MADAMA BUTTERFLY – Leipzig, Oper

von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in zwei Akten, Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, UA: 17. Februar 1904 Mailand, Teatro alla scala

Regie: Aron Stiehl, Bühne: Frank Philipp Schlößmann, Kostüme: Sven Bindseil

Dirigent: Anthony Bramall, Gewandhausorchester und Chor der Oper Leipzig

Solisten: Karah Son (Cho-Cho-San), Susanne Gritschneider (Suzuki), Gaston Rivero (Pinkerton), Carolin Schumann (Kate), Sebastian Fuchsberger (Yamadori), Jürgen Kurth (Konsul Sharpless), Dan Karlström (Goro), Milcho Borovinov(Bonzo), Ricardo Llamas Márquez (Kommissar)

Besuchte Aufführung: 22. März 2015 (Premiere: 14. März 2015)

Leipzig Madama ButterflyKurzinhalt

Der Marineoffizier Pinkerton hat in Nagasaki ein Haus samt Dienerschaft erworben. Er heiratet die Geisha Cho-Cho-San, genannt Butterfly, unter Anwesenheit einiger Gäste. Pinkerton und Butterfly verbringen danach die Hochzeitsnacht. Es vergehen drei Jahre und Pinkerton schickt seiner Rückkehr einen Brief voraus, zu dessen Verlesung der Konsul nicht kommt, da Butterfly ihn mit aufgeregten Fragen bestürmt und ihm das aus der Hochzeitsnacht hervorgegangene Kind zeigt. Der Brief kündigt an, was nun folgt: Pinkerton trifft mit seiner amerikanischen Ehefrau Kate ein. Tief betroffen will Butterfly das Kind Kate und Pinkerton überlassen. Sie selber aber ersticht sich aus enttäuschter Liebe.

Aufführung

Im ersten Akt markiert ein auf der Bühne geparktes Auto Pinkertons Ankunft in Nagasaki. Mehrere lebensgroße Pappfiguren unterschiedlicher Frauentypen verkörpern dabei den exotischen „Heiratsmarkt“. Das Bühnenbild wird im weiteren Verlauf des Stückes im zentralen Bereich von mehreren Stellwandelementen aus Holz und Reispapier dominiert, die Pinkertons Haus bilden. Diese Unterkunft, die im weiteren Handlungsverlauf mit amerikanisierenden Ausstattungselementen eingerichtet ist, zerfällt nach Pinkertons erster Abreise, so daß sie mittig zu beiden Seiten auseinanderkippt.

Sänger und Orchester

Puccinis Oper steht und fällt mit dem Spannungsfeld, das durch das Zusammentreffen von westlichen Anschauungen und östlicher Lebensphilosophie geprägt ist. Diesen Umstand machen sich die beiden Hauptakteure zu eigen. So markiert Karah Son mit ihrem funkelnd wendigen Sopran eine zwischen Zuversicht und stiller Sehnsucht getriebene Butterfly. Im Liebesduett mit Pinkerton am Ende des ersten Aktes leuchtet die Stimme in den Höhen heller als die Sterne im Bühnenhintergrund, wobei die sich weit öffnende Sopranstimme in den Folgeakten mit vollem, dramatisch fokussierenden Klangrausch aufwartet. Gaston Rivero ist der kongeniale Gegenpart zu Karah Son. Sein Spiel zeigt den Wandel vom unbedarften Dandy zum zerrissenen Familienvater. Mit glänzend schillernden Höhen und einem breiten Basisvolumen erschließt sein Tenor den von klarem Duktus bestimmten Klanghimmel, der in den Duetten mit der Titelsängerin nahezu magisch erscheinende, getragene musikalische Momente schafft. Auch Susanne Gritschneider lenkt die Aufmerksamkeit mit ihrem warm timbrierten Mezzosopran auf sich, der mit nachhaltig getragenem Druck grazile Wendigkeit beweist. Ihrer Leistung stehen auch die weiteren Sänger in keiner Weise nach. So gelingt es Jürgen Kurth als von Fürsorge getriebenen Sharpless mit gebrochen akzentuiertem, lichten Bariton, seine Hin- und Hergerissenheit gekonnt zum Ausdruck zu bringen. Tenor Dan Karlström verkörpert dazu in idealer Weise den windigen Geschäftsmann, der einem sogar seine Großmutter vermachen würde.

Das Gewandhausorchester unter Anthony Bramall versteht es, sich mittels durchzugsstarken Spiels nicht in schwülstiger, musikalischer Sentimentalitäten zu verlieren. Vielmehr wird eine frei atmende Atmosphäre geschaffen, welche die Sänger in den Vordergrund stellt. Der Opernchor beweist dazu schwebend lyrische Qualitäten, gepaart mit zupackend dramatischer Akzentuierung.

Fazit

Die Inszenierung löst sich, obwohl sie bewußt klischeehaft das Spannungsfeld ehemaliger west-östlicher Lebensphilosophie bedient, von Raum und Zeit und erhebt die gezielt dramatisch überhöhte Handlung zu einem grundlegenden Konflikt, nicht zwischen Kulturen, sondern vielmehr zwischen Menschen und ihren Handlungen und deren Ansichten. Zusammen mit der teilweise überragenden musikalischen Leistung von Sängern und Orchester gelingt ein fulminanter Opernabend, der mit großen Bildern zu Recht mit tosendem Applaus bedacht wurde.

Dr. Andreas Gerth

Bild: Kirsten Nijhof

Das Bild zeigt: Karah Son (Cho-Cho-San) und Gaston Rivero (Pinkerton)

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