Mitridate, Rè di Ponto, König von Ponto – Paris, Théâtre des Champs-Élysées

von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Opera seria in drei Akten, Libretto: Vittorio Amadeo Cigna-Santi, UA: 26. Dezember 1770 Mailand, Teatro Regio Ducale

Regie: Clément Hervieu-Léger, Bühne: Eric Ruf, Kostüme: Caroline de Vivaise, Choreographie: Frédérique Plain, , Licht: Bertrand Couderc

Dirigent: Emanuelle Haïm, Le Concert D’Astrée

Solisten: Michael Spyres (Mitridate), Patricia Petibon (Aspasia), Myrtò Papatanasiu (Sifare), Christophe Dumaux (Farnace), Sabine Devieilhe (Ismene), Cyrille Dubois (Marzio), Jaël Azzaretti (Arbate)

Besuchte Aufführung: 16. Februar 2016 (Premiere)

Vorbemerkung

MITHRIDATE -  De Wolfgang Amadeus MOZART -  Livret de Vittorio Amedeo CIGNA SANTI -  Direction musicale : Emmanuelle HAIM -  Dramaturgie : Frederique PLAIN -  Mise en scene : Clement HERVIEU LEGER -  Decors : Eric RUF -  Costumes : Caroline DE VIVAISE -  Lumieres : Bertrand COUDERC -  Avec :  Patricia PETIBON (Aspasie) -  Myrto PAPATANASIU (Xiphares) -  Christophe DUMAUX (Pharnace) -  Cyrille DUBOIS (Marzio) -  Le : 08 02 2016 -  Au Theatre des Champs Elysees -  Photo : Vincent PONTET

MITHRIDATE –
De Wolfgang Amadeus MOZART –
Livret de Vittorio Amedeo CIGNA SANTI –
Direction musicale : Emmanuelle HAIM –
Dramaturgie : Frederique PLAIN –
Mise en scene : Clement HERVIEU LEGER –
Decors : Eric RUF –
Costumes : Caroline DE VIVAISE –
Lumieres : Bertrand COUDERC –
Avec :
Patricia PETIBON (Aspasie) –
Myrto PAPATANASIU (Xiphares) –
Christophe DUMAUX (Pharnace) –
Cyrille DUBOIS (Marzio) –
Le : 08 02 2016 –
Au Theatre des Champs Elysees –
Photo : Vincent PONTET

Diese erste große Oper des erst 14-jährigen Mozart wird selten aufgeführt. Nicht, weil das Werk nicht hörenswert wäre, im Gegenteil, es läßt schon den späteren, reifen Mozart ahnen, sondern weil es gesanglich eine ungeheuer schwierige Partitur ist. Mozart komponierte damals am Teatro Regio Ducale in Mailand (Vorgänger der später von der Kaiserin Maria-Theresia gegründeten La Scala) zum ersten Mal für ein außergewöhnlich gutes Sängerensemble, und so entstand ein Werk, das zweifellos noch weitgehend von der koloraturfreudigen Barockoper beeinflußt ist (Händel war ja erst 11 Jahre tot). Diese frühe Mozartoper besteht fast nur aus zum Teil überaus schwierigen Bravourarien, wie das verwöhnte Publikum des Teatro Regio Ducale das so wünschte. Für den Karneval von 1770 geschrieben wurde sie ein großer Erfolg.

Kurzinhalt

Als der mißtrauische König Mitridate gegen Rom in den Krieg zieht, läßt er seine Verlobte Aspasia in der Obhut seiner Söhne Sifare und Farnace zurück. Als der Tod des Königs verkündet wird, wirbt Farnace sofort um Aspasia. Sie stellt sich aber unter den Schutz Sifares. Doch Mitridate ist nicht tot. Er kehrt mit Ismene, der Tochter des Partherkönigs und Verlobten Farnaces zurück und erfährt den Verrat seines Sohnes, der außerdem mit den Römern paktiert. Farnace will nichts mehr von Ismene wissen. Mitridate beauftragt Sifare, seinen Bruder zu töten und Aspasia, die jetzt zögert, den König zu heiraten, umzustimmen. In der folgenden Unterredung erklären sie einander ihre Liebe, doch Sifare verzichtet auf diese Liebe, während Aspasia unschlüssig ist. Farnace beschuldigt nun seinen Bruder das erreicht zu haben, wessen Mitridate ihn beschuldigt. Der König fordert darauf zum Schein Aspasia auf, nicht ihn, sondern einen seiner Söhne zu heiraten. Sie offenbart ihre Liebe für Sifare. Der König ist wütend und nun soll sie gemeinsam mit Sifare sterben. Ismene und Sifare verhindern, daß Aspasia sich vergiftet. Farnace gibt seinen Pakt mit den Römern auf und kehrt ins väterliche Lager zurück. Sifare gelingt es, die feindliche Flotte zu verbrennen und somit den Sieg über die Römer zu erringen. Sein Vater wird tödlich verwundet. Sterbend vergibt er seinen Söhnen und vertraut Sifare Aspasia an.

Aufführung

Die Handlung spielt in Inneren eines etwas verstaubt wirkenden Palazzo, rechts eine Prunk-Fassade mit Säulen, Balkon und vielen Türen, links der Blick auf eine Theaterbühne, die aber nie benutzt wird, mit einigen leeren Sitzreihen davor. In der Mitte ein Aufbau von groben Holzgestellen, die dem Ganzen den Eindruck einer schlecht aufgeräumten Werkstatt verleihen. Die Kostüme sind modern und eher farblos. Nur Ismene trägt im letzten Akt einen leuchtend gelben, langen Rock mit einer gestickten weißen Bluse und Aspasia ein giftgrünes Überkleid.

In einer fast neurotischen Besessenheit läßt der Regisseur die Sänger und Sängerinnen sich fast ununterbrochen auf offener Bühne aus-, an- oder umziehen. Die Beleuchtung der Bühne ist weitgehend halbdunkel. Durch das Hinzuziehen einiger Statisten, die das Geschehen  in Bewegung bringen, und durch die Choreographie wird die Oper belebt.

Sänger und Orchester

Das Ensemble der Sängerinnen und Sänger ist von großer stimmlicher Qualität und gut auf einander eingespielt. Emanuelle Haïm leitet dieses Ensemble leidenschaftlich, aber präzise und läßt durch eine wohl dosierte Orchesterbegleitung die Stimmen voll zur Geltung kommen. Michael Spyres’ in den hohen wie in den tiefen Lagen gut kontrollierter und klangvoller Tenor tritt sowohl im lyrischen Se di lauri il crine adorno (1. Akt, 10. Szene) als auch in der fast schon den wütenden Osmin in der Entführung vorwegnehmenden Arie Quel ribelle (1. Akt, 13. Szene) eindrucksvoll in Erscheinung. Patricia Petitbon spielt und singt mit Nuance und auch in den schwierigen Koloraturen mit weicher, beherrschter Stimme die zwischen Liebe und Pflichtgefühl hin und her gerissene Aspasia wie in Nel sen mi palpita dolente il core (1. Akt, 4. Szene). Ihr Geliebter Sifare wird bewegend von Myrtò Papatanasiu mit schöner, etwas herber, sehr beweglicher Sopranstimme interpretiert. Sie glänzt besonders in der von obligaten Hörnern begleiteten Arie Lungi da te, mio bene (2. Akt, 7. Szene), als auch im Liebesduett mit Aspasia am Ende des zweiten Akts, in dem die beiden Sopranstimmen stimmungsvoll verschmelzen. Christoph Dumaux ist mit dunklem, tiefem Kontratenor der verräterische Farnace, wie in der hinreißenden, fast noch an Händel erinnernden Dacapo Arie Venga pur, minacci e frema (1. Akt, 9. Szene). Glockenklar und mit einzigartigen pianissimi  auch in den Spitzentönen erfreut. Sabine Devieilhe als Ismene. Ihre Stimme hat offensichtlich noch an Reife und Sicherheit gewonnen seit ihrem bemerkenswerten Debut in Léo Delibes‘ Lakmé vor zwei Jahren. Cyrille Dubois als Marcius und Jaël Azzaretti als Arbate runden das ausgezeichnete Ensemble ab.

Fazit

Abgesehen von der Inszenierung, der es an Glanz fehlt, die aber nicht störend wirkt, ist die Neuaufnahme dieser selten aufgeführten Mozartoper eine wahre Freude.

Alexander Jordis-Lohausen
Bild: Vincent Pontet
Das Bild zeigt: Mitte links Mirtò Papatanasiu (Safire), Mitte rechts Patricia Petibon (Aspasia)

 

Veröffentlicht unter Opern, Paris, Théâtre des Champs-Élysées
Turandot (G. Puccini)
Musikalische Leitung: Axel Kober / Wen-Pin Chien, Inszenierung: Huan-Hsiung Li, Turandot: Linda Watson, Altoum: Bruce Rankin, Timur: Sami Luttinen, Kalaf: Zoran Todorovich, Liù: Brigitta Kele, Ping: Bogdan Baciu, Pang: Florian Simson, Pong: Cornel Frey, Mandarin: Daniel Djambazian, Prinz von Persien: Hubert Walawski, Tänzerin: Yi-An Chen