{"id":984,"date":"2010-01-24T22:58:46","date_gmt":"2010-01-24T20:58:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=984"},"modified":"2010-03-21T13:25:22","modified_gmt":"2010-03-21T12:25:22","slug":"greifswald-theater-vorpommern-%e2%80%93-orpheus-und-eurydike","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=984","title":{"rendered":"Greifswald, Theater Vorpommern \u2013 ORPHEUS UND EURYDIKE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Oper in drei Akten in einer Inszenierung als Tanzoper, nach der Wiener Fassung angereichert mit zwei Ballett-Tableaus aus der Pariser Fassung, Libretto: Ranieri de\u2018 Calzabigi, UA: Wien 1762 und Paris 1774<br \/>\nRegie\/Choreographie: Ralf D\u00f6rnen, B\u00fchne: Hans Winkler, Kost\u00fcme: Claudia Kuhr, Licht: Kirsten Heitmann, Dramaturgie: Catrin Darr<br \/>\nDirigent: Per-Otto Johansson, Philharmonisches Orchester Vorpommern, Ballett Vorpommern, Opernchor des Theaters Vorpommern, Einstudierung: Thomas Riefle<br \/>\nSolisten: Wiebke Damboldt (Orpheus\/Gesang), Simon Kranz (Orpheus\/Tanz), Anette Gerhardt (Eurydike\/Gesang), Virginia Segarra Vidal (Eurydike\/Tanz), Eva Resch (Amor\/Gesang), Yoko Osaki und Armen Khachatrian (Amor\/Tanz), u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 23. Januar 2010 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"greifswald-orpeus-u-euridik.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/greifswald-orpeus-u-euridik.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"greifswald-orpeus-u-euridik.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/greifswald-orpeus-u-euridik.jpg\" \/><\/a>Eurydike, die Geliebte des Orpheus, ist an einem Schlangenbi\u00df gestorben. Als er den Verlust beklagt, erscheint der Liebesgott Amor und gestattet ihm den Abstieg in die Unterwelt. Wenn es ihm gel\u00e4nge, die W\u00e4chter des Hades, die Furien und den H\u00f6llenhund Zerberus, mit seinem Gesang zu bes\u00e4nftigen, d\u00fcrfe er Eurydike wieder zum Leben zur\u00fcckf\u00fchren. Bedingung daf\u00fcr ist, da\u00df er sich auf dem R\u00fcckweg nicht nach ihr umsieht. Orpheus r\u00fchrt tats\u00e4chlich die Furien und den Zerberus mit seiner Musik und f\u00fchrt Eurydike an der Hand zur\u00fcck, doch Eurydike klagt, da\u00df Orpheus sie nicht mehr liebe, weil er sie nicht ans\u00e4he. Von seinen Gef\u00fchlen \u00fcberw\u00e4ltigt dreht er sich nach ihr um \u2013 und sie sinkt tot zu Boden. Orpheus, von Trauer und Selbstvorw\u00fcrfen geplagt, beschlie\u00dft, sich das Leben zu nehmen. Da erscheint Amor aufs Neue, erweckt Eurydike wieder zum Leben und vereint die beiden Liebenden.<br \/>\n<strong>Vorbemerkung zur <em>Tanzoper<\/em><\/strong><br \/>\nDie Inszenierung von Glucks Oper als Ballett ist keine neuartige Idee \u2013 schon so bekannte Choreographen wie John Neumeier und Pina Bausch haben sich daran versucht. Diese Oper mit ihrem drastisch reduzierte Personal, in der die Handlung weitestgehend w\u00e4hrend der langen Orchesterpassagen stattfindet, eignet sich dazu besonders gut. Tats\u00e4chlich war die Einbeziehung von Ballettszenen in die Oper im 18. Jahrhundert durchaus g\u00e4ngig, besonders in Frankreich, weshalb Gluck f\u00fcr die Auff\u00fchrung seiner Oper in Paris l\u00e4ngere Ballett-Tableaus hinzukomponierte. Die komplette Inszenierung als <em>Tanzoper<\/em> stellt lediglich einen weiteren Schritt in diese Richtung dar. Ralf D\u00f6rnen durchbricht in seiner Version, die auf der Wiener Fassung mit einer Kastratenrolle als Orpheus beruht und die Pariser Ballett-Tableaus mit einbezieht, die Grenzen zwischen Oper und Ballett.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas B\u00fchnenbild zeigt eine gr\u00fcne Blumenwiese, dahinter blauen Himmel mit kleinen W\u00f6lkchen und im Vordergrund einen gro\u00dfen Apfelbaum. Die Assoziation zum Garten Eden ist gewollt. Die Unterwelt ist als ein gl\u00fchendes Lavafeld gestaltet, der Hintergrund erscheint in anderem Licht und erscheint r\u00f6tlich mit Rauchschwaden, im Vordergrund sind die Wurzeln des Apfelbaums zu sehen. Die Kost\u00fcme stammen aus einer zeitlich unbestimmten Phantasiewelt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Wiebke Damboldt<\/strong> (Orpheus) verf\u00fcgte zwar \u00fcber einen warmen und gef\u00fchlvollen Klang der Stimme, st\u00f6rte aber den musikalischen Ausdruck, besonders in den rezitativischen Abschnitten, durch \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Vibrato. Im tieferen Register der eigentlich f\u00fcr einen Kastraten geschriebenen Partie fehlte ihr etwas Substanz. Das letzte Klagelied und das Schlu\u00dfterzett gelangen ihr aber sehr gut. Stimmlich \u00fcberzeugen konnten <strong>Eva Resch<\/strong> (Amor) und <strong>Anette Gerhardt<\/strong> (Eurydike), die der klassischen Eleganz des St\u00fcckes gerecht wurden und, ebenso wie der <strong>Chor<\/strong>, \u00fcberlegene Textdeklamation zeigten.<br \/>\nDas <strong>Orcheste<\/strong><strong>r<\/strong> fiel stellenweise durch Intonationsschw\u00e4chen auf, besonders in den hohen Streichern. Auch die Abstimmung zwischen Streichern und Holzbl\u00e4sern gelang nicht vollends. Ein merkw\u00fcrdiger Gegensatz entstand zwischen dem romantisierten Streicherklang, der elegant-flexiblen musikalischen Gestaltung durch <strong>Per-Otto Johansson<\/strong> und der gut artikulierten, an historischer Auff\u00fchrungspraxis orientierten Spielweise des Continuo-Cembalos. Die Balance zwischen Orchester und Gesang war ausgezeichnet.<br \/>\n<strong>Choreographie<\/strong><br \/>\nDurch die ironisch-laszive, bewu\u00dft die Grenze zum Kitsch \u00fcberschreitende Gestaltung der Figur des Amor, der durch zwei clownartige tanzende Putten unterst\u00fctzt wird und als einzige Gesangsrolle aktiv an der B\u00fchnenhandlung teilnimmt, wird der Tanzoper ein unerwartetes komisches Element zugef\u00fchrt. Zum Ende h\u00e4lt D\u00f6rnen eine \u00dcberraschung bereit: Nachdem die tanzende Eurydice zusammengebrochen ist, bettet sie Orpheus auf r\u00fchrende Weise zur letzten Ruhe nieder und verharrt anschlie\u00dfend regungslos an ihrer Seite. Amor wendet sich nicht an ihn, sondern adressiert statt dessen sein Alter Ego der S\u00e4ngerin, die bis dahin nicht an der B\u00fchnenhandlung teilgenommen hat, sondern sich am Rande der Vorderb\u00fchne aufhielt. Die Rollenverteilung wird aufgebrochen, die Wendung zum Happy End durch das Auftreten eines Deus ex machina wird entsch\u00e4rft und gleichzeitig um eine Ebene erweitert: W\u00e4hrend die gl\u00fccklich Liebenden mit Amor das Schlu\u00dfterzett anstimmen, stellen die T\u00e4nzer das eigentliche tragische Ende der mythologischen Handlung dar \u2013 das Lachen bleibt im Halse stecken. Endg\u00fcltig dekonstruiert wird die Illusion kurz vor Schlu\u00df, als B\u00fchnenarbeiter noch w\u00e4hrend des Terzetts beginnen, um das regungslose Paar herum die Kulissen abzubauen, unbeachtet von S\u00e4ngern und Orchester.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDer langanhaltende Applaus, den das Greifswalder Publikum am Ende der Vorstellung spendete, war durchaus gerechtfertigt. Trotz einiger musikalischer Schw\u00e4chen war die Auff\u00fchrung insgesamt sehr gelungen. Die Kombination aus gef\u00fchlvollem Gesang und guter, stellenweise sogar zauberhafter Choreographie rechtfertigte die Inszenierung dieser Oper als Ballett voll und ganz. Geboten wurden solide elegante Oper, virtuoses und emotionales Tanztheater, und eine faustdicke \u00dcberraschung am Ende.<\/p>\n<p>Anna-Juliane Peetz<\/p>\n<p>Bild: Vincent Leifer<br \/>\nDas Bild zeigt: Eva Resch (Amor), oberer Bildrand, Simon Kranz (Orpheus\/Tanz), Bildmitte, Yoko Osaki, links, und Armen Khatchatrian (Amor\/Tanz), rechts<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Oper in drei Akten in einer Inszenierung als Tanzoper, nach der Wiener Fassung angereichert mit zwei Ballett-Tableaus aus der Pariser Fassung, Libretto: Ranieri de\u2018 Calzabigi, UA: Wien 1762 und Paris 1774 Regie\/Choreographie: Ralf D\u00f6rnen, B\u00fchne:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=984\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[70,1],"tags":[],"class_list":["post-984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-greifswald-theater-vorpommern","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=984"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1211,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/984\/revisions\/1211"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}