I MASNADIERI – DIE RÄUBER – Weimar, Nationaltheater

von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodramma tragico in 4 Akten, Libretto: Andrea Maffei nach dem Schauspiel Die Räuber (1780) von Friedrich von Schiller, UA: 22. Juli 1847 London, Her Majesty’s Theatre

Regie: Volker Lösch, Bühne/Videokonzeption: Carola Reuther

Dirigent: Martin Hoff, Staatskapelle Weimar, Opernchor des DNT, Einstudierung: Markus Oppeneiger

Solisten: Daeyoung Kim (Maximilian, Graf von Moor), Jaesig Lee (Karl), Alik Abdukayumov  (Franz), Heike Porstein (Amalia, eine Waise, Nichte des Grafen), Jörn Eichler (Hermann), Alexander Günther (Roller), (Pfarrer Moser, Rolle gestrichen) u.a.

Besuchte Aufführung: 31. Januar 2015 (Premiere)

DNT Weimar / DIE RÄUBER (I Masnadieri) von Giuseppe Verdi / Musikalische Leitung: Martin Hoff / Regie: Volker Lösch / Bühne: Carola Reuther / Kostüme: Cary Gayler / Premiere: 31.1.2015, Großes Haus / auf dem Foto: Jaesig Lee (Karl Moor), Alexander Günther (Roller), Herren des DNT-Opernchores / Foto: Matthias HornKurzinhalt

Durch eine Intrige erreicht Franz, daß sein älterer Bruder Karl nicht mehr nach Hause zurückkehren kann. Karl schließt sich einer Räubertruppe an. Der Diener Hermann teilt im Auftrag von Franz seinem Vater mit, daß Karl sei im Kampf gefallen sei, fällt dieser in Ohnmacht. Alle halten ihn für tot, doch Franz kerkert seinen Vater im Schloßkeller ein. Danach will er Amalia zwingen, ihn zu heiraten, was sie wütend ablehnt. Sie flieht in die Wälder und trifft auf Karl mit seiner Bande. Karl begibt sich zum Schloß, wo er seinen Vater findet, gibt sich ihm aber nicht zu erkennen. Franz aber kann der Räuberbande entgehen. Da er sich von seiner Räuberbande nicht trennen kann, aber Amalie nicht integrieren will, ersticht er Amalie.

Aufführung

Bei dieser Aufführung kann man eigentlich nicht von einem üblichen Bühnenbild oder normaler szenischer Umsetzung der Anweisungen im Libretto sprechen.

Eine leere Bühne wird farbig ausgeleuchtet. Dabei werden Bilder von Gebäuden oder Landschaften Thüringens wie der Wartburg oder dem Lager Buchenwald eingeblendet. Zentraler Bestandteil sind die comicartigen Sprechblasen, mit Texte, die Personen zuordnet werden. Grundlage dabei ist die grob vereinfachte Übersetzung des Librettos. Durch eine andere Schrift erkennbar, werden Zitate und Aussagen aller derzeitigen politischen Strömungen zu den Themen Deutschland, Demokratie, politische Entwicklungen, Gewalt, Hoffnung und Ängste gezeigt: Eine Gegenüberstellung politischer Standpunkte. Auch die Kostüme entstammen dem Hier und Jetzt: Die Räuberbande ist eine rechtsradikale Schlägerbande, die Bürger schwanken zwischen Pegida-Demonstranten und Zuwanderern mit Kopftuch oder in Vollverschleierung. Karl Moor paßt mit vielen Tätowierungen und Tarnfleck-Hose zu den Räubern, während Franz Moor, der Regent Moor und Hermann Politiker-Anzüge tragen. Amalia kleidet sich im Schlabberlook mit Anti-Hakenkreuz-Pullover.

Sänger und Orchester

I Masnadieri mag zwar eine frühe Verdi-Oper sein, jedoch ist die Tenor-Rolle des Franz Moor sehr anspruchsvoll. Jaesig Lee gestaltet diese Rolle so, wie es sein sollte: Strahlend hell und mit viel italienischem Schmelz in der Kehle: Gerade der Dialog mit Amalia im dritten Akt erfährt heftigen Szenen-Applaus. Heike Porstein ist mit ihrem harten, kräftigen Sopran eher die leidende Liebhaberin als die kindliche Ziehtochter Amalia. Überzeugend spielt der südkoreanische Baß Daeyoung Kim mit seiner volltönenden Stimme den sterbenden Regenten Moor, auch wenn ihm ab und zu in der Tiefe die Luft ausgeht. Alik Abdukayumov kann den vielschichtigen Franz Moor mit schwarzer Bösartigkeit überzeugend zeichnen. Gleiches gelingt Alexander Günther als durchschlagsstarker und erzählfreudiger Bariton mit dem bösen Räuber Roller oder Jörn Eichler als devoten Diener Hermann. Einen sehr positiven Eindruck hinterläßt der, der mit exakten Einsätzen und im Zusammenspiel von Solisten und Orchester glänzt. Der führende Gestalter des Abends und schlagenden Beweises, daß sich die Beschäftigung mit dem frühen Verdi lohnt, ist ohne Zweifel Martin Hoff, der mit viel Dynamik und Klangbildern des Verismo Solisten, Chor und Orchester auch im Sturm der Tempoverschärfungen zusammenhält.

Fazit

Musikalisch ist die Wiedergabe der Interpretation in der italienischen Originalsprache der frühen Verdi-Oper bis auf kleine Striche (die Rolle des Pfarrer Moser ist gestrichen) originalgetreu und schon wegen Jaesig Lee als Karl ein Erfolg. Die Übertitelung mittels Sprechblasen, die, neben der rudimentären Übersetzung des Librettos, auch Zitate von Vertretern aller politischen Parteien und Spektren enthalten, spiegeln den derzeitigen innenpolitischen Streit in Deutschland wieder, speziell in Sachsen und Thüringen. Die Grundsatz-Frage ist aber, ob eine gut gemeinte politische Stellungnahme auch hilfreich für eine Opern ist. So  führt die übergestülpte, slapstickartige Personenführung, die die Rahmenhandlung der Oper ad absurdum führt, zur Erheiterung des Publikums. Heftiger und langer Beifall des gesamten Auditoriums.

Oliver Hohlbach

Bild: Matthias Horn

Das Bild zeigt: Jaesig Lee (Karl Moor), Herren des Opernchores

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