{"id":986,"date":"2010-01-25T11:41:40","date_gmt":"2010-01-25T09:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=986"},"modified":"2010-03-21T13:25:21","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:21","slug":"essen-aalto-theater-lulu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=986","title":{"rendered":"Essen, Aalto Theater &#8211; LULU"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Musik und Text von Alban Berg (1885-1935), nach Frank Wedekind, Oper in zwei Akten<br \/>\nUA: 2. Juni 1937, Z\u00fcrich<br \/>\nRegie: Dietrich Hilsdorf, B\u00fchnenbild: Johannes Leiacker, Kost\u00fcme: Renate Schmitzer<br \/>\nDirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker<br \/>\nSolisten: Julia Bauer (Lulu), Heiko Trinsinger (Dr. Sch\u00f6n), Thomas Piffka (Alwa), G\u00fcnter Kiefer (Schigolch), Bea Robein (Gr\u00e4fin Geschwitz), Andreas Hermann (Maler), Almas Svilpa (Tierb\u00e4ndiger\/Athlet Rodrigo) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"essen-lulu.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/essen-lulu.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"essen-lulu.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/essen-lulu.jpg\" \/><\/a>Der Journalist Dr. Sch\u00f6n hat vor Jahren die kindlich-verf\u00fchrerische Lulu von der Stra\u00dfe aufgelesen und ist ihr seitdem rettungslos verfallen. Um sich von ihr zu l\u00f6sen, verkuppelt er sie immer wieder an andere M\u00e4nner. Ohne Erfolg: Lulus ersten Gatten, den Medizinalrat, trifft der Schlag, der zweite, ein Maler, schneidet sich die Kehle durch. Resigniert l\u00e4\u00dft Dr. Sch\u00f6n sich erneut mit Lulu ein und heiratet sie. Zur Katastrophe kommt es, als Dr. Sch\u00f6n in der gemeinsamen Wohnung gleich eine ganze Reihe von Nebenbuhlern antrifft, darunter die lesbische Gr\u00e4fin Geschwitz und seinen Sohn Alwa. Lulu erschie\u00dft Dr. Sch\u00f6n und kommt ins Gef\u00e4ngnis. Mit Hilfe der Gr\u00e4fin, des Athleten Rodrigo und des zwielichtigen Landstreichers Schigolch kann Alwa sie befreien. Wie Dr. Sch\u00f6n verf\u00e4llt Alwa ihr mit Haut und Haar. In dem von Berg nicht mehr vollst\u00e4ndig vertonten dritten Akt wird Lulu zur Prostituierten und schlie\u00dflich von Jack the Ripper ermordet.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Ausstattung f\u00fchrt uns mitten in das Intellektuellen- und K\u00fcnstlermilieu einer modernen Stadt. Die B\u00fchne stellt ein k\u00fchles, elegantes Loft dar, das mit Mobiliar, Requisiten und mond\u00e4nen Kost\u00fcmen der jeweiligen Szenerie angepa\u00dft wird. Im Hintergrund sind nach dem Selbstmord des Malers \u00fcberlebensgro\u00df und blut\u00fcberstr\u00f6mt seine Gem\u00e4lde von Lulu zu sehen. Zu den Orchesterzwischenspielen werden Filme auf den Vorhang projiziert, die genau da einsetzen, wo die Handlung zuvor aufgeh\u00f6rt hat. Auch die Umbauten sind minuti\u00f6s in den Filmen zu sehen. An die Stelle des von Berg nur skizzenhaft hinterlassenen dritten Aktes tritt seine <em>Lulu<\/em>-Orchestersuite, die Handlung wird pantomimisch fortgesetzt. Lulu f\u00e4llt nicht Jack the Ripper zum Opfer, sondern Alwa, der ihr \u2013 als Reminiszenz an den Maler &#8211; die Kehle durchschneidet. Wehklagend sinkt die Gr\u00e4fin Geschwitz \u00fcber der Leiche zusammen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nAlban Berg geh\u00f6rt zur Neuen Wiener Schule, einem Komponistenkreis, in den auch Arnold Sch\u00f6nberg und seine Zw\u00f6lftonmusik einzuordnen sind. Mit <em>Lulu <\/em>orientiert sich Berg zwar an Sch\u00f6nberg, schafft aber kein durchweg zw\u00f6lft\u00f6niges Werk. Vielmehr sind auch Einfl\u00fcsse der Sp\u00e4tromantik (Mahler) oder von Bergs eigener Oper <em>Wozzek<\/em> h\u00f6rbar, in der er die Grenzen der tonalen Musik au\u00dfer Kraft setzte, ohne ein neues System an ihre Stelle treten zu lassen.<br \/>\nIn die nicht einfache <em>Lulu<\/em>-Partitur st\u00fcrzen sich <strong>Stefan Soltesz<\/strong> und seine <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> mit Verve. Sie schaffen eine mitrei\u00dfende und leidenschaftliche Atmosph\u00e4re, der man sich kaum entziehen kann. Dabei steht ihnen ein gro\u00dfartiges Ensemble zur Verf\u00fcgung, an der Spitze <strong>Julia Bauer<\/strong> (Lulu). Ihr leichter, m\u00e4dchenhafter Sopran setzt auf auch in extremer H\u00f6he glasklare, fast \u00e4therische Spitzent\u00f6ne, die man selten so perfekt geh\u00f6rt hat. Bauer spielt Bergs Antiheldin als eine Mischung aus trotzigem Balg und naiver Blondine, l\u00e4\u00dft aber gelegentlich durchblicken, da\u00df Lulu die Situation durchaus unter Kontrolle hat. <strong>Heiko Trinsinger<\/strong> (Dr. Sch\u00f6n), auf dem besten Weg zum Heldenbariton, wartet bei aller dramatischen Wucht mit nobler Stimmf\u00fchrung und deklamatorischer Klarheit auf. In Bestform pr\u00e4sentiert sich auch der Tenor <strong>Thomas Piffka<\/strong> (Alwa): Seine nahezu am Flie\u00dfband geforderten hohen T\u00f6ne bew\u00e4ltigt er kraftvoll und m\u00fchelos aus dem Brustregister heraus. <strong>G\u00fcnter Kiefer<\/strong> (Schigolch) stellt nicht, wie bei dieser Rolle \u00fcblich, einen Tattergreis dar, sondern zeigt mit saftigem, rabenschwarzem Ba\u00df den gef\u00e4hrlichen Charakter der Figur. <strong>Bea Robein<\/strong> (Gr\u00e4fin Geschwitz) und <strong>Andreas Hermann<\/strong> (Maler) empfehlen sich in ihren kurzen, aber anspruchsvollen Rollen mit Nachdruck. Ideal besetzt ist auch der grobschl\u00e4chtig singende und spielende <strong>Almas Svilpa<\/strong> (Tierb\u00e4ndiger\/Rodrigo).<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nZu Recht wird die Auff\u00fchrung frenetisch bejubelt. Zur der \u00fcberragenden musikalischen Leistung pa\u00dft die unterhaltsame, \u00e4sthetisch anspruchsvolle Inszenierung von <strong>Dietrich Hilsdorf<\/strong>, der nicht nur f\u00fcr die Tragik der Handlung ein Gesp\u00fcr hat, sondern auch f\u00fcr ihre bizarren, an moderne Boulevardkom\u00f6dien erinnernden Elemente. Dabei \u00fcberrascht die Regie den Zuschauer immer wieder, von den filmischen Zwischenspielen bis hin zum unkonventionell dargebotenen Schlu\u00dfapplaus. Diese Produktion, eine der besten des Aalto Theaters in den letzten Jahren, ist auf jeden Fall einen Besuch wert!<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<br \/>\nDas Bild zeigt: Vor der Katastrophe: Almas Svilpa (Ein Tierb\u00e4ndiger \/ Athlet), Heiko Trinsinger (Dr. Sch\u00f6n, Chefredakteur) und Julia Bauer (Lulu), v. l. n. r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik und Text von Alban Berg (1885-1935), nach Frank Wedekind, Oper in zwei Akten UA: 2. 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