EUGEN ONEGIN – Weimar, Deutsches Nationaltheater

von Peter Iljitsch Tschaikowski (1840 – 1893), Lyrische Szenen in 3 Akten, Libretto vom Komponisten und Konstantin S. Schilowski nach dem Roman von Alexander Puschkin, UA: 29. März 1879, Moskau, Maly-Theater

Regie: Susanne Øglænd, Bühne: Alissa Kolbusch, Kostüme: Sophie du Vinage, Dramaturgie: Mark Schachtsiek, Dirigent: Stefan Solyom, Opernchor des Deutschen Nationaltheaters Weimar, Choreinstudierung: Markus Oppeneiger

Solisten: Julia Oesch (Larina), Larissa Krokhina (Tatjana), Karin Neubauer (Olga), Christine Hansmann (Filipjewna), Uwe Schenker-Primus (Eugen Onegin), Szabolcs Brickner (Lenski), Hidekazu Tsumaya (Fürst Gremin), Philipp Meierhöfer (Ein Hauptmann/Saretzki), (Saretzki), Frieder Aurich (Triquet)

Besuchte Aufführung: 19. Juni 2010 (Premiere, in russischer Sprache)

Kurzinhalt

Die Gutsbesitzerin Larina hat zwei Töchter: Olga und Tatjana. Sie geraten in Aufregung, als Olgas Verlobter Lenski seinen Freund Eugen Onegin vorstellt, der auf Tatjana tiefen Eindruck macht. Tatjana schreibt des Nachts einen Brief, in dem sie ihm ihre Gefühle gesteht, doch Onegin weist sie zurück. Auf einem Ball spielt Onegin Lenski einen Streich, indem er um dessen Verlobte Olga wirbt. Daraufhin fordert Lenski Onegin zum Duell, bei dem Lenski stirbt. Nachdem Onegin wegen des Duells das Land verlassen mußte, kehrt er nach Jahren wieder zurück. Auf einem Fest in einem Adelspalast trifft er erneut auf Tatjana, die inzwischen mit dem Fürsten Gremin verheiratet ist. Plötzlich gesteht Onegin ihr seine Liebe, und auch bei Tatjana werden die alten Gefühle wach. Doch sie erinnert ihn an sein einstiges kränkendes Verhalten und weist ihn endgültig ab.

Aufführung

Das Geschehen spielt sich hauptsächlich auf einer Drehbühne ab, die fließende Übergänge der Bühnenbilder ermöglicht. Die beiden Seiten der Bühne sind spiegelverkehrt angelegt und durch Glastüren voneinander getrennt. An den Seiten befindet sich eine Treppe, die auf einen Balkon führt. Das Bühnenbild wird u.a. durch Gemälde, Wandbilder und Lampen bereichert. Hinzu kommen verschiedene Bildprojektionen, die unterschiedliche Landschaften und Regieanweisungen einblenden. Die Kostüme sind abwechslungsreich gestaltet und kontrastieren miteinander. Im ersten Akt sind sie gänzlich im 50er Jahre-Stil gehalten. Olga und Tatjana tragen türkisfarbene knielange Röcke, Lederjacke und schwarze Stiefel. Eugen Onegin erinnert mit Kleidung und Frisur an Elvis Presley. Ein Bild von Elvis unterstreicht sein charismatisches Auftreten. Die Gutsbesitzerin Larina trägt einen weinroten Hosenanzug und eine schwarze Haube. Eine Gehhilfe spielt auf ihr fortgeschrittenes Alter an. Im zweiten Akt kommt nur mittels Pelzmützen und –Mänteln ein russischer Zug in die Inszenierung. Der Chor tritt einheitlich in roten Gummistiefeln und anderen ländlichen Kleidungsstücken wie Schürzen oder Kopftüchern auf. Während der Festveranstaltungen dominieren schlichte Anzüge und elegante Kleider.

Sänger und Orchester

Larissa Krokhina in der Rolle der Tatjana war darstellerisch und stimmlich überragend. Sie beeindruckte mit ihrer strahlenden Sopranstimme. In der Briefszene (1. Akt, 2. Bild) sang sie sehr gut und verstand es, die verschiedenen Gefühlslagen ihrer Partie nachvollziehbar umzusetzen. Dafür wurde sie vom Publikum mit langanhaltendem Applaus geehrt. Neben ihr glänzte Szabolcs Brickner als Lenski. Seine voluminöse, klar klingende Tenorstimme zog den Hörer in ihren Bann. Besonders bei seinen hohen, langgehaltenen Tönen konnte er stimmlich beeindrucken. Die Rolle der Olga übernahm Karin Neubauer. Erwähnenswert bei ihr ist vor allem ihre schauspielerische Leistung: ihre Rolle als lebenslustige Person setzte sie darstellerisch gekonnt um. Eugen Onegin wurde von Uwe Schenker-Primus gespielt. Sein kraftvoller Bariton kam besonders in seiner Arie Kogda bi zhizn domashnim krugom – Wenn ich mein Leben so verbringen wollte (1. Akt, 3. Bild) zur Geltung. Hidekazu Tsumaya (Fürst Gremin) sang seine Passagen mit einer durchschlagenden Baßstimme, und seine Arie (3. Akt, 1. Bild) faszinierte die Zuhörer. Julia Oesch (Larina) brachte ihren warmen und kraftvoll klingenden Mezzosopran in das Ensemble ein, ebenso wie Christine Hansmann als Filipjewna, die ihre Rolle als Amme musikalisch und schauspielerisch überzeugend umsetzte.

Das Orchester stellte unter der Leitung von Stefan Solyom sein Können unter Beweis. Solyom verstand es, das Orchester mit dem Ensemble auf der Bühne zusammenzubringen. Der Opernchor konnte mit seinen ausdrucksstarken und energiegeladenen Passagen brillieren, die gut mit dem Orchester harmonierten.

Fazit

Die Premiere war von den stimmlich und schauspielerisch gediegenen Leistungen der Sänger geprägt. Fast alle wurden mit Zwischenapplaus und Bravo-Rufen bedacht. Das Regie- und Ausstattungsteam mußte hingegen einige Buh-Rufe hinnehmen.

Saskia Hankel

Bild: Monika Rittershaus

Das Bild zeigt: Uwe Schenker-Primus (Eugen Onegin), Hidekazu Tsumaya (Fürst Gremin), Larissa Krokhina (Tatjana), Livia Meinhold (Tatjana als Kind), Opernchor des Deutschen Nationaltheaters Weimar

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