jedoch nicht ab. Besonders Kay Stiefermann (Marcello) zeigt sich wieder einmal von seiner besten Seite und weiß mit vollem Baritonklang sehr zu gefallen. Selbst im Finale des zweiten Aktes ist es ihm scheinbar problemlos möglich, das aufspielende Orchester zu übertönen, ohne auch nur einmal das Gefühl von Anstrengung zu vermitteln. Iago Ramos (Rodolfo) führt sich mit sehr schlanker Stimme in den Abend ein. Doch ab Che gelida manina – Wie eiskalt ist dies Händchen präsentiert er einen warmen Tenor mit sattem Klang. Im dritten Akt präsentiert er zudem bis dahin ungeahnte Sanglichkeit. Das auch Sylvia Hamvasi (Mimì) sich an dieser Stelle mit lyrischem Sopran präsentiert, macht ihren Abschied voneinander zu einem der gelungensten Momente des Abends. Ihr schmaler Klang überzeugt auch zu Beginn von Mi chiamano Mimì – Sie nennen mich Mimì. Lediglich an den Forte-Stellen benötigt sie sehr viel Vibrato, um das Orchester zu übertönen. Die beiden anderen Bohemiens fallen gegen ihre Freunde leicht ab. Michael Tews (Colline) ist an einigen Stellen zu dumpf, von Olaf Haye (Schaunard) würde man manchmal eine hellere Klangfärbung wünschen, doch trübt dies das Gesamtbild nur leicht ein.

Fazit

Die genannten Mängel sind von geringer Natur und leicht zu verschmerzen. Das Publikum sieht das genauso und spendet dem Ensemble lange anhaltenden Applaus. Allein die Leistung des Orchesters ist einen Besuch der Oper wert, dazu kommen ein gutes Sängerensemble und eine ansprechende Inszenierung. Die Inszenierung ist klassisch gehalten und hat lediglich in der Personenführung wenige minimale Ungereimtheiten.

Malte Wasem

Bild: Sonja Rothweiler

Das Bild zeigt: Mimi (Sylvia Hamvasi), Marcello (Kay Stiefermann), Schaunard (Olaf Haye) und Musetta (Elena Fink) v.l.n.r.

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