{"id":998,"date":"2010-01-25T23:11:30","date_gmt":"2010-01-25T21:11:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=998"},"modified":"2010-03-21T13:25:21","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:21","slug":"bonn-opernhaus-der-golem","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=998","title":{"rendered":"Bonn, Opernhaus &#8211; DER GOLEM"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Eugen d\u00b4Albert (1864-1932) Musikdrama in drei Akten, Libretto: Ferdinand Lion nach dem gleichnamigen naturalistischen Drama von Arthur Holitscher (1908), UA: 14. Dezember 1926 Frankfurt a.M. Regie: Andrea Schwalbach, B\u00fchne: Anne Neuser, Kost\u00fcme: Stefan von Wedel, Beleuchtung: Max Karbe, Dirigent: Stefan Blunier,  Beethovenorchester Bonn; Chor des Theaters Bonn, Einstudierung: Sibylle Wagner, Solisten: Mark Morouse (Golem), Alfred Reiter (Rabbi Loew), Tansel Akzeybek (J\u00fcnger), Ingeborg Greiner (Lea), Giorgos Kanaris (Kaiser Rudolf II.), Mark Rosenthal (1. Jude), Sven Bakin (2. Jude), Katrin Schyns (J\u00fcdin)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 24. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/bonn-golem.jpg\" TITLE=\"bonn-golem.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/bonn-golem.jpg\" ALT=\"bonn-golem.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Prag zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Eine kabbalistische Erz\u00e4hlung aus dem j\u00fcdischen Prag berichtet von Rabbi Loew, der aus Lehm ein \u00fcbermenschlich gro\u00dfes und starkes Wesen (Golem: ungeformte Masse) ausgr\u00e4bt und es mit Hilfe mystischer Kr\u00e4fte zum Leben erweckt. Lea, die in Tr\u00e4umen schwelgende Tochter des Rabbis, n\u00e4hert sich dem Golem in menschlicher Weise, bringt ihm das Sprechen bei. Der Golem verliebt sich in das M\u00e4dchen. Indem er langsam seine eigene Existenz erkennt,  verweigert er dem Rabbi immer mehr den Gehorsam und versetzt schlie\u00dflich die Bewohner des Ghettos, anstatt es zu sch\u00fctzen,  in Angst und Schrecken. Am Ende t\u00f6ten sich der Golem und Lea, um im Tod vereint zu sein.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nRabbi Loew zerrt mit seinem J\u00fcnger einen eingeh\u00fcllten menschlichen K\u00f6rper (Golem) in eine bis auf die Dachluke geschlossene Kuppel. Am Rand der an das r\u00f6mische Pantheon erinnernden Kuppel hockt eine puppenhaft ausstaffierte Gruppe. Im Verlauf der Handlung, die in schwarz- wei\u00df und grauem Interieur und Kost\u00fcmen spielt, wird klar, da\u00df aus diesem Raum niemand entkommt. Es ist eine Art Laboratorium des Rabbi. Unter den Per\u00fccken und Masken der Gruppe sieht man riesige Operationsnarben, offensichtlich gescheiterte Experimente des Rabbi. Die Kost\u00fcme passen stilistisch in die Entstehungszeit der Oper. Im letzten Akt ist die Kuppel zerschlagen. Die Juden des Ghettos berichten von den Greueltaten eines Unbekannten.  Als sich beiden Verliebten am Ende die Pulsadern \u00f6ffnen, wird das Rot ihres Blutes zur einzigen Farbe.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMusikalisch ist unter dem sorgf\u00e4ltigen Dirigat von <strong>Stefan Blunier<\/strong> nicht nur an Richard Wagner erinnernde Leitmotivik zu vernehmen, sondern das schwere Parfum changierender Harmonien des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts. Trotz \u00fcppiger Orchesterbesetzung sind die Solisten sehr gut zu verstehen, die \u00dcbertitel sind dennoch begr\u00fc\u00dfenswert. Allen voran ragt der Bassist <strong>Alfred Reiter<\/strong> als Rabbi sowohl musikalisch als auch darstellerisch heraus. Mit zwar sparsamen Gesten, jedoch ausdrucksstarker Mimik verk\u00f6rpert er den verwegenen Geist des Rabbis, der selbst Sch\u00f6pfer sein will. Ihm steht die glasklar artikulierende <strong>Ingeborg Greiner<\/strong> mit ihrer eindringlichen Verk\u00f6rperung der somnambulen Lea in nichts nach. Leas Ann\u00e4herung an den Neuling Golem bis hin zur Liebesbekundung ist zwischen Traumverwirrtheit und naiver Zuneigung glaubhaft dargestellt. <strong>Tansel Akzeybek<\/strong> gibt den h\u00f6rigen und in Lea verliebten J\u00fcnger \u00fcberzeugend wieder. <strong>Mark Morouse<\/strong> als Golem singt seine Partie ausdrucksstark, die k\u00f6rperliche Beh\u00e4bigkeit seiner Rolle pa\u00dft gut zu seiner Person, nicht desto trotz, wirkt dieser Golem kaum be\u00e4ngstigend, im Vergleich zu der seine Aktionen begleitenden, aufbrausenden, fast wie einen Film illustrierenden Musik. Die Texte sprechen die Sprache des Expressionismus: Die Rede ist von Traumdeutung, Psychoanalyse und mystischen \u00dcberlieferungen.<br \/>\nDie in Farben schwelgende Musik wurde nicht immer zur Inspirationsquelle der Regisseurin <strong>Andrea Schwalbach<\/strong> f\u00fcr Aktionen und Bilder oder gar f\u00fcr die Charakterisierung des Titelhelden. Ansonsten h\u00e4tte manche musikalische Phrase, die geradezu mit maschinell wirkenden Repetitionen arbeitet, den Golem roboterhafter erscheinen lassen. Wenn im 3. Akt von begangenen Morden des Golem im Ghetto berichtet wird, bleiben die Augenzeugenberichte ohne Bilder. Daf\u00fcr werden zu Beginn, an Stelle einer Ouvert\u00fcre, Videoproduktionen von menschlichen Gesichtern gezeigt, die im Verlauf mit keiner Person mehr verkn\u00fcpft werden k\u00f6nnen und deren Sinn verborgen bleibt.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie <strong>Stefan Blunier<\/strong> zu verdankende Wiederentdeckung eines lange Zeit vergessenen Werkes des Sch\u00f6pfers von <em>Tiefland<\/em> (1905) f\u00fcr Bonn ist zu w\u00fcrdigen. Musikalisch l\u00e4\u00dft die Bonner Auff\u00fchrung kaum W\u00fcnsche offen. Die schillernde Instrumentierung, die illustrierende Musik verfehlte ihre Wirkung nicht, ebenso wie die von den S\u00e4ngern glanzvoll dargebotene Partien.<br \/>\nFelicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Lilian Szokody<br \/>\nDas Bild zeigt: links: Ingeborg Greiner (Lea), rechts Mark Morouse (Golem)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Eugen d\u00b4Albert (1864-1932) Musikdrama in drei Akten, Libretto: Ferdinand Lion nach dem gleichnamigen naturalistischen Drama von Arthur Holitscher (1908), UA: 14. Dezember 1926 Frankfurt a.M. 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